Viele fürchteten bereits im Vorfeld eine untragbare Situation oder gar einen Verkehrskollaps entlang der Brennerroute wegen der Arbeiten an der Luegbrücke. Die bisherigen Erfahrungen konnten diese Sorgen nicht beseitigen. Schon in der ersten Woche kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen mit entsprechenden Zeitverlusten. Der Hoteliers- und Gastwirteverband, die Hotelgruppe Belvita und die Handelskammer Bozen forderten daher in den vergangenen Tagen erneut mit Nachdruck eine Entzerrung des Verkehrs, um die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft so gering wie möglich zu halten. An die politischen Entscheidungsträger gerichtet, wiederholten sie, dass das Lkw-Nachtfahrverbot auf der A13 für die Dauer der Arbeiten aufgehoben werden sollte. <h3> „Situation bestmöglich managen“</h3>Was sagen diejenigen dazu, die über die Maßnahme auf politischer Ebene zu entscheiden haben? Das Land Tirol schickt in einer Mitteilung an dieses Medium voraus: „Entsprechend des Zuständigkeitsbereichs haben wir umfassende Maßnahmen auf dem Landesstraßennetz getroffen, um Stau-Ausweichverkehre zu verhindern. Ziel der Maßnahmen ist es, die Versorgungssicherheit und Verkehrsflüssigkeit in den Gemeinden entlang der Brennerroute sicherzustellen.“ <BR /><BR />Es geht laut dem Nordtiroler Verkehrslandesrat René Zumtobel bei allen Maßnahmen darum, den Verkehr über die stark belastete Brenner-Achse trotz der baustellenbedingten Einschränkungen gemeinsam bestmöglich zu managen, damit die Belastung für die Bevölkerung zu minimieren und eine Verlagerung auf die Schiene voranzutreiben.<h3> Nordtirol hält am „Nein“ fest</h3>In Sachen Aufhebung des Nachtfahrverbots bleibt die Position Nordtirols aber weiter unverrückbar, das stellt Zumtobel unmissverständlich klar: „Die notwendige Instandhaltung und Sanierung der Straßeninfrastruktur dient dem Zweck, sichere Verkehrswege für die Menschen und Güter zu gewährleisten. Das kann im Umkehrschluss aber definitiv nicht eine Kapazitätserweiterung für Lkw-Fahrten in den sensiblen Nachtstunden bedeuten und dies im Wipptal, einer europaweit ohnehin schon höchstbelasteten Region“, erklärt er. <BR /><BR /><embed id="dtext86-68073121_quote" /><BR /><BR />„Eine Aufhebung des Nachtfahrverbotes würde noch mehr Lkw-Verkehr auf der ohnehin schon stark frequentierten Brennerroute anziehen, die Luftqualität in Nordtirol erheblich belasten und zu einer erhöhten Lärmentwicklung für die Bevölkerung führen. Die durch den Neubau der Luegbrücke bereits langfristig absehbare Kapazitätseinschränkung auf der Brennerautobahn kann nicht die Aufhebung des Nachtfahrverbots und damit eine Kapazitätserweiterung zur Folge haben.“ Auch Ausnahmen für emissionsärmere Fahrzeuge werde es nicht geben, lediglich emissionsfreie Lkw dürften verkehren.<h3> „Brenner-Grenztunnel oft nur einspurig“</h3>Zudem habe die EU die Luftgrenzwerte erst unlängst gesenkt, „eine Aufhebung des Nachtfahrverbotes würde diese Entscheidung konterkarieren“. Zumtobel weiter: „Für mich steht die Gesundheit der Menschen deutlich über dem Ideal des uneingeschränkten Warenverkehrs.“ In der Stellungnahme folgt schließlich ein kleiner Seitenhieb in Richtung Süden: Es sei noch der Hinweis erlaubt, dass der italienische Grenztunnel am Brenner in den vergangenen 3 Jahren an 360 Tagen einspurig geführt wurde und auch aktuell nur einspurig befahrbar sei.<BR /><BR />Die Lueg-Thematik dürfte also noch länger einiges an politischer Sprengkraft bieten, vor allem dann, wenn sich lange Stauphasen häufen.