<BR />Es ist die Unternehmensberatung Mercer Italia, die die Löhne von Jungakademikern unter die Lupe genommen hat. Demnach liegt das durchschnittliche Brutto-Einstiegsgehalt für Hochschulabsolventen in Italien bei rund 32.000 Euro im Jahr. In Deutschland sind es rund 57.500 Euro, in Österreich knapp 57.000 Euro und in der Schweiz sogar rund 90.000 Euro. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-73580618_quote" /><BR /><BR /><BR />Erschwerend dazu kommen die in Südtirol hohen Lebenshaltungskosten: „32.000 Euro brutto als Einstieg sind in Südtirol kein Start ins Berufsleben, sondern ein Start in die finanzielle Dauer-Unsicherheit. Wer hier Miete, Mobilität und den täglichen Einkauf bezahlt, weiß: Mit diesen Löhnen wird Zukunft verhindert“, kritisiert der ASGB-Vorsitzende Tony Tschenett. <BR />Hier könne man auch nicht mehr von „Gehaltsgefälle“ sprechen, vielmehr sei das „eine Einladung zum Weggehen“. Südtirols Talente würden also nicht aus Abenteuerlust dem Land den Rücken kehren, „sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit“.<BR /><BR />Wie die Erhebung weiter zeigt, sind zwischen 2022 und 2025 die Einstiegsgehälter in Italien nur um sieben Prozent (von 30.000 auf 32.000 Euro) gestiegen, in Österreich waren es im selben Zeitraum 23 Prozent, in Deutschland zehn Prozent und in der Schweiz 15 Prozent. „Das heißt: Der Abstand ist nicht nur groß – er wird zementiert“, so Tschenett. <BR />„Jeder Jahrgang, der geht, fehlt uns als Fachkraft, als Steuerzahler, als Familiengründer, als Stütze für Vereine, Ehrenamt, Pflege und öffentliche Dienste. Wenn diese Entwicklung weiterläuft, wird Südtirol schleichend ausgehungert.“<h3> „Das ist Abwanderung mit Ansage“</h3>Die Forderungen des ASGB: in erster Linie italienweit spürbar höhere Einstiegsgehälter. Die Gewerkschaft verweist dabei auf die Mercer-Studie, die als Ziel ein Niveau von über 40.000 Euro brutto nenne. Zudem müssten die Unternehmen den jungen Menschen auch mehr Perspektiven bieten. Laut Mercer geben nur 16 Prozent der Betriebe an, eine strukturierte Politik für Berufseinsteiger zu haben, 36 Prozent verfügen über formal definierte Karrierepfade. „Wer nichts anbietet außer niedrigen Einstiegsgehältern und vagen Versprechen, produziert Abwanderung mit Ansage“, warnt der ASGB.<BR /><BR />Zudem fordert er einen „realen Ausgleich für Hochkostenräume wie Südtirol“ sowie steuerliche Entlastungen auf Arbeitseinkommen und mehr betriebliche Zusatzvereinbarungen. <BR /><BR />Tschenett warnt vor den Folgen, wenn nichts passiert: „Wenn diese Entwicklung weitergeht, wird Südtirol schleichend ausgeblutet. Dann fehlen uns nicht nur kluge Köpfe, sondern ganze Jahrgänge. Es fehlen Kaufkraft, Steueraufkommen, neue Familien und am Ende auch die Menschen, die unsere Dienste, unsere Pflege, unsere Betriebe und unser Zusammenleben tragen.“