Die Bank hat gemeinsam mit Experten 2 konkrete Konzepte zur Unterstützung der Unternehmen und der Bevölkerung ausgearbeitet, die auch dem Land zugute kommen sollen. <BR /><BR /><b>Die Investitionskraft von Unternehmen hochzuhalten, ist ein vordringliches wirtschaftliches Ziel. Die aktuell hohen Zinsen und damit teuren Kredite hemmen aber Investitionen. Herr Prader, Sie haben ein Finanzierungsmodell ausgearbeitet. Wie sieht es aus?</b><BR />Josef Prader: Angesichts der drastisch gestiegenen Zinsen haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir die damit verbundenen Herausforderungen für die Unternehmen abfedern können und ein werthaltiges Wachstum gefördert werden kann. Dabei haben wir uns für das Vehikel eines alternativen Investmentfonds (FIA) entschieden, weil es sich flexibel an unterschiedliche Gegebenheiten anpasst. Wir haben das Modell „NEO – Natura Evolution Opportunity Fund“ genannt. Es ist als Rotationsmodell zur langfristigen Finanzierung nachhaltiger Projekte heimischer Unternehmen angelegt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="922111_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie funktioniert das konkret?</b><BR />Prader: Es funktioniert so, dass für die zu finanzierenden Projekte nicht nur die wirtschaftliche Bonität, sondern auch der Grad der Nachhaltigkeit bewertet wird. Die Zinshöhe für das Unternehmen errechnet sich aus der Differenz des marktüblichen Zinssatzes und dem Zinszuschuss der öffentlichen Hand für nachhaltiges Wirtschaften. Wirtschaftlich gesehen, setzt die Lösung die Idee des Rotationsfonds fort. Neu ist, dass sie durch eine Zinsförderung für kleinere und mittlere Betriebe einen Anreiz schafft, in nachhaltige Projekte zu investieren. Wir bringen dabei 2 Aspekte zusammen: zum einen eine vorausschauende Wirtschaftsförderung und zum anderen die Steuerung wünschenswerter Entwicklungen im Land. Der NEO unterstützt also ein werthaltiges Wachstum der Wirtschaft.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="922114_image" /></div> <BR /><BR /><b>Das heißt, das Modell sieht vor, dass für die Finanzierung durch den Fonds Projekte zum Zug kommen sollen, die nicht nur wirtschaftlich kreditwürdig sind, sondern auch nachhaltig. Je nachhaltiger sie sind, umso günstiger ist die Finanzierung?</b><BR />Prader: Ja, Unternehmen aus allen Sektoren sollen durch einen Zinszuschuss entlastet werden und gleichzeitig einen Anreiz für nachhaltiges Wirtschaften haben. Das von der Prader Bank entwickelte Fondskonzept sieht für die Kreditbewertung 2 Etappen vor. Zuerst wird die wirtschaftliche Bonität des eingereichten Investitionsprojektes geprüft und dann die Auswirkungen im Hinblick auf die 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO durch einen einheitlichen und fundierten Bewertungsmaßstab gemessen. Die Ergebnisse beider Bewertungen bestimmen die Höhe des Zinssatzes der Finanzierung. Die Bemühung um die Erreichung der Klimaziele oder soziale Zielsetzungen, die der Gesellschaft dienen, machen sich für das Unternehmen bezahlt. Der Bewertungsmaßstab ist zudem sehr flexibel und kann vom Land auch anderweitig als Steuerungsinstrument, beispielsweise bei IRAP-Kürzungen, für die Bewertung von Projekten und Unternehmen eingesetzt werden. In unseren Berechnungen gehen wir bei einem Fondsvolumen von 100 Millionen Euro in 10 Jahren, von rund 250 finanzierten Projekten mit einer Finanzierungshöhe zwischen mindestens 250.000 und maximal 5 Millionen Euro aus.<BR /><BR /><b>Sie schlagen eine aktive Rolle der öffentlichen Hand vor, die für die Differenz auf den hohen marktüblichen Zinssatz einen Zinszuschuss gibt, je nachdem wie nachhaltig das eingereichte Projekt ist.</b><BR />Prader: Die Annahme ist, dass die öffentliche Hand dem Fonds oder den Kreditnehmern direkt 10 Jahre lang pro Jahr rund 1,2 Millionen Euro für den Zinsausgleich auf nachhaltige Finanzierungen zuschießt. Das ermöglicht es, an die Unternehmen Zinssätze von 2,4 Prozent bis knapp unter die marktüblichen Preise zu vergeben. Das federt die Härten der Zinserhöhung ab, ohne auf der anderen Seite die Investoren zu benachteiligen. Die Unterstützung der öffentlichen Hand ist auch deswegen sinnvoll, weil sie der angestrebten nachhaltigen Ausrichtung der Gesellschaft, messbares Gewicht gibt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-60576282_listbox" /><BR /><BR /><b>Zeichner des Fonds sollen professionelle Anleger sein – Institutionen, Banken, andere Fonds aber auch die öffentliche Hand. Welches Motiv soll sie dazu bewegen und welche Garantien gibt der Fonds, wenn die finanzierten Unternehmen einen niedrigeren Zinssatz bezahlen?</b><BR />Prader: Wir haben berechnet, dass der Fonds an die Investoren eine jährliche Dividende von 90 Prozent der ausschüttungsfähigen Erträge zahlt. Durch den öffentlichen Beitrag für die Zinserleichterung nachhaltiger Projekte müssen die Investoren nicht auf Rendite verzichten. Diese soll nach Abzug des Risikoabschlags für sie positiv und lohnend sein. Aus der Simulation ersehen wir, dass die Garantie zum Beispiel durch eine Garantiegenossenschaft in Höhe von bis zu 90 Prozent oder die Zeichnung von nachrangigen Quoten durch die öffentliche Hand für die Kapitalerstattung keine Vorabkosten hätte, während für die Investoren ein hoher Wert erhalten bliebe. Die Investoren in den Fonds wiederum heben im Hinblick auf ihre gesetzlichen Offenlegungspflichten (SFDR) das ESG-Rating ihrer Anlageportfolios beträchtlich an, was ihre Reputation stärkt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="922117_image" /></div> <BR /><BR /><b>Zudem schlagen Sie die Auflage einer grünen Anleihe, eines sogenannten Green Bonds, vor, an dem sich auch die Bevölkerung beteiligen kann. </b><BR />Prader: Ja. Das wäre eine neue Möglichkeit, die Bevölkerung für die Nachhaltigkeit ins Boot zu holen. Seit 2022 hat uns die Teuerung im Griff. Wir haben daher nach einer Möglichkeit gesucht, bei der Private als Investoren auftreten können und eine entsprechende Verzinsung bekommen. Der Klimaplan Südtirol 2040 sieht zum Beispiel vor, die installierte Leistung der Fotovoltaikanlagen bis 2030 auf 400 Megawatt auszubauen. Bei einem Investitionsvolumen von rund 200 bis 300 Millionen Euro können Fotovoltaikanlagen auf allen öffentlichen Immobilien in Südtirol finanziert werden – wissend, dass die Fotovoltaikanlagen bis zu 25 Jahre gut funktionieren. Das würde dem Land finanzielle Möglichkeiten für die Tilgung der Anleihe aber auch zum Beispiel zur Finanzierung des Zinszuschusses an den NEO eröffnen. Für die Finanzierung der Fotovoltaikanlagen haben wir daher das Instrument eines Green Bonds gewählt, das heißt, eine Anleihe mit nachhaltiger Zweckbestimmung. Es ist ein festverzinsliches Wertpapier, bei dem der Schuldner, in diesem Fall das Land Südtirol über eine Zweckgesellschaft den Zeichnern der Anleihe – der Bevölkerung – die Rückzahlung der Schulden inklusive der fix vereinbarten Zinsen garantiert. Die Kupons könnten auch einen variablen Bonuszinsanteil haben, der sich nach der Höhe des Strompreises richtet. Das heißt, je höher der Strompreis, desto höher die Rendite für die Zeichner. Daher schlagen wir vor, dass ein „Südtirol Green Bond“ nicht nur von professionellen Investoren, sondern vor allem auch von der Südtiroler Bevölkerung zum Beispiel über die lokalen Banken gezeichnet werden kann. Ich sehe darin eine gute Möglichkeit, gemeinsam ein wichtiges Klimaziel für Südtirol zu erreichen, und das mit einem Fixzins-Kupon von 5 Prozent plus einem möglichen Bonuszinssatz für die Zeichner der Anleihe. <BR /><BR /><embed id="dtext86-60576283_listbox" /><BR /><BR /><b>Was ist die Voraussetzung dafür, dass diese Modelle erfolgreich auf den Weg gebracht werden? </b><BR />Prader: Vor allem geht es darum, die Kräfte zu bündeln. Die Umsetzung dieser Finanzierungsmodelle funktioniert nicht im Alleingang, sondern beruht auf dem Zusammenspiel verschiedener Akteure. Es braucht die politischen Entscheidungsträger, die lokalen Finanzinstitute, professionelle Investoren, Interessensvertretungen, Garantiegenossenschaften, Vertreter von Leitbetrieben und Vertreter der Zivilbevölkerung. Die von der Prader Bank vorgelegten Vorschläge sehen ausnahmslos regionale Finanzkreisläufe mit den verschiedensten Playern vor. Die Schaffung einer Plattform als interdisziplinäre Arbeitsgruppe kann dabei hilfreich sein. Entscheidend ist, dass verschiedene Interessen und Expertisen zusammenwirken, effizient arbeiten und Ergebnisse erzielen. Mir geht es darum, als Prader Bank eine aktive Rolle für ein nachhaltiges Finanzwesen einzunehmen, gute Projekte für die Wirtschaft, die Bevölkerung und das Land auf den Weg zu bringen und die zügige Umsetzung zu gewährleisten.<BR /><BR />