Nach Jahren mit Null- und Negativzinsen haben die Währungshüter angesichts der hohen Teuerung die Zinsen seit Juli 2022 in einer beispiellosen Serie angehoben – auf aktuell 4,25 Prozent. Zugleich stellte EZB-Chefin Christine Lagarde nach der letzten Zinsentscheidung wiederholt eine weitere Erhöhung in Aussicht. <BR /><BR />Doch nun könnte sich an diesem Kurs überraschend etwas ändern, weil es der Wirtschaft im Euroraum zusehends schlechter geht. Allen voran der wichtigsten Volkswirtschaft Deutschland. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft, also Industrie und Dienstleister, sackte jetzt auf 44,7 Zähler von 48,5 Punkten im Juli ab, wie der Finanzdienstleister S&P Global mitteilte. <BR /><BR />Es war der vierte Rückgang in Folge und zugleich der niedrigste Wert seit Mai 2020, als die Corona-Pandemie die Wirtschaft am Boden hielt. Ausschlaggebend für die rasante Talfahrt war insbesondere der Dienstleistungssektor in Deutschland. Das Barometer der Sparte fiel unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten, und zwar auf 47,3 Zähler nach 52,3 Punkten im Juli. <h3> Eurozone stöhnt unter hohen Zinsen</h3>Auch in der Eurozone geht es konjunkturell bergab. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft, ein wichtiger Frühindikator, sank ebenfalls überraschend deutlich, und zwar um 1,6 auf 47,0 Punkte. Das Barometer für die Dienstleister sank um 2,6 auf 48,3 Punkte. Noch schlechter läuft es in der Industrie.<BR /><BR />Vor diesem Hintergrund müssen sich die Währungshüter mit der Frage auseinandersetzen, ob sie die Zinsen weiter anheben können, obwohl die Wirtschaft in der Eurozone eindeutige Zeichen der Schwäche offenbart? Sollte sich die Konjunktur EU-weit abkühlen, könnte die Serie von Zinserhöhungen im Euro-Raum früher als erwartet eine längere Pause nehmen. <BR /><BR />EZB-Direktor Fabio Panetta hatte bereits Skepsis mit Blick auf eine weitere Straffung geäußert. Er gehört dem Lager der Tauben im EZB-Rat an, die für eine relativ lockere Linie eintreten und die Zinsen niedrig halten wollen, um das Wirtschaftswachstum zu fördern.<h3> Kleine Mehrheit rechnet mit weiterem Anstieg</h3>Die Zinswetten haben sich inzwischen ebenfalls zugunsten einer Zinspause verschoben: Gingen vor einigen Wochen noch 80 Prozent der Marktteilnehmer von steigenden Zinsen aus, sind es aktuell nur noch 60 Prozent.<BR /><BR />Die nächste Sitzung des EZB-Rates, in der die mit Spannung erwartete Entscheidung fällt, findet am 14. September statt. <BR />