Der weltweite Handel mit Waffen boomt, und Deutschland trägt kräftig dazu bei. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri, das alle Rüstungsgeschäfte auflistet, sieht Deutschland auf Platz drei hinter den USA und Russland.Wie bei James BondViele Firmen mischen mit. Doch sie geben sich meist schmallippig, wenn man mehr darüber erfahren will – auch auf der weltgrößten Leistungsshow der Branche, der Pariser Eurosatory, die am Freitag zu Ende ging. Besucher konnten sich dort zuweilen wie im Forschungslabor eines James-Bond-Films fühlen.Zu sehen waren etwa Kameras, die durch Mauern spähen können, virtuelle Kriegssimulatoren mit Gewehrschuss-Akustik und der Roboteranzug „Hercule“, in den Soldaten vor beschwerlichen Märschen schlüpfen sollen. Der Waffenhersteller Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar zog viele Besucher an, die sich für Maschinenpistolen, Sturmgewehre und mächtige Granatmaschinenwaffen vom Kaliber 40 Millimeter interessieren.Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen präsentierte Getriebeteile für Militärfahrzeuge. Aus heimischen Gärten kennt man die gelben Hochdruckreiniger von Kärcher (Winnenden) – auf der Messe präsentierte das Tochterunternehmen Futuretech sein Entseuchungssystem DRDS 1.Daneben glänzten die Aluminiumbehälter der Feldküche „Rapid Response Kitchen“. Einen Schritt weiter rotierte ein Zählwerk: in Afghanistan sollen die Kärcher-Abfüllanlagen bereits viele Millionen 1-Liter-Wasserflaschen an die Nato-Truppen geliefert haben.Heikles GeschäftDer Stuttgarter Autobauer Daimler hat den Unimog U5000 speziell für das Militär umgerüstet: Ein Stahlboden schützt vor Minenexplosionen, die faustdick gepanzerten Türen vor Gewehrprojektilen. 80 Armeen fahren damit, verrät ein Mitarbeiter. Trotz Tarn-Anstrichs: Der Konzern betont, dass die Fahrzeuge aus rein zivilen Bauteilen bestehen. „Denselben Lastwagen bekommt man auch in Rot für die Feuerwehr oder in Weiß für die UNO“, sagt ein Daimler-Sprecher.Das Geschäft ist heikel. „Wir halten uns generell an die strengen gesetzlichen Restriktionen für Militärlieferungen“, versichert Daimler. In Zweifelsfällen verzichte der Autobauer auf Geschäfte, die der Unternehmensethik widersprächen. Lediglich einer von hundert produzierten Lastwagen geht nach Angaben des Unternehmens ans Militär. Zur Rüstungsindustrie zähle sich das schwäbische Traditionsunternehmen nicht.Auch viele Mittelständler im Rüstungsbereich tätigAndreas Seifert von der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen widerspricht: Die Präsenz auf einer Rüstungsmesse bedeute eine Identifizierung und das Umwerben bestimmter Kundenkreise. Unternehmen seien oft in der Rüstung tätig, um Umsatzeinbußen in anderen Bereichen ausgleichen zu können.Oft werde die Rüstungssparte in unbekannte Firmen ausgegliedert, sagt Seifert. Die Rüstungsindustrie habe viele Helfer: Rund die Hälfte der Firmen, die in Deutschland Güter fürs Militär produzieren und entwickeln, seien mittelständische Betriebe. Viele kämen aus der Bodensee-Region und dem Raum Stuttgart. Oft seien es ehemalige Metallverarbeiter oder Automobilzulieferer.Weil das Militärgeschäft in Europa angesichts großer Haushaltslöcher kriselt, drängen Unternehmen in andere Regionen. Die globale Nachfrage der Sicherheitsbranche nach deutscher Qualität boomt. Geroh etwa, Hersteller von Lkw-Anhängern und Masten für Überwachungs- und Kommunikationssysteme, exportiert rund 80 Prozent seiner Waren.Um 20 Prozent in Polen und rund 7 Prozent in China wuchsen die Umsätze des oberfränkischen Produzenten aus Waischenfeld pro Jahr. Solche Waren sind nicht als Militärgüter deklariert. Das deutsche Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen wacht über die Exporte. Die Kontrolle ist aber schwierig: Viele Firmen entwickeln zivile Komponenten, die auch in Rüstungsprodukten einsetzbar sind.dpa