Georg Lun, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) der Handelskammer Bozen, berichtet über die Probleme der Wirtschaft und des Tourismus mit der neuen Bargeld-Beschränkung – und blickt in die Zukunft von Münzen und Scheinen. <BR /><BR /><BR />Seit Juli galt bereits ein Limit von 2000 Euro für Barzahlungen. Mit Beginn des neuen Jahres wird dieses nochmal gesenkt. Das bedeutet: Alle Transaktionen, die in bar für Beträge darüber getätigt werden, sind illegal. Empfindliche Strafen – von einer Mindeststrafe von 2000 Euro bis hin zu 50.000 Euro – drohen. <BR /><BR />Für Wirtschaft und Tourismus könnte dies durchaus Probleme mit sich bringen. Denn: Nachbarländer sind weit toleranter, was Barzahlungen betrifft, so gibt es in der Schweiz ein Limit von rund 15.000 Franken (über 14.000 Euro) und in Österreich sowie Deutschland gar keine Einschränkungen. „Es ist anzunehmen, dass es deshalb zu Geldabflüssen in diese Länder kommen wird“, bringt es Georg Lun auf den Punkt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-52114504_quote" /><BR /><BR />Vor allem viele Gäste aus dem deutschsprachigen Raum setzen unter anderem noch auf Bargeldzahlungen. „Es gibt hinsichtlich der Verwendung von Bargeld große kulturelle Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Skandinavien das Bargeld bereits jetzt fast vollständig verschwunden ist, ist es in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer noch sehr beliebt“, klärt Lun auf. So sind es Urlaubsgäste aus diesen Ländern gewohnt „ihren Aufenthalt bei uns in Bar zu bezahlen und betrachten diese 1000 Euro-Grenze deswegen oft als Schikane“. Für den Südtiroler Tourismus stelle die neue Bargeldgrenze deshalb „sicherlich eine Belastung dar“.<BR /><BR /><b>Bestrebungen seit 20 Jahren</b><BR /><BR />„In Italien gibt es bereits seit rund 20 Jahren Bestrebungen des Gesetzgebers, die Verwendung von Bargeld sukzessive einzuschränken“, erinnert der WIFO-Chef. Auch auf EU-Ebene werde dieses Thema diskutiert, EU-weite Regelungen sind in Ausarbeitung. Allerdings liegen die diskutierten Bargeldgrenzen auf EU-Ebene noch weit über dem Niveau, das Italien jetzt vorsieht. So hatte die EU-Kommission zuletzt eine EU-weite Barzahlungsobergrenze von 10.000 Euro vorgeschlagen.<BR /><BR />Laut dem Experten werde das Bargeld so oder so noch lange nicht verschwinden: „Viele ältere Menschen tun sich mit elektronischen Zahlungsmitteln schwer und bevorzugen deshalb weiterhin Bargeld. Außerdem legen viele Bargeldnutzer Wert auf ihre Privacy und möchten, dass Zahlungen auch weiterhin nicht vollständig nachvollziehbar sind.“ <BR /><BR /><b>Bekämpfung von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung</b><BR /><BR />Die Gründe für die Bargeldgrenzen sind freilich nachvollziehbar. „Der Hauptgrund ist die Bekämpfung von Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung, aber auch die Bekämpfung von Geldwäsche“, so Lun. <BR /><BR />Allerdings gebe es in der Zwischenzeit mit den sogenannten Kryptowährungen – wie etwa den bekannten Bitcoins – „neue Geldformen, die keiner Regulierung unterliegen und deshalb immer mehr für illegale Geschäfte genutzt werden“, erklärt der Experte. Es könnte demnach also durchaus sein, dass „die neue strenge Bargeldgrenze die Verschiebung der illegalen Aktivitäten und Geschäfte in den digitalen Raum beschleunigt.“<BR />