<b>von Sabine Gamper und Rainer Hilpold</b><BR /><BR />Seit Anfang November ist das Imperium des Nordtiroler Investors Renè Benko Schritt für Schritt zusammengebrochen, immer neue Gesellschaften der Gruppe haben Insolvenz angemeldet – und seitdem fragen sich Beobachter immer wieder, ob die Bozner Signa wohl ein ähnliches Schicksal ereilen könnte. <BR /><BR />In der Landeshauptstadt errichtet die Signa bekanntlich den noblen Wohn- und Geschäftskomplex Waltherpark. Baukosten: über 500 Millionen Euro. 290 Millionen hat ein Bankenpool aus Südtiroler und österreichischen Banken als Kredit gewährt. Mit dabei sind die Südtiroler Volksbank, die Südtiroler Sparkasse, die Bank für Tirol und Vorarlberg, die Raiffeisen Landesbank Niederösterreich-Wien und die Hypo Vorarlberg.<h3> „Solide Garantien und Sicherheiten“</h3>Seit Beginn des Signa-Bebens hatte nicht nur Signa-Italia-Präsident Heinz Peter Hager immer wieder versichert, der Waltherpark sei von den Insolvenzen der anderen Gesellschaften nicht betroffen, sondern auch die Banken hatten sich beruhigt gezeigt. <BR /><BR /><b>Ist das immer noch so?</b><BR /><BR />Ja, betonen sowohl die Volksbank, die den Bankenpool anführt, als auch die Sparkasse auf Nachfrage von „S+“. „Meldungen wie jene der Hypo Vorarlberg sind für die Südtiroler Volksbank kein Grund zur Verunsicherung, ebenso wenig wie die Meldungen über Julius Bär vor einigen Wochen“, sagt Alberto Naef, Generaldirektor der Volksbank, die bei der Signa Außenstände von 44,8 Millionen Euro hat.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63736692_quote" /><BR /><BR /> „Die Volksbank hat innerhalb der Unternehmensgruppe nur das Projekt Waltherpark in Bozen finanziert, welches mit einem soliden Paket an Garantien und Sicherheiten ausgestattet ist“, so Naef. Das Management sei nach wie vor davon überzeugt, dass das Projekt Waltherpark die Kredite der Banken vollständig bedienen werde – „und zwar dank der Qualität und Attraktivität des Projekts im Zentrum von Bozen sowie dank der guten Projektleitung vor Ort“.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63736697_quote" /><BR /><BR />Man beobachte die Situation nach wie vor sehr genau, heißt es vonseiten der Südtiroler Sparkasse, die den Waltherpark mit 32 Millionen Euro mitfinanziert. Aktuell sehe man aber weiterhin keinen Grund zur Sorge.<BR /><BR />„Die Firma Waltherpark hatte keinerlei Probleme, das Projekt ist eines der sehr wenigen, das fortgeführt wird, und die Schwierigkeiten der anderen Unternehmen der Benko-Gruppe haben das Bozner Vorhaben nicht beeinträchtigt“, sagt Generaldirektor Nicola Calabrò.<BR /><BR />Die finanzielle Situation des Waltherparks erscheine stabil, um das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Zudem würden die Arbeiten auf der Baustelle reibungslos verlaufen.<h3> „Erwarten uns vollständige Tilgung“</h3>Neben Sparkasse und Volksbank haben auch die Raiffeisen Landesbank Südtirol und die Raiffeisenkasse Bozen noch kleinere Forderungen gegenüber der Signa-Gruppe: Bei der RLB sind es knappe 7 Millionen Euro, bei der Raika Bozen rund 390.000 Euro. <BR />Auch die Raiffeisen Landesbank zeigt sich auf Nachfrage zuversichtlich, die 7 Millionen, die zur Finanzierung eines Immobilienprojektes in Italien dienen, nicht abschreiben zu müssen. „Das Kreditengagement ist gut besichert. Wir erwarten uns eine vollständige Tilgung“, heißt es vonseiten der Landesbank. „Die Höhe dieses Betrages liegt im üblichen Kreditrisikogebaren und falls dennoch ein Ausfall eintritt, wäre dieser nicht problematisch“, so die Bank. <h3> Heftige Kritik an Hypo Vorarlberg</h3>Wesentlich mehr Probleme hat die Hypo Vorarlberg. Seit Ende vergangener Woche bekannt wurde, dass die landeseigene Bank 131,2 Millionen Euro an Forderungen gegenüber der Signa-Gruppe hat, ist Feuer am Dach. Mehrere österreichische Medien hatten unter Berufung auf geheime Unterlagen der Finanzmarktaufsicht berichtet, dass die Kredite zu locker und möglicherweise ohne ausreichende Besicherung vergeben worden seien.<BR /><BR /> In 2 Pressekonferenzen versuchte die Bank, zu beruhigen. Konkret handle es sich um 7 Finanzierungen, die alle besichert seien, betonte Bankenchef Michel Haller. Ob das Geldhaus am Ende also Geld verlieren wird, ist noch völlig offen. <BR />Die Vergabe der Kredite sei nach den gängigen Kriterien und Standards erfolgt, auch seien die entsprechenden Bilanzen vorgelegt und geprüft worden. „Auf Basis der damaligen Informationen konnte man sie vergeben“, sagte Haller. Heute wäre ihm freilich lieber, man hätte es nicht gemacht. <BR /><BR />Zu den 7 Projekten gehört neben dem Luxuskaufhaus „Lamarr“ in Wien und einem Immobilienprojekt am Kurfürstendamm in Berlin auch der Waltherpark in Bozen. <BR /><BR />Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) – er ist Eigentümervertreter der Hypo Vorarlberg, die zu knapp 77 Prozent im Eigentum des Landes steht – forderte von Vorstand und Aufsichtsrat „volle Transparenz“. Hinsichtlich eines wahrnehmbaren Ärgers bei den Bürgern stellte Wallner fest, dass er dafür Verständnis habe. Es sei wichtig, dass bei der Vergabe von Krediten keinerlei Unterschiede gemacht werden und die gleichen Spielregeln für alle gelten. <BR /><BR />Grüne, NEOS und Freiheitliche sahen viele offene Fragen und forderten eine Prüfung der Hypo-Kreditvergaben an Signa durch den Landesrechnungshof. <BR />