Hier die Antworten.<BR /><BR />Wenn es um Apfelsorten geht, unterscheidet man grob zwischen Standard- und Vertragssorten: Während Standardsorten wie Gala, Golden Delicious oder Fuji jeder weltweit frei anbauen darf, haben Vertragssorten einen Eigentümer, der durch einen Sortenschutz die Eigentumsrechte gesichert hat. Wer also diesen Apfel anbauen will, braucht eine Lizenz. Doch warum macht man das eigentlich? <h3> Sich im Markt differenzieren </h3>Der Grund ist schnell gefunden: Weltweit herrscht seit Jahren eine Überproduktion an Äpfeln. Die Nachfrage ist geringer als das Angebot und folglich purzeln die Preise in den Keller. „Das System Clubsorte ist also ein Versuch, sich in diesem übersättigen Markt zu differenzieren“, erklärt Walter Guerra, Leiter des Instituts für Obst- und Weinbau am Versuchszentrum Laimburg in Pfatten. <BR /><BR />Durch die Vergabe von exklusiven Anbaurechten nehme man zum einen Einfluss auf die zu produzierende Menge, um ein Überangebot zu vermeiden, und zum anderen auch Einfluss auf das Anbaugebiet, die Fläche und die Qualität, um sich von anderen Apfelsorten zu differenzieren. „Besonders was die Qualitätspolitik anbelangt, versuchen Clubsorten mit strengen Normen bei Form, Farbe und inneren Werten, sich von der Konkurrenz abzuheben und das Produkt auf ein höheres Niveau zu bringen“, erklärt Guerra. Die Kombination aus reduzierter Menge und besonderen Qualitätsmerkmalen sorgt letztendlich dafür, dass am Markt gute Preise erzielt werden können. <BR /><BR />Dass sich dieses Vertriebssystem gerade beim Apfel durchgesetzt hat, liegt daran, dass es im Gegensatz zu anderen Obstarten bei Äpfeln eine gewisse Sortenidentität gibt: „Kaum ein Konsument kennt Kirschensorten oder Pfirsichsorten – beim Apfel aber sehr wohl. Der Apfel ist daher prädestiniert für dieses Clubsorten-Konzept“, sagt Guerra. <h3> Fast 5000 Hektar Anbaufläche</h3>Wie verbreitet der Anbau von Vertragssorten ist, ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Weltweiter Spitzenreiter ist Neuseeland mit einem Anteil von rund 30 Prozent an der Gesamtanbaufläche der Äpfel. „Italien kommt schätzungsweise auf rund 16 Prozent, wobei Südtirol den größten Anteil an Clubsorten hat“, sagt Guerra. <BR /><BR /><embed id="dtext86-63720380_quote" /><BR /><BR />Laut Daten des Südtiroler Apfelkonsortiums werden in Südtirol auf 4938 Hektar Vertragssorten angebaut. Bezogen auf die Gesamtanbaufläche von 17.700 Hektar machen die Clubsorten 28 Prozent aus. Zum Vergleich: Im Trentino machen Clubsorten gerade einmal 10 Prozent der Gesamtanbaufläche aus, in Venetien 8 Prozent.<BR /><BR /> „Südtirol hat eine rasante Entwicklung hinter sich, führt man sich vor Augen, dass es 2012 erst rund 1000 Hektar waren. Das heißt, in den vergangenen 10 Jahren hat sich die Fläche vervierfacht. Die Südtiroler Obstwirtschaft hat sehr viel Mut und Risikobereitschaft bewiesen“, sagt Guerra. <h3> Über 15 Vertragssorten </h3>Unterscheidet man nach Sorten, zeigt sich, dass „Rosy Glow-Sekzie“ von Pink Lady die Liste der verbreitetsten Clubsorten in Südtirol anführt – Pink Lady macht fast ein Viertel der fast 5000 Hektar aus. Dahinter folgen „Nicoter/Kanzi“ mit rund 601 Hektar und „WA38/Cosmic Crisp“ mit rund 570 Hektar. <BR /><BR /> <div class="embed-box"><div class="container-wrapper-genially" style="position: relative; min-height: 400px; max-width: 100%;"><img src=" https://img.genial.ly/5fd380c29270490f70f47a03/f30fb79b-ab39-43a4-b16e-6acb3b0565c8.jpeg" class="loader-genially" style="position: absolute; top: 0; right: 0; bottom: 0; left: 0; margin-top: auto; margin-right: auto; margin-bottom: auto; margin-left: auto; z-index: 1;width: 80px; height: 80px;"/><div id="65e715f565e8be0014f153ea" class="genially-embed" style="margin: 0px auto; position: relative; height: auto; width: 100%;"></div></div><script>(function (d) { var js, id = "genially-embed-js", ref = d.getElementsByTagName("script")[0]; if (d.getElementById(id)) { return; } js = d.createElement("script"); js.id = id; js.async = true; js.src = " https://view.genial.ly/static/embed/embed.js"; ref.parentNode.insertBefore(js, ref); }(document));</script></div> <BR /><BR />Weitere Sorten, die sich in Südtirol bewährt haben, sind: „Scilate/envy“, „Ipador/Giga“, „CIVM49/RedPop“ oder „Ambrosia“.<BR /><BR />Insgesamt sind es knapp über 15 Vertragssorten in Südtirol. Doch nicht jede Clubsorte, die in Vergangenheit angebaut wurde, hat sich auf dem Markt bewährt. „‚Rubens' und ‚Modí' scheinen zwar noch in den Statistiken auf, sind aber de facto schon fast verschwunden“, klärt Guerra auf. <h3> Das Clubsorten-Karussell dreht sich immer weiter</h3>Die Sorteninnovation steht nie still und erfindet sich immer wieder neu. Weltweit gibt es große Allianzen, welche das Geschäft mitgestalten, unter anderem das „International New-Varieties Network (INN)“ oder die „Associated International Group of Nurseries (AIGN)“. <BR /><BR />Bis in Südtiroler Boden eine neue Apfelsorte gepflanzt wird, vergeht einige Zeit, da ein langer Auswahlprozess dem vorausgeht. Dafür verantwortlich ist neben dem Versuchszentrum Laimburg vor allem auch das Sortenerneuerungskonsortium Südtirol, welches unter anderem für die beiden Genossenschaftssysteme VIP (Verband der Vinschger Produzenten für Obst und Gemüse) und VOG (Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften) Sortenprüfungen durchführt. <BR /><BR />Wichtige Anforderungen, damit eine neue Sorte auch in Südtirols Apfelanlagen angebaut werden kann, sind laut Guerra ein guter Hektarerlös und eine Anbaufreundlichkeit. Das heißt, die Sorte soll im besten Fall robust sein, um den sich wandelnden klimatischen Bedingungen und den Schädlingen Stand zu halten. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei, dass die Sorte eine hohe Qualität und eine lange Lagerfähigkeit aufweist, so der Leiter des Instituts für Obst- und Weinbau am Versuchszentrum Laimburg. „Die Sortenprüfung wird auch in Zukunft immer weitergehen, und das nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch weil sich die Gewohnheiten des Konsumenten ändern“, ist sich Guerra sicher.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />