Das Bezahlen mit Scheinen und Münzen wirkt an der Ladenkasse zwar gebührenfrei, verursacht volkswirtschaftlich jedoch gewaltige Aufwände. Von der Produktion in der Druckerei über den gepanzerten Werttransport und die Tresorlagerung bis hin zum zeitintensiven Geldzählen im Handel und der Wartung von Geldautomaten entsteht ein enormer logistischer Apparat. <BR /><BR />Laut dem maßgeblichen Forschungsbericht der Europäischen Zentralbank zu den volkswirtschaftlichen Kosten von Bezahlmitteln („The social and private costs of retail payment instruments“) belaufen sich die Gesamtkosten der Bargeldinfrastruktur im Euroraum auf etwa 0,4 bis 0,6 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts. Bei der aktuellen Wirtschaftsleistung der Eurozone entspricht das einer jährlichen Summe von rund 60 bis 90 Milliarden Euro.<BR /><BR />Gleichzeitig verliert das physische Geld stetig an Boden. Aus den regelmäßigen Verbraucherstudien der EZB zum Bezahlverhalten im Euroraum (den sogenannten SPACE-Studien) geht hervor, dass vor rund zehn Jahren noch knapp 80 Prozent aller Einkäufe an den Ladenkassen mit Scheinen oder Münzen beglichen wurden. Heute liegt dieser Anteil bei den täglichen Transaktionen nur noch bei rund 59 Prozent. Beim Blick auf den Gesamtwert aller Umsätze hat die unbare Zahlung das Bargeld bereits deutlich überholt: Über 55 Prozent des gesamten Euro-Einkaufsvolumens entfallen inzwischen auf Kartenzahlungen, Überweisungen oder Apps.<BR /><BR />Dabei offenbart der Blick auf die Europakarte ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle. In skandinavischen Ländern oder den Niederlanden spielt physisches Geld im Alltag kaum noch eine Rolle; die Barquote an den Kassen liegt dort längst unter 30 Prozent. Italien hingegen zählt zusammen mit Österreich und Malta zu den traditionellen Hochburgen des Bargelds. Laut Daten der Banca d’Italia werden im Stiefelstaat nach wie vor rund 60 bis 69 Prozent aller Einkäufe an den Kassen in bar bezahlt – und das trotz staatlicher Maßnahmen wie der gesetzlichen Pflicht für Händler, Kartenzahlungen ab dem ersten Cent zu akzeptieren. Beim Gesamtwert aller Umsätze haben Kartenzahlungen das Bargeld allerdings auch in Italien bereits abgelöst.<BR /><BR />Aus rein ökonomischer Sicht zeigt sich beim Vergleich der Bezahlmethoden ein vielschichtiges Bild. Zwar summiert sich der Aufwand für den Bargeldapparat auf das höchste Gesamtvolumen, bei Kleinstbeträgen bleibt der Geldschein pro Bezahlvorgang aus gesamtwirtschaftlicher Sicht unschlagbar günstig, da kein digitaler Datenfluss angestoßen werden muss. Sobald der Einkaufswert eine Schwelle von etwa 10 bis 15 Euro überschreitet, wird die digitale Debitkarte (bei uns ist es klassischerweise die Bancomat-Karte) für die Gesamtwirtschaft zur effizienteren Alternative, da ihre Abwicklungsnetzwerke bei steigenden Beträgen extrem günstig skalieren. Am teuersten schlagen hingegen Kreditkarten zu Buche, was vor allem an den Systemgebühren der internationalen Kartenkonzerne und den eingepreisten Ausfallrisiken liegt.<BR /><BR />Trotz der kontinuierlichen Verschiebung in Richtung Chip und Smartphone betont die Europäische Zentralbank regelmäßig, dass Bargeld ein unverzichtbares gesetzliches Zahlungsmittel bleibt. Es garantiert Strom- und Netzunabhängigkeit in Krisenmomenten, schützt die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger und sichert jenen Menschen gesellschaftliche Teilhabe, die keinen Zugang zu digitalen Zahlungssystemen besitzen.