Mittwoch, 16. März 2016

Sind bis zur Abstimmung alle Umwelt-Fragen geklärt?

Am 12. Juni wird Südtirol über die Zukunft des Bozner Flughafens abstimmen. Ob bis dahin alle kritischen Fragen zur Umweltbelastung des neuen Airports geklärt sind, ist offen.

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Wie bekannt, setzt das Konzept für den Bozner Flughafen die Verlängerung der Start- und Landebahn von 1294 Metern auf 1462 Meter voraus. Der Großteil davon – nämlich die Verlängerung auf 1432 Meter – wurde bereits genehmigt, baulich allerdings noch nicht umgesetzt. Entscheidend sind aber die letzten 30 Meter: Nur durch die gesamte Verlängerung auf 1462 Meter kann der Bozner Flughafen laut neuem Konzept durchstarten.

Der Umweltbericht reicht nicht

Auf Geheiß der Landesregierung reichte die Flughafenbetreibergesellschaft ABD Ende Jänner deshalb einen Umweltbericht bei der Landesumweltagentur ein. Es galt, das Ausbauprojekt auf seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu überprüfen.

Das Ergebnis dieser Prüfung ist nun offiziell: Der Umweltbeirat kam darin überein, dass der geplante Ausbau der Landebahn um 30 Meter einer ordentlichen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu unterziehen sei.

„Könnte signifikante Auswirkungen haben“

„Der UVP-Beirat ist zur Ansicht gekommen, dass es doch signifikante Auswirkungen, insbesondere im Bereich Lärm und Emissionen, geben könnte, die es verdienen, dass sie im Zuge einer UVP vertiefend untersucht werden“, erklärt Flavio Ruffini, Abteilungsdirektor der Landesumweltagentur, im Gespräch mit STOL. „Wenn man das neue Betriebskonzept anschaut, kommt man zum Schluss, dass es doch sehr erhebliche Auswirkungen auf die Lärmbelastung im Bozner Talkessel geben könnte – und damit auch erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt- und Lebensqualität.“

Der Ball liegt bei der ABD

Nun sei wiederum die ABD gefordert: Die Gesellschaft muss eine Umweltverträglichkeitsstudie präsentieren, die öffentlich gemacht wird. Alle interessierten Bürger haben dann 30 Tage Zeit, Stellungnahmen dazu abzugeben. Am Ende prüft der Umweltbeirat und gibt ein Gutachten ab. Dieses kann positiv oder negativ ausfallen – doch bindend ist es nicht: „Die Landesregierung kann sich an das Gutachten halten oder es abändern“, erklärt Ruffini.

Sind die Umwelt-Fragen bis zum Referendum geklärt?

Ob die Zeit dafür reicht, dass das Gutachten noch vor dem Referendum feststeht, kann der Abteilungsdirektor der Landesumweltagentur nicht abschätzen. Besteht also die Möglichkeit, dass die Bürger über den Bozner Flughafen abstimmen sollen ohne genau über die Auswirkungen auf die Umwelt Bescheid zu wissen? Ruffini verweist auf die ABD und ihre Bringschuld. Fest steht: Soll das Gutachten noch vor der Abstimmung feststehen, muss sich die ABD auf die Hinterbeine stellen: In Anbetracht aller technischen Fristen müssten Otmar Michaeler und Co. die Umweltverträglichkeitsstudie bis spätestens Anfang Mai einreichen.

stol/pg

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Was ABD-Präsident Otmar Michaeler zu den Entwicklungen sagt - das Tagblatt "Dolomiten" hat ihn gefragt. Lesen Sie sein Statement in der morgigen Ausgabe.

stol