<b>STOL: Herr Oberrauch, reichen die 5,8 Milliarden Euro, die die italienische Regierung bereitgestellt hat, aus, um die hohen Energiekosten für die Unternehmen abzufedern?</b><BR />Heiner Oberrauch: Nein, überhaupt nicht. Das ist nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Strom- und Gaspreise sind um 300 bis 400 Prozent gestiegen. Mit diesen Preisen ist Italien und damit auch Südtirol nicht mehr konkurrenzfähig. <BR /><BR /><BR /><b>STOL: Wenn wir andere Länder anschauen: Wie sind dort die Strompreise im Vergleich zu Italien?</b><BR />Oberrauch: In Deutschland sind sie um 30 Prozent und in Österreich um 50 Prozent niedriger. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-52949439_quote" /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Wirkt sich das bereits jetzt schon auf die Unternehmen aus?</b><BR />Oberrauch: Ja. Wenn wir nach Mailand blicken, dann ist es so, dass einige energieintensive Unternehmen ihre Produktion bereits schließen mussten. Das Hauptproblem an der ganzen Situation ist, dass Italien keine langfristige Strategie hat.<BR /><BR /><BR /><b>STOL: Inwiefern?</b><BR />Oberrauch: Ganz große Unternehmen sind teilweise befreit, aber für kleine und mittlere Unternehmen, wie wir sie in Südtirol haben, sind diese Energiekosten eine regelrechte Katastrophe. Und wenn man in die Zukunft schaut, dann haben wir 2 Probleme: Es fehlt eine langfristige Strategie und wir haben schlechte und fehlende Infrastrukturen. Nehmen wir die Fotovoltaik-Anlagen her: Wir bekommen den Strom, der in diesen Anlagen produziert wird, nicht weg, eben wegen der fehlenden Infrastrukturen. Italien muss daher dringend in Infrastrukturen und in der Folge in erneuerbare Energien investieren. Es gäbe vor allem bei Solar- und Windkraft ein großes Potenzial. Es fehlt aber ein Plan für die Zukunft und eine mutige Umsetzung.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-52951670_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Sie sagen, die italienischen und Südtiroler Unternehmen sind mit solchen Energiekosten nicht mehr konkurrenzfähig, weil die Strompreise in anderen Ländern deutlich niedriger sind. Wäre eine gemeinsame europäische Energiepolitik eine Lösung?</b><BR />Oberrauch: Ja, aber ob eine solche umsetzbar ist, ist eine andere Frage. Es muss aber etwas getan werden. Es braucht zumindest eine gemeinsame europäische Strategie, die den Übergang von fossiler auf erneuerbare Energie beschleunigt. Die Preise für fossile Energie werden wegen des Klimawandels steigen. Wir müssen uns alle gemeinsam für den notwendigen Energiewandel in erneuerbare Quellen einsetzen, um dem Klimawandel entgegenzutreten. Wir werden dies aber nur schaffen, wenn wir eine saubere Energie garantieren können, zugleich aber Versorgungssicherheit und bezahlbare Preise für Unternehmen und Familien.<BR /><BR />