Sonntag, 20. August 2017

Sportschuhe aus dem 3D-Drucker

Adidas macht mit „Speedfactory“ ernst: das deutsche Unternehmen hat in diesem Sommer die Serienproduktion von Sportschuhen gestartet, die zum Teil aus dem 3D-Drucker kommen sollen. Aber die Konkurrenz schläft nicht.

Adidas hat in diesem Sommer die Serienproduktion von Sportschuhen gestartet, die zum Teil aus dem 3D-Drucker kommen sollen.
Adidas hat in diesem Sommer die Serienproduktion von Sportschuhen gestartet, die zum Teil aus dem 3D-Drucker kommen sollen. - Foto: © APA

Die schnelle Vermessung des Läufers für den Wunsch-Schuh: In einer Fabrik in Ansbach nimmt die Vision von Adidas allmählich Formen an – dank Robotik und innovativen Fertigungsmethoden. Es ist nur der Anfang eines Trends, bei dem auch die Konkurrenz mitmischt.

Schuh der Zukunft geht in Serienproduktion

Erste Gehversuche hat der Schuh der Zukunft schon hinter sich – nun setzt er zum Langlauf an. Adidas hat in diesem Sommer die Serienproduktion von Sportschuhen gestartet, die zum Teil aus dem 3D-Drucker kommen sollen.

Steigerung der Produktion

Standort ist die sogenannte Speedfactory in Ansbach, die der Kunststoffverarbeiter Oechsler erbaut hat und betreibt.

Dort und in einer zweiten, noch im Aufbau befindlichen Fabrik in der US-Stadt Atlanta sollen mittelfristig pro Jahr jeweils 500 000 Paar weitgehend automatisiert hergestellte Schuhe kreiert werden, wie Adidas mitteilte.

Zum Vergleich: 2016 produzierte der Konzern mit Sitz in Herzogenaurach nach aktuellen Zahlen 360 Millionen Paar Schuhe, davon 97 Prozent in Asien.

Zeiten sollen verkürzt werden

Von der „Speedfactory“ auf heimischem Boden verspricht sich Adidas, schneller neue Produkte auf den Markt zu bringen und flexibler auf Trends und Kundenwünsche zu reagieren.

Bisher vergingen etwa 18 Monate zwischen dem Entwurf eines Schuhs und jenem Moment, in dem er erstmals im Laden steht, sagte Firmensprecherin Mandy Nieber. In der „Speedfactory“ soll sich die Zeitspanne auf wenige Stunden verkürzen.

Neuartiges 3D-Druck-Verfahren

Das neuartige 3D-Druck-Verfahren, für das die Silicon-Valley-Firma Carbon ins Boot geholt wurde, werde noch in den „Speedfactories“ integriert, sagte Nieber. Dabei soll die gewünschte Form der Zwischensohle aus flüssigem Kunstharz gehoben und langsam aufgebaut werden.

Das Besondere: Jeder Punkt in der Sohle könne dann durch 3D-Technik beeinflusst werden.

Das heißt, dass eines Tages für den Verbraucher, der beim Laufen einknicke und mehr Stabilität an der Fußinnenseite brauche, anhand vorliegender Bewegungsdaten die Beschaffenheit der Sohle maschinell angepasst werden könne.

Konkurrenz zieht mit

Auch Sportartikel-Branchenprimus Nike läuft sich für den Schuh der Zukunft warm. Der US-Konzern investiere ständig in neue Technologien – etwa 3D-Modellierung und computerunterstütztes Design, sagte Sprecher Jo Wedenigg.

Bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 sei zum Beispiel ein Sprintschuh mit einer vom PC berechneten Sohlenplatte zum Einsatz gekommen, die an den Athleten angepasst worden sei.

Auch die Firma New Balance aus Boston hat schon maßgefertigte, anhand persönlicher Angaben 3D-gedruckte Spikeplatten für Laufschuhe für Topathleten vorgestellt.

Adidas-Rivale Puma hält sich zurück, bis sich die Technik weiterentwickelt habe, wie eine Sprecherin sagte.

dpa

stol