Nach vorläufigen Berechnungen des „Automobile Club d’Italia (ACI)“ in Rom, die s+ vorliegen, beliefen sich die durchschnittlichen Ausgaben im Jahr 2025 italienweit auf rund 4.300 Euro pro Fahrzeug. Das entspricht einem Anstieg von etwa acht Prozent gegenüber dem Jahr davor.<BR /><BR />In diesen Kosten enthalten sind Treibstoff, Wartung und Reparaturen, Reifen, Versicherungen sowie der Wertverlust und Finanzierungskosten. Der größte Kostenblock ist dabei der Wertverlust: Rund 40 Prozent der Gesamtausgaben entfallen darauf. <BR /><BR />Etwa ein Viertel macht der Sprit aus, während Versicherung, Wartung und weitere Fixkosten den verbleibenden Anteil bilden.<h3> Südtirol dürfte höher liegen</h3>Eigene Regionalwerte veröffentlicht der ACI nicht. Auf Anfrage heißt es, dass einzelne Kostenbestandteile nicht gesondert erfasst werden und daher keine spezifischen Durchschnittswerte für Südtirol vorliegen.<BR /><BR />Allerdings gibt es Hinweise auf Unterschiede: Treibstoff ist hierzulande im Schnitt teurer als im restlichen Italien, das Einkommensniveau liegt höher und der Fahrzeugbestand gilt als vergleichsweise höherwertig. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge unterscheidet sich hingegen kaum vom italienischen Schnitt.<BR /><BR />Rechnet man diese Faktoren vorsichtig ein, dürfte der tatsächliche Durchschnittswert in Südtirol eher bei rund 4.500 Euro pro Fahrzeug und Jahr liegen. <BR /><BR />Wichtig: Diese Beträge beziehen sich auf ein einzelnes Auto, nicht auf einen gesamten Haushalt. Verfügt eine Familie über zwei Fahrzeuge, verdoppeln sich die Kosten entsprechend.<h3> Eine Viertelmillion im Leben</h3>Was bedeutet das über ein Autofahrerleben hinweg? Wer zwischen dem 20. und dem 75. Lebensjahr – also über 55 Jahre – durchgehend ein Auto besitzt, kommt bei durchschnittlich 4.500 Euro pro Jahr auf eine Gesamtsumme von rund 247.500 Euro – gerechnet zu heutigen Preisen. <BR /><BR />Das ist knapp eine Viertelmillion Euro reale Ausgaben, die sich über Jahrzehnte verteilen und deshalb oft unterschätzt werden.<h3> Vergleich mit Bus und Bahn</h3>Interessant ist der Vergleich mit den Öffis. Das Südtirolmobil-Jahresabo „Fix365“ kostet derzeit 250 Euro. Um auf denselben Gesamtbetrag von rund 247.500 Euro zu kommen, könnte man den öffentlichen Nahverkehr theoretisch fast 990 Jahre lang nutzen. Anders formuliert: Für den Preis eines einzigen Jahres mit eigenem Auto lässt sich der öffentliche Verkehr rund 18 Jahre lang abonnieren.<BR /><BR />Natürlich ersetzt der öffentliche Nahverkehr in ländlichen Regionen nicht in jedem Fall das eigene Fahrzeug. Für viele ist es keine Frage der Wahl, sondern der Notwendigkeit. Dennoch lohnt es sich, die tatsächlichen Kosten nüchtern zu betrachten.<h3> Und wenn man das Geld investiert hätte?</h3>Ein weiteres Gedankenspiel: Würde man die 4.500 Euro jährlich stattdessen in einen ETF-Sparplan investieren – bei einer durchschnittlichen Marktrendite von 6 Prozent pro Jahr und laufenden Fondskosten von 0,2 Prozent (also rund 5,8 Prozent Rendite nach Kosten, vor Steuern) – ergäbe sich nach 55 Jahren ein Vermögen von rund 1,6 Millionen Euro. <BR /><BR />Nach Abzug der italienischen Kapitalertragssteuer von 26 Prozent auf die erzielten Gewinne bliebe ein Endbetrag von rund 1,25 Millionen Euro. Eine solche Summe würde die finanzielle Situation im Ruhestand jedenfalls deutlich entspannen. Die Rechnung zeigt, welche wirtschaftliche Kraft langfristige, regelmäßige Ausgaben – oder Sparbeträge – entfalten können<h3> „Selten durchgerechnet“</h3>Für Gunde Bauhofer von der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) sind die Werte keine Überraschung. „Die Zahlen erstaunen mich nicht, weil sie hochgerechnet in etwa dem entsprechen, was bei dienstlichen Fahrten pro Kilometer vergütet wird.“<BR /><BR />Was viele jedoch nicht tun: den gedanklichen Schritt vom Kilometergeld zur eigenen Haushaltsrechnung zurückzulegen. „Die meisten wissen, dass ein Auto teuer ist. Aber wie teuer, das machen sich nur wenige bewusst.“ Klar sei jedenfalls: „Das Auto ist mit Sicherheit keine Investition, sehr wohl aber eine sehr hohe Ausgabe.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-73689287_quote" /><BR /><BR />Wer sparen will, müsse bei den großen Hebeln ansetzen: niedrigere Fahrzeugklasse und Motorisierung, kein Neuwagen, längere Haltedauer, geringere Kilometerleistung, Versicherung regelmäßig prüfen – „ein häufiger Fehler ist eine Überabdeckung“. Und schließlich die ehrliche Frage: Braucht es wirklich ein zweites Auto? „Im Grunde wüssten wir alle, wie es ginge“, sagt Bauhofer. „Aber es im eigenen Leben umzusetzen, ist bekanntlich nicht einfach.“<BR /><BR />Der finanzielle Anreiz, Gewohnheiten zu hinterfragen, ist jedenfalls beträchtlich – vor allem, wenn man sich die Gesamtkosten über Jahrzehnte vor Augen führt.