<b>Von Christoph Höllrigl</b><BR /><BR />Ausgerechnet in der Schweiz schlagen sie zu und investieren in einen Markt, der mitunter von Zukunftssorgen geplagt ist: Gemeint sind zwei US-amerikanische Unternehmen im Bereich des Skitourismus, die auf Expansionskurs sind – wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Warum die beiden Big-Player „Vail Resorts“ und „Alterra Mountain Company“ gerade in der Schweiz besonders aktiv sind, dazu später. Zwischen ihnen ist letzthin jedenfalls – nicht zuletzt auch in Europa – ein regelrechter Machtkampf um Einflusssphären ausgebrochen, wie die Zeitung „NZZ am Sonntag“ analysierte.<h3> Die zwei US-amerikanischen Erzrivalen und ihre Angebote</h3>Die börsennotierte Firma „Vail Resorts“ bietet mit dem „Epic Pass“ (1004 US-Dollar) ein Saisonabo für weltweit über 50 Skigebiete. Zwei davon in der Schweiz – Andermatt und Crans-Montana – haben die „Amis“ bereits 2022 und 2023 aufgekauft. Bald soll auch das Skigebiet Laax folgen. In Italien gehört zum „Epic Pass“ der Verbund „Skirama“ (Madonna di Campiglio, Pinzolo, Paganella usw.).<BR /><BR />Konkurrent „Alterra Mountain Company“ gehören in Nordamerika auch zahlreiche Skigebiete. Mit dem „Ikon Pass“ (1359 US-Dollar) macht die Firma, die einem Private-Equity-Fonds gehört, ein ähnliches internationales Angebot wie „Vail Resorts“. Zum Ticket-Verbund gehören in Europa u.a. Zermatt, St. Moritz, Kitzbühel oder Chamonix. „Alterra“ konzentriert sich international aber vorerst eher auf den Ausbau der Ticketkooperationen als auf den Zukauf ganzer Skigebiete.<h3> Gut betuchte Wintersport-Fans auf „Europa-Tour“</h3>Die europäischen Destinationen werden jeweils von einem der beiden Konkurrenten exklusiv angeboten, weshalb die Skigebiete im Zuge der Expansionsbestrebungen hier vor der Entscheidung stehen: „Epic Pass“ oder „Ikon Pass“.<BR /><BR />Die Angebote der beiden US-Unternehmen sorgen jedenfalls dafür, dass zahlreiche, gut betuchte US-amerikanische Wintersport-Fans die europäischen Pisten hinabwedeln. Über den „Ikon Pass“ kamen etwa im vergangenen Jahr 50.000 zusätzliche Gäste nach Zermatt. Reisen US-Gäste extra zum Skifahren nach Europa, bleiben sie oft länger; oder sie „springen“ zwischen den auf dem Kontinent angebotenen Skigebieten. <h3> „Dolomiti Superski“ und „Ikon Pass“ kooperieren seit Jahren</h3>Dass auch die Skidestination Südtirol bzw. die Dolomiten auf der Wunschliste der US-Konkurrenten ganz weit oben stehen, versteht sich von selbst. Der Verbund „Dolomiti Superski“ ist so auch seit dem Jahr 2021 Partner von „Ikon Pass“, wie der Marketing-Direktor Marco Pappalardo bestätigt. US-Gäste mit diesem weltweit gültigen Skipass sind insofern bei „Dolomiti Superski“ willkommen. „Das ist technisch so gelöst, dass sie einfach mit dem ‚Ikon Pass‘ bei uns Ski fahren. Pro Eintritt verrechnen wir dann mit ‚Alterra‘ die entsprechenden Beträge.“<BR /><BR />Pappalardo spricht hier von „beträchtlichen Zahlen“, denn US-amerikanische Gäste machten bereits ein Prozent aus: „Wir gehen jetzt ins vierte Jahr dieser Zusammenarbeit und haben Wachstumsraten von bis zu 150 Prozent. Mittlerweile sind wir schon bei 30.000 Gästen, die mit dem ‚Ikon Pass‘ bei uns Ski fahren waren.“ Laut dem Marketing-Direktor kein Wunder, denn „die Dolomiten haben eine sehr starke Anziehungskraft in Amerika.“ Pappalardo unterstreicht deshalb auch die Bedeutung der US-amerikanischen Skigäste – immerhin seien sie eine sehr zahlungskräftige Klientel „und bleiben auch nicht nur für ein verlängertes Wochenende“.<h3> Und wie steht's um das Aufkaufen Südtiroler Skigebiete?</h3>Wenn die Dolomiten bei US-Amerikanern schon so begehrt sind, warum kaufen sie nicht gleich ein ganzes Skigebiet in Südtirol – so wie in der Schweiz? Diese „Gefahr“ sieht Pappalardo nicht. Bei „Alterra“ gehöre das derzeit nicht zur Strategie. Und „Vail Resorts“ setze immer auf „Komplettpakete“, also auf Skiresorts, in denen alles aus einer Hand komme: Aufstiegsanlagen, Hotels, Geschäfte, Verleih … „In Nordamerika wurden so zum Teil ganze künstliche Skidörfer geschaffen.“<BR /><BR />In Europa gebe es diese Form von Skigebieten nur in der Schweiz, weshalb „Vail Resorts“ auch dort eingestiegen sei. In Südtirol oder Österreich sei die Situation anders, mit unterschiedlichen Anteilseignern und Einzelunternehmen. Nur einen bestimmten Teil des Kuchens zu bekommen, sei für die US-Amerikaner aber uninteressant. Insofern ist Pappalardo entspannt. Und er betont: „In Südtirol liegen mir derzeit keine Informationen vor, dass es entsprechende Angebote gegeben hat.“