Freitag, 22. April 2016

SEV zeigt Alperia die Zähne: "Wir sind Südtiroler Energie"

Wer ist Südtiroler Energie? Manche würden sagen: der Energieriese Alperia. Anders sieht es der Südtiroler Energieverband (SEV): „Wir sind Südtiroler Energie – und das lassen wir uns nicht nehmen“. Der Verband plädierte auf seiner Vollversammlung am Freitag in Bozen für Fair Play und „Artenvielfalt“ in der hiesigen Energielandschaft - gefördert und geschützt von der Politik.

SEV- Vollversammlung.
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SEV- Vollversammlung.

Welche Folgen hat die große „Flurbereinigung“, die eigentlich eine aus der Not geborene „Entsorgung“ eines energiepolitischen Scherbenhaufens ist? Können sich kleine und mittlere Energieunternehmen, Stadtwerke und Genossenschaften in Südtirol neben dem neuen übermächtigen und marktbeherrschenden „Leitbetrieb“ Alperia am Markt behaupten? Und: Wer ist Südtiroler Energie? 

Gesprächsbedarf gab es also genug und entsprechend lebhaft wurde die Podiumsdiskussion auf der Vollversammlung geführt.

„Monokultur oder Artenvielfalt: Die Zukunft der Südtiroler Energielandschaft“ lautete das Motto des Eevnts, an dem neben SEV-Direktor Rudi Rienzner, der Generaldirektor der Alperia AG, Johann Wohlfarter der Präsident der Bezirksgemeinschaft Vinschgau, Andreas Tappeiner und der Obmann der Elektrogenossenschaft Pens, Walter Kral, teilnahmen.

Diskussion: Gudrun Esser (Moderatorin RAI Südtirol), Rudi Rienzner (Direktor SEV), Walter Kral (Obmann Elektrogenossenschaft Pens), Johann Wohlfarter (Generaldirektor Alperia AG) und Andreas Tappeiner ( Präsident Bezirksgemeinschaft Vinschgau).

Große Kapitalgesellschaft gegen kleine Genossenschaften

Schon die Zusammensetzung dieser Gesprächsrunde zeigt, um was es geht: Auf der einen Seite steht eine große, gewinnorientierte, hierarchisch strukturierte und zentral gesteuerte Kapitalgesellschaft – auf der anderen Seite kleine, dezentral aufgestellte und bürgernahe Genossenschaften, die als Non-Profit-Betriebe, Bilanzgewinne aus dem Energiegeschäft an ihre Mitglieder (und damit an Familien und Unternehmen) weitergeben.
Dazu kommen private Unternehmen und engagierte Gemeinden, die wie im oberen Vinschgau ihre Energieversorgung – mit Hilfe des SEV – lieber „in die eigene Hand“ nehmen.

Kleine Betriebe sollen von der Politik gefördert und geschützt werden

"In Südtirol stoßen also ordnungspolitisch unterschiedlich ausgerichtete „Systeme“ aufeinander – auch wenn die Schwerpunkte dabei sehr ungleich verteilt sind. „Unsere Energielandschaft ist eben keine Monokultur, sondern gilt gerade aufgrund ihrer Artenvielfalt als beispielhaft. Deshalb verlangen wir, dass unsere kleinen Betriebe, die seit Generationen unserem Land und seinen Bürgern einen guten Dienst erweisen, auch von der Politik geschützt und gefördert werden“, sagt SEV-Präsident Hanspeter Fuchs.

Fair Play und ein Dialog auf Augenhöhe gefordert

Deshalb seien Fair Play und ein Dialog auf Augenhöhe Schlüsselforderungen des SEV. „Nicht alles, was derzeit in Südtirol geschieht, entspricht allerdings dieser Vorgabe“, erklärt SEV-Direktor Rudi Rienzner, der „die Aufmerksamkeit für historisch gewachsene Strukturen“ sowie „die notwendige Rückendeckung“ vermisst. Denn: „Wir waren und sind Südtiroler Energie – und das lassen wir uns sicher nicht nehmen“.

SEV hat 308 Mitglieder

Angesichts der dominanten Position von Alperia sei es daher umso mehr die Aufgabe des SEV, „kleine und mittlere Energieversorger als Dienstleister zu unterstützen und deren Anliegen zu vertreten“.
Heute gehören dem SEV 308 Mitglieder an, darunter 194 Unternehmen, 33 Gemeinden und öffentliche Körperschaften sowie 80 Genossenschaften und Konsortien mit 13.000 Mitgliedern. Der SEV vertritt 55 Biomasse-Fernheizwerke, 120 Wasserkraftwerke und 158 Photovoltaikanlagen. Dabei setzt der Verband auf die kooperative Vernetzung mit seinen Partnern. Dienstleistungen und Innovationen werden in einem Netzwerk, das von eigenverantwortlichen „Knoten“ gehalten wird und in dessen Mittelpunkt der SEV steht, ausgetauscht, verarbeitet und weiterentwickelt.

Neuer Sitz und neuer Service

2015 hat der SEV sein Personal aufgestockt, neue Servicebereiche aufgebaut und größere Büros im Energy Tower bezogen. 2016 baut der Verband sein Handlungsfeld noch weiter aus: Am 19. April 2016 wurde die SEV Energies AG als 100prozentige Tochtergesellschaft gegründet. SEV Energies wird jetzt in zwei operativen Geschäftsfeldern arbeiten: Stromhandel und E-Mobility. Über SEV Energies kann sich der SEV in Zukunft aber auch an anderen Unternehmen wie etwa an Kraftwerksbetrieben beteiligen.

Erstmals Händler an der Strombörse 

Damit übernimmt SEV Energies neue Kernbereiche in der Tätigkeit des SEV. So tritt der SEV 2016 zum ersten Mal als Händler an der Strombörse auf. SEV-Mitglieder können den Stromhandel daher über den Verband erledigen.
Im Bereich der Elektro-Mobilität bietet der SEV seinen Mitgliedern ein Full-Service-Angebot an. Konkret: Als Einkaufspool handelt der SEV mit Herstellern von E-Autos wie Nissan und von Ladesäulen E-Mobility-Pakete aus. Die gesamte Abwicklung – vom Fahrzeugverkauf bis zur Installation der E-Ladesäulen – übernimmt der SEV. Zudem arbeitet der SEV eng mit dem Konsortium Carsharing Südtirol zusammen. Grundlage dieser Kooperation ist die Idee eines elektrischen „Bürgerautos“.

Fazit: Der SEV setzt seinen eigenständigen Weg fort – in eine nachhaltige und demokratische Zukunft.

stol

stol