Südtiroler Unternehmen berichten. Außerdem haben wir bei Experten nachgefragt, warum der Markt trotz Sanktionen nicht eingebrochen ist.<BR /><BR />Seit Ende Februar 2022 führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Die EU reagierte darauf mit scharfen Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen das Land. Allen 11 Sanktionspaketen zum Trotz sind die Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Westen und Russland jedoch nicht völlig eingebrochen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61316119_quote" /><BR /><BR /> Bei Alex Ferrigato, Verkaufsleiter der Kellerei Schreckbichl in Girlan, ist, was den Weinverkauf nach Russland betrifft, die Stimmung positiv. „Der russische Markt war und ist mit vielen Unsicherheiten und Spannungsfeldern verbunden. Es ist deswegen erstaunlich, dass der Export bei uns stabil geblieben- wenn nicht sogar leicht gestiegen ist“, sagt er. Russland mache in seinem Unternehmen weiterhin rund 12 Prozent des Umsatzes aus. <BR /><BR />Ob das auch weiterhin so bleibt, hänge auch davon ab, inwieweit Russland die Einfuhr von Weinen beschränken werde. „Ab August hat Russland die Zolltarife erhöht“, erklärt Ferrigato. Für Wein beträgt der Tarif statt 12,5 satte 20 Prozent.<BR /><BR /><embed id="dtext86-61316112_quote" /><BR /><BR />Auch Stefan Rainer, Chief Sales Officer der Oberalp Group, bestätigt, dass nach dem ersten Schock zu Beginn des Krieges, sich die Handelsbeziehungen mit der russischen Föderation erholen. „2022 sind unsere Exporte nach Russland um 80 Prozent zurückgegangen. Mittlerweile ist die Entwicklung positiv. Ich glaube, es stellt sich ein neues Normal ein“, sagt Rainer. <BR /><BR />Man habe mit den Sanktionen aber weiterhin mit erschwerten und sich ständig verändernden Regeln zu tun. „Deshalb ist es auch sehr schwierig vorherzusagen, wie sich der Markt in Zukunft weiterentwickeln wird“.<h3> Zuerst der Einbruch, dann die Erholung</h3>In Italien sind dem Statistikamt Istat zufolge zwischen 2021 und 2022 die Exporte nach Russland um gerade einmal 24 Prozent von 7,6 auf 5,8 Milliarden Euro geschrumpft. In Österreich sind die Ausfuhren laut Zahlen der Statistik Austria sogar nur um 8 Prozent zurückgegangen. <BR /><BR />Ein Blick auf die Südtiroler Exportzahlen zeigt ein ähnliches Bild: Die Exporte sind zwischen 2021 und 2022 von 38 auf 28,3 Millionen Euro um ein Viertel zwar geschrumpft, von einem Totaleinbruch ist man aber weit entfernt. Nur zu Beginn des Krieges gab es einen empfindlichen Einbruch des Außenhandels: Im zweiten Quartal 2022 sind die Exporte im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Doch bereits in den Monaten darauf haben sich die Exportzahlen erholt.<BR /><BR />Auch die ersten Zahlen des heurigen Jahres deuten darauf hin, dass sich der Markt stabilisiert. Im Vergleich zum Vorjahr sind im zweiten Quartal 2023 die Ausfuhren nach Russland von 6,2 auf 6,8 Millionen um 9,1 Prozent sogar gestiegen. Gewisse Produktgruppen wurden 2022 sogar mehr exportiert, wie vor Kriegsbeginn. Darunter zählen Nahrungsmittel und Getränke (Plus 22 Prozent). <h3> „Schlupflöcher müssen gestopft werden“</h3>Die Frage, welche man sich nun stellt: Warum bricht der Markt trotz Sanktionen nicht ein? Die Antwort liegt bei den Sanktionspaketen selbst, denn „diese betreffen bei weitem nicht alle Produktgruppen“, erklärt Klaus Weyerstrass, Ökonom und Professor am Institut für Höhere Studien in Wien. Von den Ausfuhrbeschränkungen ausgenommen seien vor allem Nahrungsmittel, Getränke, sowie Pharmazeutika, um der russischen Zivilbevölkerung nicht zu schaden.<BR /><BR />Auch der Dienstleistungshandel wird nicht zur Gänze von den Sanktionen erfasst, „lediglich die Erbringung bestimmter unternehmensrelevanter Dienstleistungen, wie zum Beispiel Wirtschaftsprüfung, IT-Beratung, Rechtsberatung sowie Architektur- und Ingenieurdienstleistungen, ist verboten“, sagt Elisabeth Christen vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung. <BR /><BR />Will man in Zukunft die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Westen und der russischen Föderation noch weiter einschränken, „wird es darauf ankommen, die Schlupflöcher zu schließen“, sagt Weyerstrass. Will heißen: „Russland bekommt weiterhin westliche Technologie über Drittländer, für die keine Sanktionen gelten. Diese Weitergabe durch Dritte muss unterbunden werden“, erklärt der Ökonom. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61262825_quote" /><BR /><BR />Zuletzt müsse aber auch die Abhängigkeit von Russland, was Rohstoffe anbelangt, weiter reduziert werden. „Mit Rohstoffen sind wir weiterhin erpressbar“, sagt Weyerstrass. Mache man sich weiter unabhängig, könne man den Zahlungsverkehr zwischen Russland und der EU weiter einschränken.