<b>Durch den Klimawandel werden die Winter wärmer. Hat der Skitourismus ein Ablaufdatum?</b><BR />Günther Aigner: Derzeit nicht. Die Winter werden zwar wärmer. Dadurch zieht sich der Schnee nach oben zurück – bis 2050 klettert die Schneegrenze um etwa 100 Höhenmeter. Das können wir aber mithilfe des Maschinenschnees relativ gut ausgleichen. Also da hat der Skisport kein Ablaufdatum. Vielleicht hat er es im Jahr 2100 oder 2200. Aber bis dahin sind andere Fragen dominanter, nämlich wie es wirtschaftlich und politisch weitergeht.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1322034_image" /></div> <BR /><BR /><b>Schneekanonen sind also die Lebensversicherung der Skigebiete. In der Öffentlichkeit werden diese oft als Klimasünder gesehen. Wie sieht denn die ökologische Bilanz aus?</b><BR />Aigner: Die wissenschaftliche Erforschung der technischen Beschneiung war bis jetzt erstaunlich bescheiden. Sprich, man wusste wenig und redete viel. Es haben sich Vorurteile manifestieren können, die bei Lichte betrachtet fahrlässig waren. Ich habe kürzlich selbst an zwei wissenschaftlichen Erhebungen zur Beschneiung mitarbeiten dürfen.<BR /><BR /><b>Und was waren die Ergebnisse?</b><BR />Aigner: Wir sind draufgekommen, dass die Beschneiung sehr viel Wasser umsetzt, etwa 3.000 Kubikmeter pro Hektar Pistenfläche oder etwa 1.000 Liter pro Skifahrertag. Das ist im ersten Moment eine sehr große Zahl. Die Frage ist aber: Wird das Wasser verbraucht und ist dann weg, oder wird das Wasser umgesetzt und ist danach immer noch da? Ich bin für Letzteres: Die Wasserverwendung der Beschneiung ist ein positives Beispiel einer vernünftigen Kreislaufwirtschaft.<BR /><BR />Das zweite ist die elektrische Energie. Da sind wir draufgekommen, dass die technische Beschneiung weniger Energie braucht als bisher in der öffentlichen Diskussion vermutet. Pro Skifahrertag sind es rund sechs Kilowattstunden. Damit könnte ich mit einem E-Auto nicht weit fahren. Auch sind die CO2-Emissionen aus der Beschneiung sehr gering, wenn der Schnee – wie in Südtirol – mit sauberer Energie produziert wird. Wir sprechen da von 130 Gramm pro Skifahrertag, das entspricht einer Autofahrt von etwa 0,9 Kilometern mit einem Dieselauto. Die technische Beschneiung ist also nicht das große ökologische Problem.<BR /><BR /><b>Sondern?</b><BR />Aigner: Es ist ganz klar die An- und Abreise. Die technische Beschneiung und die Schneekanonen sind aber der viel bessere Sündenbock. Denn wir alle besitzen keine Schneekanone und können deshalb die Schuld auf etwas abladen, was wir selbst nicht besitzen. Über die persönliche Mobilität zu sprechen, wäre für uns viel unangenehmer. <BR /><BR /><b>Haben die Südtiroler Skigebiete einen Vorteil gegenüber anderen Regionen?</b><BR />Aigner: In Südtirol hat man von Beginn an mit den Skigebieten weiter oben starten müssen als zum Beispiel die Nordtiroler oder Salzburger. Die gute Höhenlage ermöglicht eine bessere technische Beschneiung, so wie auch die niedrige Luftfeuchtigkeit.<BR /><BR /><b>Skifahren gerät wegen der steigenden Preise in die Schlagzeilen. Wird Skifahren zu einem Luxussport?</b><BR />Aigner: Ja, das muss man so sagen, zumindest das touristische Skifahren. Die Leute, die in der Nähe der Skigebiete wohnen, die können sich Skifahren immer noch leisten, denn über Saisonkarten gibt es gute Angebote. Aber Skifahren als Tagesgast oder Tourist ist sehr teuer geworden. Im internationalen Vergleich hat Südtirol aber ein super Preis-Leistungs-Verhältnis. In den USA beispielsweise zahlt man für eine Tageskarte bis zu 350 US-Dollar. Entsprechend wird sich die Zusammensetzung auf den Pisten verändern, internationaler werden. <BR /><BR /><BR /><b>Immer mehr Skigebiete setzen dynamische Preismodelle um. Wie sehen Sie das?</b><BR />Aigner: Ich bin kein großer Fan der dynamischen Preismodelle, weil die Preisvergleiche schwieriger werden und die Preispolitik intransparenter wird. Tatsache ist, dass im internationalen Skitourismus die dynamischen Preismodelle immer weiter zunehmen. Für die Skigebiete gibt es zwei positive Effekte. Erstens sind sie die leidigen Preisdiskussionen los. Zweitens können sie über die gesamte Saison hindurch im Mittel einen etwas höheren Preis durchsetzen.<BR /><BR /><BR /><b>Wenn Sie jetzt in ein Skigebiet investieren müssten: Wäre es eine neue Seilbahnanlage oder Ganzjahresangebote?</b><BR />Aigner: Wenn es um den Winter geht, dann würde ich sagen, die Perfektionierung der technischen Beschneiung ist wichtiger, als einen neuen Lift zu bauen. Aber wenn ich das ganze Jahr betrachte, dann muss der Fokus auf Ganzjahrestourismus sein. Wenn sich der Klimawandel weiter fortsetzt, und derzeit spricht alles dafür, dann werden wir sonnigere, heißere und längere Sommer erleben. Der Sommertourismus am Berg könnte dadurch noch attraktiver werden. Und ich glaube, dass das Thema Wassererlebnis am Berg eine ganz große Zukunft hat. Es gibt bereits erste Beispiele in den Alpen, wo Speicherteiche zu Badeparadiesen umgebaut worden sind.