Dienstag, 12. Januar 2016

Spitzentreffen im Abgas-Skandal: VW-Chef Müller will EPA besänftigen

Polieren, wo das Image ramponiert ist. VW-Chef Matthias Müller bemüht sich in den USA um das Vertrauen von Kunden und Behörden.

VW-Chef Matthias Müller in heikler Mission.
VW-Chef Matthias Müller in heikler Mission. - Foto: © APA/Reuters

Anstehenden Gesprächen mit der US-Umweltbehörde sehe er optimistisch entgegen, so der Vorstandsvorsitzende. Der Konzernboss sei noch am Montag von der Automesse in Detroit gen Ostküste geflogen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Zunächst sei Müller bei Gesprächen in der US-Firmenzentrale.

Die Chefin der US-Umweltbehörde EPA als nächster, harter Brocken

Am Mittwoch trifft er dann in Washington auf die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy. Es ist das erste Spitzentreffen im Abgas-Skandal des VW-Konzerns. Die EPA prüft die Vorschläge, mit denen VW Manipulationen in etwa 580.000 Diesel-Autos in den USA beseitigen will.

Wie das Lösungspaket, das den Aufsehern präsentiert werden soll, genau aussieht, ist zwar noch unklar. Doch VW-Chef Müller zufolge ist es durchaus denkbar, dass der Konzern mehr als 100.000 Autos zurückkaufen muss.

Der VW-Chef will der EPA zudem ein neues Katalysatorensystem anbieten, dass VW in rund 430.000 betroffene Autos in den USA einbauen könnte.

Die Kritik an VW hatte zuletzt weiter zugenommen – dem Konzern wird vorgeworfen, Dokumente zurückgehalten und Ermittlungen behindert zu haben. Müller ist nun gefordert, die verhärteten Fronten aufzuweichen und das Verhältnis zu den US-Behörden wieder zu reparieren.

Seit 2009 Autos mit Software manipuliert

Am 18. September hatte VW nach Vorwürfen der EPA eingeräumt, bereits seit 2009 mit einem „Defeat Device“ genannten Computer-Programm Abgas-Messwerte frisiert zu haben. Die Beseitigung der Betrugs-Software, durch die die Abgasreinigung nur im Testmodus voll aktiviert wird, dürfte sich schwierig gestalten.

Neben hohen Kosten für Rückrufe und -käufe drohen dem Konzern wegen der Manipulationen Milliardenstrafen.

Die gesamte deutsche Autoindustrie kämpft auf dem wichtigen US-Markt mit den Auswirkungen des „Dieselgate“-Skandals von Volkswagen. Als Folge der Abgas-Manipulationen sei die Diesel-Strategie „erheblich beschädigt“, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann in Detroit. Der VDA rechnet für dieses Jahr nur mit stagnierenden Absatzzahlen für die deutschen Hersteller in den USA.

dpa

stol