Dr. Schär (Glutenfrei-Produkte – Burgstall), Durst (Druckmaschinen – Brixen) und Technoalpin (Beschneiung – Bozen) sind Global Player aus Südtirol, für die der US-Markt zu den Kernmärkten zählt. Zudem ist das Trio mit eigenen Tochtergesellschaften vor Ort. Damit nicht genug: „Ein Teil meiner Seele gehört den USA“, sagt Dr.-Schär-CEO Hannes Berger im Gespräch mit diesem Medium und drückt damit seine auch persönliche Nähe zum Land aus. Durst-Geschäftsführer Christoph Gamper ist mit einer US-Amerikanerin verheiratet und verbringt bis zu 90 Tage im Jahr in den Vereinigten Staaten, beruflich und familiär eng verbunden fühlt sich auch Michael Mayr (USA-Verantwortlicher bei Technoalpin) mit dem Land. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67185190_quote" /><BR /><BR />Als Kenner von Land, Leuten und Leistungskraft der Weltmacht fiebern sie dem Wahltag am 5. November entgegen. „Es ist ganz klar eine Wahl der Gegensätze. Die Lagerbildung ist eindeutig zu spüren – mehr noch als vor 4 Jahren“, betont Mayr.<BR /><BR /> „Beide Kandidaten repräsentieren komplett unterschiedliche Visionen für die USA, besonders bei Themen wie Einwanderung, Gesundheitswesen und Klimapolitik“, äußert Gamper. Die mediale Darstellung zeige ebenfalls ein klares „Entweder-oder“, und dieser Ton ziehe sich in die privaten Gespräche – ein wahres Barometer für das derzeitige politische und soziale Klima in den Staaten, es gehe ziemlich binär zu in den Diskussionen. <BR /><BR />Berger sieht die Sache ähnlich: „Diese Wahl ist in erster Linie ein Kulturkampf, ein Kampf der weißen Landbevölkerung gegen die Stadtbevölkerung. Entsprechend sind die Lager klar definiert, das Land ist gespalten. Trump spielt gezielt mit den Ängsten vor Überfremdung der ländlichen Bevölkerung, teils auch mithilfe von rassistischen Parolen. Harris wird verbal ins äußere, linke Eck verfrachtet, obwohl sie für eine Politik der Mitte eintritt. Sie steht eher für eine offene und sozialverträglichere Linie ein.“ <BR /><BR />Wirtschaftliche Themen, die üblicherweise den Wahlkampf in den USA dominierten, stünden diesmal eher in zweiter Reihe. „Vielleicht auch, weil die US-Wirtschaft immer noch boomt, besonders im Vergleich zu Europa“, führt Berger aus.<BR /><BR /> „Dennoch bewegen auch viele US-Amerikaner Aspekte wie Inflation und Kaufkraftverlust“, so Durst-Chef Gamper. Nicht wenige hätten das Gefühl, dass sie zu Trumps erster Amtszeit ab 2017 mehr in der Tasche hatten als jetzt. <h3> Zwischen Protektionismus und Abschottung</h3>Relevant fürs US-Business der Südtiroler Unternehmer sind vor allem die verschiedenen Vorstellungen von Wirtschaftspolitik, die Trump und Harris verkörpern. Protektionistische Tendenzen findet man bei beiden Kandidaten. <BR /><BR />Ein Beispiel ist der „Inflation Reduction Act“, den die Biden-Harris-Administration auf den Weg brachte; ein massives Förderprogramm nur für US-Firmen bzw. ausländische Unternehmen, die eine eigene Tochtergesellschaft in den USA haben. Ebenso wurden jüngst die Strafzölle auf E-Autos aus China deutlich erhöht. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67185195_quote" /><BR /><BR />„Und doch dürfte Trump noch wesentlich weiter gehen“, fürchtet Berger. „Er will die USA abschotten vom Rest der Welt, will sogar globale Warenströme stören. Das ist mit Harris nicht zu erwarten.“ <BR /><BR />Das Vorhaben Trumps, höhere Importzölle auf Rohstoffe und Halbfertigprodukte zu erheben, beunruhigt auch Gamper: „Die Isolationstendenzen bei Trump sind auf lange Sicht eher risikobehaftet, was für global orientierte Unternehmen wie Durst eine Herausforderung wäre.“ <BR /><BR />Technoalpin-Manager Mayr meint: „Die Hoffnung, die wir alle haben, ist nur, dass Trump im Falle eines Wahlsiegs nicht allzusehr auf Konfrontation geht mit anderen Wirtschaftsmächten. Von einem Handelskrieg hätte nämlich niemand etwas.“<h3> „Teil der Wertschöpfung in die USA verlegen“</h3>Wie würden die Unternehmen auf das Szenario Trump reagieren? „Wir sind darauf vorbereitet, einen Teil der Wertschöpfung in die USA zu verlegen“, so Gamper. Dr. Schär sieht laut CEO Berger für den Extremfall die Option vor, auf 100 Prozent lokale Produktion umzustellen; sprich, alles, was das Unternehmen braucht, um seine Produkte für den US-Markt herzustellen, vor Ort zu beziehen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-67185199_quote" /><BR /><BR /> Und noch eine Herausforderung gäbe es bei einem Triumph des Republikaners: „Für Fachkräfte, die wir von Europa in die USA entsenden wollen, würde es deutlich schwieriger werden, ein Visum zu bekommen. Das war schon in Trumps erster Amtszeit so“, gibt Berger zu Bedenken. <BR /><BR />Verlockend klingt dagegen der Plan von Trump, die Unternehmenssteuern von aktuell 21 auf 15 Prozent zu senken. Gamper: „Das könnte sicherlich positiv für unser Wachstum sein. Aber längerfristig ist seine Zollpolitik mit höheren Beschaffungskosten verbunden und die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern dürfte sich verkomplizieren.“<h3> Abkehr vom US-Markt ist keine Option</h3>Weniger in den USA zu investieren oder sich gar vom Markt zu verabschieden, kommt für die Südtiroler Unternehmen jedenfalls nicht infrage – ganz unabhängig vom Wahlausgang. Dafür sei die Volkswirtschaft zu wichtig. <BR /><BR />Zudem verkörpert das Land laut Berger eine kreative Dynamik, die in Europa „so nicht zu finden ist“. Er verweist auf den oft zitierten Satz: „Amerika erfindet, China kopiert und Europa reglementiert.“ Da sei sehr viel Wahres dran, findet er. <BR /><BR />Mayr äußert sich pragmatisch: „Wir können die Politik nicht beeinflussen und auch nicht ändern. Wir werden uns aber an die geänderten Rahmenbedingungen anpassen, das steht fest.“ Man habe 2 Szenarien in der Schublade, eins für Trump, eins für Harris – entsprechend werde man sich verhalten.<h3> Der Blick in die Glaskugel</h3>Bleibt noch die Frage nach dem Wahlausgang. „Wenn ich wetten müsste, würde ich auf Trump setzen“, erklärt Gamper. Seine Einschätzung basiert auf Trumps loyaler Wählerschaft und der Sehnsucht vieler Amerikaner nach wirtschaftlicher Stabilität, die er darstelle. Der Schär-CEO antwortet mit Allan Lichtman. Der US-Historiker hat sich anhand von Schlüsselfragen politische, wirtschaftliche und soziale Faktoren angesehen und diese bewertet. Je mehr dieser Faktoren zugunsten der regierenden Partei sprechen, desto größer die Chancen, dass diese im Amt bleibt. „Lichtman kommt zum Schluss, dass Harris gewinnen wird. Seit 1984 hat er mit seinem Modell 9 von 10 Wahlen korrekt vorhergesagt.“<BR /><BR /> Und was sagt die Glaskugel Mayrs? „Ich kann und will mich dazu nicht äußern, freue mich aber auf ein hochinteressantes Duell.“