Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) der Handelskammer Bozen hörte sich in ihrer Herbstbefragung bei Südtiroler Firmen im Bereich Bauindustrie und Bauhandwerk um. Das Geschäftsklima sei im Allgemeinen positiv: „Neun von zehn Unternehmen schätzen die Rentabilität im Jahr 2024 als befriedigend ein. Sie melden aber einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr, der auf eine geringere Nachfrage aufgrund der hohen Zinsen und der Reduzierung der steuerlichen Anreize für Renovierungen zurückzuführen ist“, so das Wifo. „Darüber hinaus wirken sich der Nachfragerückgang und die erschwerten Finanzierungsbedingungen negativ auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen im Bausektor aus.“ Was die Beschäftigung betrifft, so gab es im Baugewerbe in den ersten neun Monaten durchschnittlich knapp 18.000 Arbeitnehmer, was einer Zunahme um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.<BR /><h3> „Privater Wohnbau rückläufig“</h3>„Die öffentlichen Investitionen, die umgesetzt werden bzw. geplant sind, sind für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes zentral und sorgen aktuell für Auslastung. Demgegenüber steht der private Wohnbau, der stark rückläufig ist. Die angekündigten Maßnahmen der Politik zum leistbaren Wohnen müssen schnell beschlossen werden und greifen, denn Wohnen spielt für die Entwicklung eines Landes eine grundlegende Rolle“, sagt Christian Egartner, Präsident des Baukollegiums. Ähnlich argumentiert Handelskammerpräsident Michl Ebner: „Der Wohnungsmangel betrifft immer mehr Südtiroler und Südtirolerinnen, vor allem junge Menschen und Familien. Um dem entgegenzuwirken, ist es notwendig, nicht mehr genutzte Flächen zu bebauen, wie z.B. das Bozner Bahnhofsareal oder ehemalige Militärflächen in mehreren Südtiroler Städten. Diese Grundstücke befinden sich oft in guten Lagen und stellen eine Chance für den Wohnungsbau dar.“<h3> Keine Erholung bei Umsätzen</h3>In den kommenden Monaten rechnen die Unternehmen laut Wifo mit keiner wesentlichen Erholung der Umsätze, obwohl die allmählich sinkenden Zinsen die private Wohnungsnachfrage anregen dürften. Diesem positiven Aspekt steht aber die Entscheidung der italienischen Regierung entgegen, die steuerlichen Anreize für Renovierungen ab 2025 weiter zu reduzieren. Infolgedessen sind die Aussichten für das kommende Jahr von großer Ungewissheit geprägt, so dass ein Drittel der befragten Unternehmen keine Rentabilitätsprognose abgeben konnte. Von denjenigen, die sich geäußert haben, sind jedoch 88 Prozent zuversichtlich, ein zufriedenstellendes Betriebsergebnis zu erzielen.<h3> „Langfristige Maßnahmen nötig“</h3>Dass Unsicherheiten bestehen, bestätigt auch Rodolfo Gabrieli, Präsident des Bereichs Bauwesen beim CNA-SHV: „Die Kürzung der Bauboni im Haushaltgesetz 2025 wird dem Sektor nicht helfen. Kurzfristig werden die Auswirkungen durch die Investitionen in öffentliche Gebäude abgefedert, die dank der PNRR-Mittel möglich sind. Um eine drastische Abschwächung zu vermeiden, fordern wir langfristige Maßnahmen sowohl auf Landes- als auch auf Staatsebene, wie die Einrichtung eines öffentlichen Garantiefonds für den privaten Sektor“, so Gabrieli.<BR /><BR />„Die Reduzierung der steuerlichen Anreize stellt den Bausektor vor Herausforderungen, doch gibt es auch Chancen: Gerade jetzt ist es wichtig, innovative und nachhaltige Bauprojekte voranzutreiben, die auf langfristige Stabilität setzen. Mit gezielten Fördermaßnahmen auf Landesebene können Handwerksbetriebe gestärkt und zukunftsfähig gestalten werden“, erklärt Fritz Ploner, Obmann der Baugruppe im lvh.