Die in Spanien generell sehr stark von Immobilienkrediten belasteten Banken sollen dabei ihr Kapital um 50 Mrd. Euro stärken, um sich für Zwangsversteigerungen und Problemkredite auf dem Immobilienmarkt zu wappnen. Zudem müssen die Kreditinstitute ihre Rückstellungen für problematische Vermögenswerte von derzeit 31 auf bis zu 80 Prozent erhöhen, erklärte am Freitag Spaniens Vizeregierungschefin Soraya Saenz de Santamaria.Allerdings wird Banken, die erst vor kurzem Fusionen eingegangen sind und besonders von faulen Immobilienkrediten belastet sind, ein Jahr mehr für geplante Abschreibung fauler Vermögenswerte gegeben werden. Jedoch gilt für alle Banken, geplante Zusammenschlüsse und Pläne bis Ende Mai der Regierung vorzulegen. Künftig müssen Banken bei der Gewährung von Krediten für Immobiliengeschäfte oder Bauvorhaben zudem erheblich strengere Maßstäbe anlegen und Darlehen mit deutlich höheren Beträgen absichern. Die neue spanische Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (PP) geht davon aus, dass mit der Bankenreform einige kleinere und angeschlagene Geldinstitute durch Fusionen verschwinden werden, die übrig bleibenden Banken und die durch die Fusionen entstehenden neuen Bank allerdings besser für die Finanzkrise gewappnet sein werden.Die Probleme des spanischen Bankensystems gehen auf eine Kreditschwemme für Baugesellschaften im Zuge eines Immobilienbooms zurück. Als die Blase platzte und mit dem Bau- und Immobiliensektor einer der wichtigsten Wirtschaftspfeiler wegbrach, gerieten auch die Geldhäuser in Schwierigkeiten. Die allgemeine Wirtschaftskrise und Massenentlassungen, welche die Arbeitslosenquote in Spanien auf bis zu 22 Prozent trieb, taten den Rest. Viele Spanier konnten ihre Hypothekenkredite für Wohnungen nicht mehr zurückzahlen. Nach Angaben der spanischen Regierung haben Spaniens Banken bis zum Juni 2011 rund 323 Mrd. Euro Darlehen im Immobiliensektor vergeben, von denen rund 175 Mrd. Euro als problematisch gelten.Reform soll Wirtschaftswachstum bringenDie spanische Regierung verspricht sich von der Reform zudem Impulse für das Wirtschaftswachstum. Den Banken werde es nach der Bereinigung von faulen Vermögenswerten leichter fallen, im Ausland erneut an frisches Geld zu kommen und dies, so hofft Wirtschaftsminister Luis de Guindos, werde dazu führen, dass die Finanzinstitute Privatpersonen und kleinen Betrieben wieder vermehrt Kredite gewähren. Nachdem Spaniens Banken in den vergangenen Jahren die Kreditvergabe stark zurückgefahren haben, wird die Ankurbelung der Wirtschaft durch mehr Kredite dringend notwendig, gerade mit Blick auf eine erneut einsetzende Rezession, die zweite in Spanien innerhalb von vier Jahren.Wie die stellvertretende Ministerpräsidentin erklärte, werden für die Bankenreform keine Steuergelder gebraucht, da die Banken die Sanierung mit Eigenkapital und jüngsten Gewinnen selber finanzieren und tragen können. Allerdings könnten die Geldinstitute Darlehen vom staatlichen Hilfsfonds zur Umstrukturierung den Bankensektors (FROB) in Anspruch nehmen. Die Mittel des Fonds hat die Regierung unterdessen von derzeit 9 auf 15 Mrd. Euro aufgestockt. Auf der anderen Seite senkt die Regierung empfindlich um 65 Prozent die Gehälter der Vorstände von Banken, die bisher staatliche Hilfe in Anspruch genommen haben.Vor der heute verabschiedeten Bankenreform hatte sich die die spanische Großbank Santander bereits vor wenigen Tagen mit Milliardenrücklagen für weitere Einbrüche auf dem Immobilienmarkt gerüstet und nimmt dafür einen stattlichen Gewinnrückgang in Kauf. Wie das Institut mitteilte, erwirtschaftete es 2011 knapp 5,4 Mrd. Euro Überschuss, das sind 35 Prozent weniger als 2010. Um sich gegen die Risiken des spanischen Häusermarkts abzusichern, legte Santander im vierten Quartal 1,8 Mrd. Euro zurück.