Donnerstag, 08. Oktober 2015

Sorgen um die alte Blasse

Die Milchwirtschaft in Südtirol ist ein Sorgenkind. Die Anzahl der Betriebe schrumpft und schrumpft und schrumpft. Das könnte das Erscheinungsbild Südtirols nachhaltig ändern.

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Foto: © D

Auf die Frage, seit wann die milchverarbeitenden Betriebe in Südtirol im Rückgang begriffen sind, meint Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner: „Das war schon immer so. Da gab es nie eine Zunahme.“

Fakt ist: Im Zeitraum zwischen 1. April 2013 und 31. März 2014 haben in Südtirol 102 milchproduzierende Betriebe die Milchwirtschaft an den Nagel gehängt. Im Milchwirtschaftsjahr 2012/2013 waren es 95.

Die Daten zum aktuellen Jahr liegen derzeit noch nicht vor. Setzt sich die Entwicklung fort, zählt Südtirol derzeit knapp 5.300 Milch-Betriebe. Der Obmann des Sennereiverbands Südtirol, Joachim Reinalter, sprach Ende April dieses Jahres gar von 4980 aktiven Milchlieferanten.

Bei Investitionen wird das Geld knapp

Siegfried Rinner sagt dazu: „Wenn es sich rentieren würde, würden die Betriebe nicht aufgeben.“ Südtirol stehe zwar, was den Auszahlungspreis betrifft – er beläuft sich auf rund 50 Cent pro Kilo –, noch recht gut da. Doch entscheidend ist laut dem Direktor des Bauernbundes, „was unterm Strich rauskommt“. Rinner verweist auf die hohen Betriebskosten.

„Maschinen- und Energiekosten sind in den vergangenen Jahren sehr gestiegen“, erinnert er. „Für das tägliche Leben reicht das Auskommen zwar meist, doch besonders kleinere Betriebe tun sich schwer, Geld für Investitionen bereitzustellen. Am Ende steht die Frage: ‚Modernisieren oder ganz bleiben lassen?‘ Und da entscheiden sich viele Milchbauern für letztere Variante.“

Was passiert mit den Berggebieten?

Die Folge ist das, was Rinner einen „Strukturwandel“ nennt. Die kleinen Betriebe geben auf oder wenden sich der Viehwirtschaft zu, die großen pachten die Flächen an. „Der Wegfall der kleinen oder sehr kleinen Betriebe hat nicht eine Verringerung der produzierten Milchmenge zur Folge, da die restlichen Betriebe im Durchschnitt die Milchmengen steigern“, erklärte auch Landesrat Arnold Schuler auf eine Anfrage des Freiheitlichen Walter Blaas.

„Allerdings sind die Steilhänge wenig rentabel, da besteht wenig Interesse, diese weiter zu bewirtschaften“, weiß Rinner. Das habe Konsequenzen – unter anderem für die Landschaftspflege, denen sich die Bauern verschrieben haben.

Rinner sagt deshalb: „Das Ziel des Bauernbundes ist es, möglichst viele Betriebe zu erhalten – gerade auch im Berggebiet.“ Erfahrungen aus anderen Ländern hätten gezeigt: Dort, wo nur die Großen am Werk sind, tut sich die Landwirtschaft schwer, den Erwartungen der Gesellschaft nachzukommen.

Rinner fordert: Geld endlich ausbezahlen

Der Bauernbund-Direktor nimmt die Politik ins Gebet: Die milchwirtschaftlichen Genossenschaften bräuchten ausreichend Geld, um modern und innovativ zu sein. Zudem müssten Flächenprämie und dergleichen zeitnah ausgezahlt werden, fordert Rinner. „Südtirols Bauern haben 1,3 Milliarden Euro an Krediten. Jeder Betrieb hat 70.000 Euro an Schulden. Und wir warten immer noch auf das Geld von 2014.“

stol

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