Mittwoch, 25. Juli 2018

Ryanair-Streik: Tipps für betroffene Passagiere

Flugpassagiere haben es zu Zeit nicht leicht: So streicht Ryanair zum Beispiel hunderte Flüge von und nach Spanien, Portugal und Belgien aufgrund eines Streiks des Kabinenpersonals. In Italien wurde der Streik zwar abgesagt, trotzdem müssen auch italienische Passagiere mit streikbedingten Flugausfällen und damit einhergehenden Unannehmlichkeiten rechnen. Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) gibt Tipps, falls Sie selbst vom Streik betroffen sind.

Findet der Ersatzflug erst am nächsten Tag statt, muss die Fluggesellschaft dem Passagier dementsprechend ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen.
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Findet der Ersatzflug erst am nächsten Tag statt, muss die Fluggesellschaft dem Passagier dementsprechend ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen. - Foto: © shutterstock

„Egal ob Streik oder nicht: Im Falle einer Flugannullierung darf die Fluggesellschaft den Passagier nicht einfach so am Flughafen stehen lassen“, betont Monika Nardo, Leiterin des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ) in Bozen. Die EU-Fluggastrechteverordnung sieht vor, dass die ausführende Fluggesellschaft dem Passagier die Wahl zwischen der vollständigen Ticketrückerstattung und der kostenlosen Umbuchung auf einen Ersatzflug zum Endziel – zum frühestmöglichen Zeitpunkt beziehungsweise zu einem späteren Zeitpunkt nach Wunsch des Passagiers – anbieten muss. Dabei ist es nicht relevant, welche Umstände zur Flugannullierung geführt haben.

Betreuung und Unterstützung bei Streik

Auch bezüglich der Bereitstellung von Betreuungs- und Unterstützungsleistungen, wie Essen und Trinken, kann die Fluggesellschaft keine Ausschlussgründe geltend machen. Wenn der Passagier das Angebot auf Umbuchung auf den erstmöglichen Flug der Fluggesellschaft annimmt, muss die Fluggesellschaft die Betreuungsleistungen so lange zur Verfügung stellen, bis das Endziel erreicht wird.

Findet der Ersatzflug erst am nächsten Tag statt, muss die Fluggesellschaft dem Passagier dementsprechend ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen, die Fahrtkosten zwischen Flughafen und Hotel übernehmen und auch für Mahlzeiten und Getränke sorgen.

Der Anspruch auf Betreuungsleistungen endet jedoch sofort, wenn der Fluggast mit der Fluggesellschaft eine Beförderung zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart oder sich für die Rückerstattung des unbenutzten Tickets entscheidet.

Der Schadenersatz im Fall einer Flugannullierung

Die EU-Fluggastrechteverordnung sieht zwar im Falle einer nicht rechtzeitig mitgeteilten Flugannullierung eine Ausgleichszahlung von 250, 400 oder 600 Euro als Schadenersatz für die entstandenen Unannehmlichkeiten vor. Laut EU-Fluggastrechteverordnung ist diese Ausgleichszahlung aber nicht geschuldet, wenn „außergewöhnliche Umstände“ die Annullierung verursacht haben.

Aus diesem Grund wird die Ausgleichszahlung bei einem angekündigten Streik wahrscheinlich nicht einforderbar sein, da ein dieser allgemein als außergewöhnlicher Umstand im Sinne der EU-Fluggastrechteverordnung gilt.

Trotzdem sei gesagt, dass die Passagiere zumindest einen Versuch machen sollten, die Ausgleichszahlung einzufordern, da der Europäische Gerichtshof kürzlich geurteilt hat, dass ein „wilder Streik“ des Flugpersonals keinen außergewöhnlichen Umstand darstellt, der es der Fluggesellschaft erlaubt, sich von ihrer Verpflichtung zur Leistung von Ausgleichszahlungen zu befreien.

Bei Pauschalreise auf sich allein gestellt

Betroffene Passagiere, welche die Flüge im Rahmen einer Pauschalreise (zum Beispiel ein Paket bestehend aus Flug und Hotel) gebucht haben, müssen sich nicht selbst um die Umbuchung kümmern: In diesem Fall muss der Reiseveranstalter sicherstellen, dass der Verbraucher befördert wird und gegebenenfalls einen Ersatzflug organisieren. Dem Verbraucher dürfen dabei keine Mehrkosten entstehen.

stol

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