Obligationsmärkte haben den Ruf, langweilig zu sein. Vor allem im Vergleich mit Aktien. Armin Weissenegger, Leiter des Bereichs Finanzen & Treasury bei der Südtiroler Sparkasse, widerspricht dem nicht grundsätzlich. „In vielen Fällen stimmt das auch“, sagt er. „Aber mittlerweile haben wir wieder interessante Niveaus erreicht.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1367598_image" /></div> <h3> Attraktivere Renditen</h3>Die Renditen sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Italienische Staatsanleihen bringen derzeit bei fünf Jahren Laufzeit knapp 4 Prozent, bei zehn Jahren rund 4,5 Prozent. Frankreich liegt bei zehn Jahren sogar bei rund 4,7 Prozent. US-Staatsanleihen kommen auf gut 5,1 Prozent, Großbritannien auf rund 5,4 Prozent. „Für Anleger sind das Größenordnungen, die Staatsanleihen wieder zu einer echten Alternative machen.“<h3> Warum die Renditen steigen</h3>Hinter dem Anstieg stehen mehrere Faktoren. Der erste ist die Erwartung höherer Leitzinsen. Nach Einschätzung Weisseneggers rechnet der Markt derzeit in der Eurozone mit drei bis vier Zinserhöhungen innerhalb der kommenden zwölf Monate, in den USA ebenso. Der Grund dafür liegt vor allem in der hartnäckigen Inflation. Wenn Anleger mit steigenden Leitzinsen rechnen, verlangen sie auch bei länger laufenden Anleihen höhere Renditen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1367601_image" /></div> <BR /><BR />Hinzu kommt das größere Angebot am Kapitalmarkt. Staaten müssen hohe Schulden refinanzieren und zugleich zusätzliche Ausgaben stemmen, etwa für Verteidigung und Infrastruktur. Gleichzeitig nehmen auch große Unternehmen, darunter viele US-Techkonzerne, in großem Stil Kapital auf. „Die reale Verzinsung steigt auch deshalb, weil der Wettbewerb um Kapital weltweit zugenommen hat“, sagt Weissenegger. Je mehr Emittenten um das Geld der Anleger konkurrieren, desto attraktivere Renditen müssen sie bieten. „Alles zusammengenommen schafft das eine gute Ausgangslage für Neuanlagen“, so der Finanzexperte.<h3> Neugewichtung </h3>Erwähnenswert ist noch ein weiterer Effekt. „Viele große Investoren arbeiten mit einer festen Aufteilung zwischen Aktien und Anleihen. Ein klassisches Modell ist etwa ein Verhältnis von 50 zu 50. Nach den starken Kursanstiegen an den Aktienmärkten hat sich diese Gewichtung in vielen Portfolios jedoch verschoben.“ Aus 50 zu 50 wurde in den letzten drei Jahren beispielsweise 60 zu 40 zugunsten der Aktien. „Wer wieder zur ursprünglichen Verteilung zurückkehren will, muss Anleihen zukaufen. Auch das könnte für zusätzliche Nachfrage sorgen.“<h3> Fünf Jahre als „Sweetspot“</h3>Für Privatanleger ist bei Anleihen aber nicht nur die Höhe der Rendite wichtig, sondern auch die Laufzeit. „Die fünf Jahre sind für viele wohl der Sweetspot, also die gesunde Mitte zwischen 3 und 10 Jahren“, sagt er. Der Anleger erhält bereits eine vergleichsweise hohe Rendite, bindet sein Geld aber nicht gleich für ein ganzes Jahrzehnt. Wer eine Anleihe bis zur Fälligkeit hält, kann sich die aktuelle Rendite im Wesentlichen sichern – vorausgesetzt, der Schuldner kommt seinen Verpflichtungen nach. Wer vorher verkauft, trägt dagegen ein Kursrisiko.<h3> Die Währung als Risiko</h3>Besonders attraktiv wirken derzeit auf den ersten Blick US-Staatsanleihen. Mit gut 5 Prozent liegen ihre Renditen deutlich über jenen vieler Euro-Staaten. Aber: „Bei Anleihen außerhalb des Euroraums sollte man das Währungsrisiko unbedingt mitdenken.“ Es könne bei Bonds sogar stärker ins Gewicht fallen als bei Aktien, weil die erwartete Rendite insgesamt niedriger und damit schneller durch Wechselkursschwankungen aufgezehrt werde. „Ein Treasury mit gut 5 Prozent ist für einen Euro-Anleger deshalb nicht automatisch attraktiver als ein italienischer BTP mit rund 4 Prozent.“