Mittwoch, 15. Februar 2017

SAD-Chef will Löhne online stellen – die Gewerkschaft kontert

Jeder, der hierzulande auf Öffis angewiesen ist, bekommt das raue Klima in der SAD in mittlerweile regelmäßigen Abständen zu spüren: Immer wieder wird bei Bus und Bahn gestreikt. SAD-Chef Ingomar Gatterer droht nun mit Folgen. Die Gewerkschaft kontert.

Dicke Luft zwischen SAD-Personal und SAD-Chef Ingomar Gatterer (rechts). Der nächste Streik ist schon geplant.
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Dicke Luft zwischen SAD-Personal und SAD-Chef Ingomar Gatterer (rechts). Der nächste Streik ist schon geplant. - Foto: © D

Richard Goller will erst einmal abwarten. Abwarten, ob Gatterer seinen Worten wirklich Taten folgen lässt und erst dann – aber richtig – reagieren. In einem Brief hatte SAD-Chef Gatterer seinen Mitarbeitern kürzlich die Rute ins Fenster gestellt. Er werde, angesichts immer wiederkehrender Streiks, die Lohnstreifen seiner Angestellten online stellen, hatte er darin angekündigt – zwar mit geschwärzten Abschnitten, aber immerhin. Dann sollten sich die Südtiroler und Südtirolerinnen selbst ein Bild davon machen, wie schlecht – oder doch gut – es um die Mitarbeiter der SAD bestellt ist.

„Unsere Reaktion auf den Brief – keine“, sagt Richard Goller. Der Fachsekretär der Gewerkschaft für Transport und Verkehr im ASGB, jene Fachgewerkschaft die meisten der rund 600 SAD-Bediensteten im Land vertritt, hat das Gatterer Schreiben dieser Tage zu Gesicht bekommen. Er mahnt zur Ruhe, keine überhasteten Reaktionen. „Doch sollte Gatterer wirklich ernst machen und die Daten online stellen, dann werden wir reagieren – und das richtig“, kündigt er an.

Darum wird bei der SAD so oft gestreikt

Der neue Schlagabtausch zwischen SAD-Chef Ingomar Gatterer und Gewerkschaft ist ein weiteres Kapitel, in einer Geschichte voller Machtkämpfe, die sich nun schon seit Monaten hinzieht. Das raue Klima, das SAD-intern herrscht, macht schon seit langem nicht mehr an den Grenzen des Unternehmens Halt. Immer wieder rufen Gewerkschaften zu Streiks auf und die SAD-Mitarbeiter folgen dem Aufruf meist in großer Zahl. Goller sagt, am letzten großen Streik vor wenigen Tagen – am 7. Februar streikte das SAD-Personal 24 Stunde lang – hätten 70 bis 80 Prozent der Bediensteten die Arbeit niedergelegt. Goller versteht die Angestellten. „Sie wollen ein Zeichen setzen“, sagt er.

Der nächste SAD-Streik ist schon geplant

Ein Zeichen, dass es so eben nicht mehr weitergeht. Dass die unbezahlten Wartestunden zwischen den Fahrten einfach zu viele seien, dass es nicht gerecht sei, dass Busfahrer oft stundenlang in der Peripherie auf neue Einsätze warten müssten und erst nach 12 Stunden wieder vom Arbeitsplatz nach Hause zurückkehren könnten. Genau deshalb, sagt Goller, sei in der Vergangenheit so oft gestreikt worden. Und genau deshalb werde man bei der SAD wieder die Arbeit niederlegen. Der nächste Streik ist schon geplant: am 21. Februar, wieder Bus und Bahn, wieder 24 Stunden.

stol

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