Um zu zeigen, wie stark das Steuersystem die Einkommen umverteilt, berechnete das Afi den Gini-Index für Brutto- und Nettoeinkommen. Der Index misst den Grad der Ungleichheit einer Einkommensverteilung. Ein Wert von 0 steht für vollständige Gleichheit, ein Wert von 1 für maximale Ungleichheit.<BR /><BR />„In unserer Studie haben wir für Südtirol für 2024 einen Gini-Index von 0,444 für das Bruttoeinkommen von Einzelpersonen und von 0,381 für das Nettoeinkommen von Einzelpersonen errechnet – ein Beleg dafür, dass das derzeitige Steuersystem die Verteilung zum Positiven verändert“, betont Afi-Direktor Stefan Perini.<BR /><BR />Hauptfaktoren für die Umverteilung sind zum einen Steuerfreibeträge, von denen rund ein Fünftel der Steuerpflichtigen entlastet wurden, und Absetzbeträge. Sie wurden von rund 97 Prozent der Steuerpflichtigen geltend gemacht. Die wichtigsten Positionen betreffen Absetzbeträge für Einkommen aus unselbstständiger Arbeit und Renten, die mehr als 60 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen. Weitere bedeutende Posten sind Ausgaben für Gebäudesanierungen mit 19,4 Prozent. <BR /><BR />Von besonderer sozialer Bedeutung: Rund 70 Prozent des gesamten Volumens der Steuerabsetzbeträge kommen Steuerzahlenden mit einem Einkommen von unter 35.000 Euro zugute. „In der Theorie übt dieser Mechanismus eine starke ausgleichende Wirkung aus“, erläutert Afi-Forscher Fabian Hofer.<h3> Schwachstellen des Systems</h3>Trotz seiner umverteilenden Wirkung weist das italienische Steuersystem nach Einschätzung des Afi zwei wesentliche Schwachstellen auf.<BR /><BR />Die erste betrifft die mangelnde Steuerkapazität. Menschen mit niedrigen Einkommen können hohe Ausgaben wie etwa Zahnbehandlungen oder energetische Sanierungen häufig nicht vollständig steuerlich geltend machen. Der Grund: Sinkt die geschuldete Steuer auf null, verfällt der darüber hinausgehende Absetzbetrag.<BR /><BR />Als zweite Schwachstelle nennt das Afi die unterschiedliche Wirkung von Steuerfreibeträgen. Da diese das steuerpflichtige Einkommen reduzieren, steigt ihr finanzieller Vorteil mit der Höhe des Einkommens. Davon profitieren vor allem mittlere und hohe Einkommensgruppen. Während Steuerpflichtige mit niedrigen Einkommen durchschnittlich 3.167 Euro abziehen, steigt dieser Betrag bei Spitzenverdienern auf bis zu 23.500 Euro.