Die Nachricht kam am späten Donnerstagvormittag: Umweltministerin Stefania Prestigiacomo und die wichtigsten Wirtschaftsverbände haben den Aufschub des neuen telematischem System zur Rückverfolgbarkeit der Abfälle Sistri beschlossen.„Die Betriebe können aufatmen“, freut sich LVH-Präsident Gert Lanz. Der Einsatz der Wirtschaftsverbände habe Erfolg gezeigt. Gestaffelte Einführung von Sistri Das Umweltministerium hat einen Aufschub gestaffelt nach Betriebsgröße beschlossen:Am 1. September startet das neue System für Unternehmen über 500 Mitarbeiter.Für Unternehmen mit 250 bis 500 Mitarbeitern ist der Stichtag der 1. Oktober, für solche mit 50 bis 249 Mitarbeitern der 1. November.Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern müssen ab 1. Dezember mit Sistri arbeiten. Am meisten Zeit wird den Kleinbetrieben gegeben: Für Unternehmen bis zu zehn Mitarbeitern gilt der Aufschub bis zum 1. Jänner 2012.LVH: Aufschub für Verbesserungen nutzenDer LVH fordert, dass der Aufschub für Verbesserungen am gesamten System Sistri und für massive Erleichterungen für die Betriebe genutzt wird. „Sistri muss einfacher anwendbar sein und darf für die Betriebe keinen großen Aufwand und keine hohen Kosten verursachen“, betont Lanz.In seiner derzeitigen Form sei Sistri vor allem für Klein- und Mittelbetriebe nicht geeignet. „Sistri verursacht bei den Betrieben einen unverhältnismäßig hohen Aufwand, um ihre geringen Abfallmengen zu deklarieren“, so Lanz. Zudem funktioniere Sistri technisch noch in keinster Weise. Weitere Mängel sind die unverhältnismäßig hohen Strafen bei Abweichungen vom Sistri-System, die für die Betriebe mitunter existenzgefährdend sind.Der LVH werde sich über Confartigianato und die Südtiroler Parlamentarier weiter für massive Verbesserungen und ein Überdenken des Systems Sistri einsetzen. Pinzger zufrieden, fordert aber südtirolspezifische LösungAuch SVP-Senator Manfred Pinzger zeigt sich über den erneuten Aufschub der verpflichtenden Anwendung von Sistri erleichtert. Er hatte mehrmals auf eine Verbesserung des Systems und einen Aufschub gedrängt. „Mit viel Einsatz, mehreren Protestschreiben und Interventionen ist es gelungen, das Inkrafttreten des kostenintensiven und komplizierten Systems ein weiteres Mal zu verschieben", so Pinzger am Donnerstag in einer ersten Stellungnahme. Die Unternehmen seien seit Verabschiedung des Gesetzes zur Abfallerhebung auf große Unsicherheiten gestoßen. „Besonders die hohen Strafen haben unter den Betrieben für große Besorgnis gesorgt", erklärt der SVP-Senator. Weiterhin aufrecht bleibe allerdings die Forderung, die Besonderheiten Südtirols zu berücksichtigen, so Pinzger. Zum einen seien die Fachbegriffe des rein italienischen Programms vielen Unternehmern nicht geläufig, zum anderen gebe es besonders in den Berggebieten Schwierigkeiten mit dem Internetzugang. „Dies erschwert die Anwendung des neuen Systems“, meint der Senator. In einem Schreiben an Umweltministerin Stefania Prestigiacomo hat Senator Manfred Pinzger eine Ausnahmeregelung für die Provinz Bozen, die den sprachlichen und territorialen Besonderheiten Südtirols Rechnung trage, gefordert. Laimer: Sistri-System ist zu überdenkenErleichtert über Aufschub zeigte sich auch Landesrat Michl Laimer: „Zum Glück hat das Umweltministerium rechtzeitig eingesehen, dass ein Beharren auf dem 1. Juni als Starttermin sinnlos wäre, wenn das ganze System nicht funktioniert.“ Vor allem für die kleinen Betriebe sei dies eine gute Nachricht.Das gesamte Sistri-System sei zu überdenken, meint Laimer. „Dafür werden wir uns weiter einsetzen, allerdings hält das Ministerium vorerst an Sistrifest." In jedem Fall gebe der Aufschub dem Ministerium Zeit, die Kinderkrankheiten des Systems auszumerzen. „Und auch die Staffelung nach Betriebsgröße gibt Rom die Möglichkeit, das Funktionieren von Sistri zunächst einmal mit weniger Unternehmen zu testen", erklärt der Landesrat.Wirtschaftsverbände hatten sich eingesetztMit einer kurzfristigen Unterschriftensammlung hatte der LVH erst vor wenigen Wochen aufhorchen lassen: Mit insgesamt 2243 Unterschriften sagte der Landesverband der Handwerker damit „Nein zu Sistri“. Der Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings (SWR), Christof Oberrauch, hatte in Bezug auf Sistri von einer „Zumutung für unsere Betriebe“ gesprochen. Auch der SWR hatte einen Aufschub des Starttermins gefordert.Eingesetzt hatte sich auch der Unternehmerverband Südtirol. Er hatte gefordert, den Start aufzuschieben und „das System tiefgreifend zu überdenken“.Am sogenannten „Click Day“ am 11. Mai hatten Tausende Handwerksbetriebe die Tauglichkeit des neuen Abfallerfassungssystems Sistri auf die Probe gestellt (STOL berichtete). Das Ergebnis des Testlaufs war laut LVH ernüchternd. Die Nutzer waren auf technische Schwierigkeiten und Fehlfunktionen gestoßen.