Donnerstag, 24. Oktober 2019

„Sterzinger Krankenhaus bleibt Dreh- und Angelpunkt“

Wenn in Ridnaun am heutigen Donnerstagabend die Bürgerversammlung über die Bühne geht, wird Sanitätslandesrat Thomas Widmann über die Zukunft des Sterzinger Krankenhauses und die Gesundheitsversorgung im Wipptal sprechen.

Sanitätslandesrat Thomas Widmann hat über die Zukunft des Sterzinger Krankenhauses gesprochen.
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Sanitätslandesrat Thomas Widmann hat über die Zukunft des Sterzinger Krankenhauses gesprochen. - Foto: © DLife

Die „Dolomiten“ haben ihn bereits vorab dazu befragt.

„Sterzing bleibt weiterhin der Dreh- und Angelpunkt der Gesundheitsversorgung im Wipptal“, sagt Widmann.

„Dolomiten“: Herr Widmann, „das Krankenhaus Sterzing soll erhalten, gefestigt und nicht mehr diskutiert werden“, sagten Sie bei Ihrem Besuch in Sterzing im August. Sie versichern also, dass die Aufrechterhaltung der aktuellen Dienste und Einrichtungen des Sterzinger Krankenhauses nicht mehr in Gefahr ist?
Thomas Widmann: So ist es. Sterzing bleibt der Dreh- und Angelpunkt der Gesundheitsversorgung im Wipptal. Abgesehen davon hat ein Krankenhaus wie Sterzing eine unverzichtbare Rolle, auch aus strukturpolitischer Sicht: Als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor, ohne die soziale Bedeutung zu vergessen. Kein Zweifel, dass der Nutzen weit über die Bedeutung für die Gesundheitsversorgung hinausreicht.

„D“: Nicht nur im Wipptal, aber auch dort gibt es Ärztemangel, sei es was die Ärzte im Krankenhaus als auch die Hausärzte betrifft – und dieses Problem scheint sich künftig noch zu verstärken. Was wird die Politik dagegen unternehmen?
Widmann: Dieses Thema reicht weit über das politische Handlungsfeld hinaus, das Problem ist ein europaweites. Wir können zwar Rahmenbedingungen schaffen, um den Standort Südtirol attraktiv zu gestalten, wie wir es bei den Hausärzten machen. Bei den Fachärzten im Krankenhaus haben wir weniger Spielraum, vieles sind staatliche Vorgaben, etwa in Sachen Gehalt und Karrieremöglichkeiten. Ein wichtiger Schritt war die Einführung der Ausbildung nach österreichischem Modell, die unsere Attraktivität für Ärzte anderer Regionen, aber auch für die Südtiroler im Ausland, stärkt. Hier haben wir unsere Vorteile als Grenzregion ausgeschöpft.

„D“: In einer Antwort auf eine Landtagsanfrage teilten Sie mit, dass die Schließung der Geburtenstation im Krankenhaus Sterzing dem Sanitätsbetrieb keine Kosteneinsparungen gebracht habe. Dabei war einer der Gründe für die Schließung auch die Senkung der Kosten pro Geburt…
Widmann: Ja, es gab eine Landtagsanfrage dazu, aber es ist falsch, dass die Schließung aus Kostengründen gemacht wurde. Es gibt staatliche Vorgaben, die sich an internationalen Sicherheitsstandards anlehnen, und die konnten in Sterzing nicht gewährleistet werden. Das ist ein Fakt und keine Meinung, das Thema ist nicht mehr aktuell.

„D“: Die Vorgangsweise der vorhergehenden Landesregierung bezüglich Krankenhaus Sterzing hat vor einigen Jahren im Wipptal einiges an Porzellan zerschlagen. Wie will die Politik und wollen Sie als Sanitätslandesrat dieses Vertrauen wiederherstellen?
Widmann: Zu dem, was in der Vergangenheit war, kann ich mich nicht äußern. Unser Ziel ist es, auf die Gesundheitsbedürfnisse der ansässigen Bevölkerung einzugehen, eine hochwertige Versorgungsqualität in allen 7 Spitälern des Landes zu garantieren und die Attraktivität der kleinen Spitäler wieder zu steigern. In Sterzing wollen wir dazu unter anderem das Primariat für Anästhesie/Notfallmedizin zügig nachbesetzen. Wenn die Maßnahmen umgesetzt sind, werden die Nutzer das zu schätzen wissen.

Interview: Arnold Sorg

sor

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