<b> Das Ergebnis fiel mit 15 zu 13 Stimmen zu Ihren Gunsten äußerst knapp aus. Haben Sie mit einem so engen Rennen gerechnet?</b><BR /><BR />Klaus Berger: Ehrlich gesagt, ja. Das Rennen war völlig offen, die Chancen standen 50:50. Der Landesausschuss musste sich zwischen zwei guten Kandidaten entscheiden. Dass mir letztlich das Vertrauen ausgesprochen wurde, freut mich natürlich sehr.<BR /><BR /><BR /><b>Wie groß ist die Verantwortung, die Sie spüren, an der Spitze eines so einflussreichen Wirtschaftsverbands zu stehen?<BR /></b><BR />Berger: Die Verantwortung ist groß, keine Frage. Aber ich habe mir sehr genau überlegt, worauf ich mich einlasse – vor allem gemeinsam mit meiner Familie, für die es wohl die größte Veränderung bedeutet. Ich werde im eigenen Betrieb künftig weniger präsent sein, weil die Aufgabe sehr fordernd wird. Aber ich bin bereit, die Herausforderung anzunehmen. Ich will etwas bewegen.<BR /><BR /><BR /><b> Sie gelten als ruhiger und besonnener Mensch. Wollen Sie den Verband auch so führen?</b><BR /><BR />Berger: Absolut. Ich höre mir gerne die Meinungen anderer an, diskutiere sachlich und auf Augenhöhe, um dann die beste Entscheidung zu treffen. Ich sehe mich als Teamplayer. Wenn ich eines sicher nicht bin, dann jemand, der laut ist und provoziert – das entspricht nicht meinem Stil.<BR /><BR /><BR /><b>Kontroversen gab es in den vergangenen Jahren rund um den Tourismus – Stichwort Übertourismus. Sind Sie auf Gegenwind vorbereitet?</b><BR /><BR />Berger: Die Stimmung innerhalb der Branche ist derzeit gut. Aber Sie haben recht: Die Herausforderungen sind heute andere als noch vor zwölf Jahren, als Manfred Pinzger das Zepter übernahm. Es geht heute weniger darum, mehr Gäste ins Land zu holen, sondern vielmehr darum, den Tourismus und die einheimische Bevölkerung wieder stärker zusammenzubringen.<BR /><BR /><BR /><b>Wie soll das gelingen?</b><BR /><BR />Berger: Durch mehr gegenseitige Wertschätzung. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es in fast jedem Ort Südtirols noch einen Gastbetrieb gibt. Dahinter stehen Familien, die täglich hart und mit großem Einsatz arbeiten. Das verdient Anerkennung und Respekt. Gleichzeitig müssen auch wir im Tourismus überlegen, wie wir den Kontakt zu den Einheimischen wieder verstärken können.<BR /><BR /><BR /><b>Welche großen Aufgaben sehen Sie für den HGV in den kommenden Jahren?</b><BR /><BR />Berger: Ein Schwerpunkt liegt sicher auf der Jugend. Sie für den Beruf im Gastgewerbe zu begeistern und ihr den Sinn dieser Arbeit zu vermitteln, ist entscheidend – gerade mit Blick auf Themen wie Nachfolge, Mitarbeitersuche und -bindung. Daran müssen wir arbeiten, auch gemeinsam mit den Schulen.<BR /><BR /><BR /><b>Wo wollen Sie darüber hinaus Akzente setzen?</b><BR /><BR />Berger: Mein Vorteil ist, dass ich einen sehr gut aufgestellten, starken Verband übernehme. Mir ist wichtig, mich für alle einzusetzen – egal ob klein oder groß, Bar, Restaurant, Hotel, Campingplatz oder Schutzhütte. Ich sehe mich als Vertreter aller und möchte das auch den Mitgliedern vermitteln. Ich werde ein Präsident sein, den man jederzeit erreichen kann.<BR /><BR /><BR /><b>Stichwort Erreichbarkeit: Die Präsidentschaft ist ehrenamtlich, aber sehr zeitaufwändig. Wie viel Raum nimmt sie in Ihrem Alltag ein?<BR /></b><BR />Berger: Ich werde keine fixen HGV-Tage haben. Mein Vorteil ist, dass ich aus Bozen komme und der Weg in die Zentrale kurz ist. Ansonsten verlasse ich mich darauf, dass die Direktion meine Termine so koordiniert, dass alles möglichst vereinbar bleibt.