Freitag, 16. September 2016

„Schlichten statt richten“: Erster Südtiroler Tag der Mediation

Am Freitagnachmittag hat im Ehrensaal des Bozner Merkantilgebäudes der erste Südtiroler Tag der Mediation unter dem Motto „Schlichten statt richten“ stattgefunden. Organisiert wurde diese Veranstaltung von der Handelskammer Bozen in Zusammenarbeit mit der Anwaltskammer Bozen. Bei dieser Gelegenheit konnte man sich kostenlos über das Mediationsverfahren als Instrument zur alternativen Streitbeilegung informieren.

Die Interessierten konnten sich kostenlos über Meditationsverfahren informieren. - Foto: Handelskammer
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Die Interessierten konnten sich kostenlos über Meditationsverfahren informieren. - Foto: Handelskammer

In der Mediation geht es vor allem darum, auf einer konstruktiven und sachlichen Basis eine außergerichtliche Lösung für einen Konflikt zu finden. Im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren fällt dem Mediator am Ende des Verfahrens kein Urteil. Wenn es von allen Beteiligten erwünscht ist, kann der Mediator jedoch einen Vorschlag unterbreiten.

Ebner: „Neue Form der Konfliktkultur“

Handelskammerpräsident Michl Ebner hob am Freitag hervor: „Die Mediation steht für eine neue Form der Konfliktkultur, deren Zweck es ist, den Schaden zu minimieren und einen gegenseitigen Nutzen zu erzielen. Sie bietet den Vorteil einer einvernehmlichen Lösung, durch die langjährige geschäftliche und zwischenmenschliche Beziehungen aufrechterhalten werden können.“

Der italienische Gesetzgeber hat 2010 die Pflichtmediation bei handels- und zivilrechtlichen Streitfällen eingeführt. Wer einen Rechtsanspruch geltend machen will, ist verpflichtet, sich im Rahmen eines Informationsgesprächs über die Mediation zu erkundigen. Danach kann er oder sie entscheiden, ob der Weg einer Mediation oder der Gerichtsweg eingeschlagen wird.

Mediation kostet weniger

Wesentliche Vorteile einer Mediation sind ihre Schnelligkeit und die geringen Kosten. Innerhalb von drei Monaten muss das Verfahren laut Gesetz abgeschlossen sein. Die Kosten für ein Mediationsverfahren belaufen sich laut Statistik durchschnittlich auf nur 3,5 Prozent des Streitwerts, während die Kosten für eine gerichtliche Streitbeilegung im Vergleich ungefähr bei 30 Prozent liegen.

„In Italien gibt es 4,2 Millionen ausständige Zivilverfahren, die Mediation kann und soll die Gerichtsbarkeit entlasten. Somit stellt sie eine wichtige Ergänzung und Alternative dar, die in vielen Streitfällen des persönlichen und wirtschaftlichen Lebens Anwendung finden kann“, unterstreicht Elohim Rudolph-Ramirez, der Präsident der Rechtsanwaltskammer Bozen.

Bei einem Mediationsverfahren können die unterschiedlichsten Konfliktsituationen behandelt werden, von Wirtschafts-, Bank- und Versicherungsstreitigkeiten, bis hin zu medizinischen Fehlleistungen, Miete und Pacht, Nachbarschafts- und Erbrechtskonflikte, Familienabkommen, Rufschädigung und vieles mehr.

Im Rahmen der heutigen Veranstaltung schilderten die Präsidentin des Landesgerichts Bozen, Elsa Vesco, die Anwälte und Mediatoren Thomas Pichler und Andreas Stacul, Martina Foradori vom Institut fair!, der Familienseelsorger Thoni Fiung sowie der Unternehmer Federico Giudiceandrea von der Microtec GmbH ihre Erfahrungen im Bereich der Mediation und diskutierten Praxisbeispiele.

Die Veranstaltung wurde vom Enterprise Europe Network, dem EU-Beratungsnetzwerk, gefördert.

stol

stol