Mehrere Studien belegen inzwischen, dass Social Media zu teilweise schwerwiegenden psychischen Problemen führen können. <BR /><BR /><b>Was weiß man mittlerweile über die psychischen Auswirkungen von Facebook, Instagram und Co. auf unsere Kinder und Jugendliche?</b><BR />Cristina De Paoli: In mehreren Studien wird die massive Nutzung sozialer Medien mit verschiedenen psychologischen Problemen in Verbindung gebracht, von leichteren Problemen wie einem verminderten Selbstwertgefühl und subjektivem Unbehagen bis hin zu schwer wiegenderen Problemen wie Angst, Depression und Stress. Zum Beispiel hat das Posten von eigenen Fotos, in denen man vor allem die Figur sieht, Auswirkungen auf das eigene Körperbild und das Image bei anderen. Die Folge können negative Veränderungen im Ess- und Fitnessverhalten bei Mädchen und Buben sein.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-63776549_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Rolle spielen Konkurrenzdruck und Minderwertigkeitsgefühle beim Konsum der schönen heilen Social-Media-Welt, in der jeder nur die beste Seite von sich zeigt?</b><BR />De Paoli: Seit Jahren beschäftigen sich Expertinnen und Experten mit den sozialen Medien und ihren psychosozialen Auswirkungen. Eines der untersuchten negativen Phänomene ist die so genannte „Fomo“, ein Akronym für „Fear Of Missing Out“. Diese Angst führt dazu, dass man ständig mit seinem sozialen Netzwerk in Verbindung bleiben will, weil man befürchtet, dass andere lohnende Erfahrungen machen könnten, die man selbst nicht macht. Man hat Angst, etwas zu verpassen. Auch besteht die Angst, Anschluss und Kontakt zu anderen Personen zu verlieren.<BR /><BR /><b>Was machen soziale Netzwerke generell mit dem Selbstwert von Kindern und Jugendlichen?</b><BR />De Paoli: 94 Prozent der Jugendlichen in hochentwickelten Ländern nutzen soziale Netzwerke wie Instagram, Snapchat und Facebook. Das bedeutet, dass Buben und Mädchen durch das Posten und Kommentieren von Fotos und Videos von sich selbst oder anderen Personen interagieren, wodurch das körperliche Erscheinungsbild eine große Bedeutung erlangt. Doch Bilder können leicht verändert und manipuliert werden. Dann kann eine Kluft zwischen dem wahrgenommenen körperlichen Selbst und dem idealen Selbst entstehen, die sich oft in Angst und geringem Selbstwertgefühl äußert.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63776753_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Ist etwas über die Spätfolgen des Social-Media-Konsums bekannt?</b><BR />De Paoli: Beispiele von Spätfolgen können die Abhängigkeit von den sozialen Medien sein bzw. Signale wie Schlaflosigkeit, eine ständige Verbindung zum Handy, Unruhe, Zwanghaftigkeit auf gedanklicher Ebene, Anspannung und Nervosität, Aggressivität, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Übererregung, Konflikte mit den Eltern und in der Familie. Neurowissenschaftliche Studien sprechen von Veränderungen in der Struktur gewisser Areale des Gehirns und der Gehirnrinde, die sich auf das Erleben und Verhalten unserer Kinder und Jugendlichen negativ auswirkt.<BR /><BR /><b>Kann es nicht sein, dass eine Art Abstumpfung eintritt – wir allmählich einen klareren Blick auf die sozialen Netzwerke erhalten und deren negative Folgen dadurch nicht mehr so ins Gewicht fallen?</b><BR />De Paoli: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Was man sagen kann, ist, dass mit der Zeit der Habituationseffekt eingetreten ist. Das heißt, wir haben uns an Social Media und die gesellschaftlichen Werte, die dadurch vermittelt werden, gewöhnt. Sie sind „normal“ geworden und beeinflussen unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. <BR /><BR /><b>Ihr Fazit nach 20 Jahren Facebook: Aus psychologischer Sicht also deutlich mehr Schaden als Nutzen?</b><BR />De Paoli: Wie bei vielen anderen Dingen, kann man bei sozialen Netzwerken nicht sagen, dass sie nur positive oder nur negative Auswirkungen haben. Das gilt auch für den psychologischen Aspekt von Social Media. Bei einem korrekten Umgang, gibt es durchaus gute Anteile, zum Beispiel die Informationsverteilung, der Kontaktaufbau und die Kontaktpflege und vieles weitere mehr. Wichtig ist das richtige Maß und die Erziehung bzw. Begleitung der Eltern im Bereich Social Media. Dies wiederum setzt voraus, dass die Eltern ihrerseits gut informiert darüber sind, welche die Chancen und Risiken von Social Media sind. Wir als Verein La Strada-Der Weg sensibilisieren mit dem Dienst Il Germoglio-der Sonnenschein Eltern, Kinder und Jugendliche und Lehrpersonal bzw. Erzieher dazu. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />