Pichler bezeichnete es als „große Herausforderung“, in diesen unsicheren Zeiten Südtirols Wirtschaft zu vertreten. Um die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation zu meistern, ist es aus Pichlers Sicht wichtig, die Belastungen für die Betriebe zu reduzieren. Südtirol müsse daher seine Autonomie „bis an ihre Grenzen“ ausschöpfen. In Richtung Voll- und Steuerautonomie „rennen“„Wir müssen die Vollautonomie anstreben und damit meine ich auch die Steuerautonomie“, betonte Pichler. „Diesen Weg müssen wir nicht nur gehen, sondern sogar rennen“, forderte er. Denn die heimischen Betriebe hätten heute aufgrund der in Italien hohen Steuerlast einen deutlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Konkurrenten aus dem Ausland. Der Weg dorthin sei beschwerlich, doch gebe es bereits jetzt Möglichkeiten, damit die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Wirtschaft verbessert werden könne.Weniger Bürokratie „Die Wirtschaft benötigt eine weniger aufwendige Verwaltung, schnellere Umsetzungszeiten und bürokratische Entlastungen für Betriebe“, sagte Pichler. Man müsse sich endlich ernsthaft mit dem Standardkostenmodell auseinandersetzen. „Erst wenn man vor Augen geführt bekommt, welche Kosten ein Gesetz oder eine Verordnung verursacht, entsteht Druck, diese Kosten zu vermeiden“, erklärte der neue SWR-Präsident.Pichler schlug vor, einen Runden Tisch zum Bürokratieabbau einzurichten, der monatlich tagen sollte. IMU: Gemeinden sollen Spielräume nutzenAuch in Sachen Gemeindeimmobilliensteuer IMU forderte Pichler die Politik dazu auf, tätig zu werden. „Die Gemeinden sollten die Spielräume nicht für die Familien sondern auch für die Entlastung der Wirtschaft nutzen, denn sie hat den mit Abstand größten Anteil an der Steuer zu schultern.“ „Wenn wir schon alle den Gürtel enger schnallen müssen, muss das auch für die Gemeinden gelten.“Schwerpunktpolitik betreiben Eine Erneuerung hat laut dem SWR-Chef aber auch die Haushaltspolitik des Landes nötig. In Zeiten schrumpfender Haushalte sei ein Kassensturz dringend notwendig.Südtirol müsse Abschied vom Gießkannenprinzip nehmen und stattdessen Schwerpunktpolitik betreiben, meinte Pichler. „Es gilt zu analysieren, ob wir uns alles im selben Umfang wie heute, auch morgen noch leisten können und ob es nicht vielmehr notwendig ist, jene Bereiche zu stärken, welche die tragenden Säulen der Südtiroler Volkswirtschaft darstellen.“Dabei dürfe es keine heiligen Kühe und keine Tabuzonen geben.Kritik erntete das Gesetz zur Tourismusfinanzierung. Aus Sicht der Wirtschaft sei dies der falsche Weg gewesen, meinte er und verwies auf das Motto des österreichischen Wirtschaftskammerpräsidenten, Christoph Leitl, „Erneuern statt besteuern“. „Nachdem die Politik das ,Besteuern' nun gegen unseren Willen durchgesetzt hat, fordern wir als Wirtschaft jetzt, die Erneuerung anzugehen“, sagte Pichler. Oberrauch verabschiedetAlle zwei Jahre wechselt das Präsidentenamt an einen anderen Mitgliedsverband. Nachdem in den vergangenen zwei Jahren der Unternehmerverband Südtirol mit Christof Oberrauch an der Reihe war, ging nun die Präsidentschaft zum Hotelier- und Gastwirteverband. In seiner Abschiedsrede betonte Oberrauch, dass Südtirol in Italien in Hinblick auf Beschäftigungsquote, Wirtschaftswachstum und Wohlstand an erster Stelle stehe. „Dies war nur durch die Zusammenarbeit aller, Politik und Beamtenschaft, Wirtschaft und Sozialpartnern möglich. Doch Italienmeister zu sein, ist zwar schön, aber aus Südtiroler Sicht viel zu wenig. In der Champions League soll und muss unser Land mitspielen“, forderte Oberrauch. Dies sei nur möglich, wenn die Forderung der Wirtschaft nach mehr autonomen Freiräumen, politisch umgesetzt werde. gam/stol