Freitag, 15. Juni 2018

Stolz auf Holz: Agrar- und Forstbericht vorgestellt

Vor allem um Forst und Holz ging es bei der Vorstellung des Agrar- und Forstberichtes am Freitag in der Tischlerei Lobis in Unterinn am Ritten.

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Foto: © shutterstock

„Der Wald ist in Südtirol auf Expansionskurs“, unterstrich dabei Agrar- und Forstwirtschaftslandesrat Arnold Schuler.

Über 2000 Betriebe sind in Südtirol im Bereich der Holzverarbeitung tätig. Schwerpunkt der Vorstellung am Freitag war der Forstbereich. Diese Betriebe generieren einen Mehrwert von über 1,5 Milliarden Euro jährlich und sind vor allem außerhalb der Ballungszentren angesiedelt, weshalb sie auch für die Arbeitsplatzbeschaffung im ländlichen Raum bedeutsam sind. 

Wildmanagement, Monitoring und Unterstützung von Herdenschutz sowie aktiven Klimaschutz durch verstärkten Einsatz von Holz als Baumaterial nannte Landesrat Schuler als wichtigste Anliegen der Forstwirtschaft des vergangenen Jahres. Als Ergänzung zum Klimaplan Südtirol wurde eine neue Strategieachse Wald-Holz-Kohlenstoffbindung zum Klimaschutz im öffentlichen Interesse eingesetzt.

In der Landesverwaltung wird angestrebt, mit einer jährlich verbindlichen Realisierung öffentlicher Bauvorhaben in Holzbauweise zum Klimaschutz beizutragen, und zwar mit zehn Prozent pro Jahr mit fünfprozentiger Steigerung bis 2025, legte Landesrat Schuler dar. Als wichtiges Anliegen nannte er die Arbeiten in Regie als Garant für landschaftsschonendes Arbeiten.

Geplant ist der Ausbau der Digitalisierung in der Forstwirtschaft durch digitale Geländemodelle über Fernerkundung als Grundlage für die digitale Waldinventur. In der ehemaligen Landesfischzucht gibt es eine Neuausrichtung durch die Anlage eines Aquatischen Artenschutzzentrums.

Zahlen und Fakten aus der Abteilung Forstwirtschaft im Jahr 2017

Wald:

In Südtirol liegen 40 Prozent der Landesfläche oberhalb von 2000 Metern Meereshöhe, 80 Prozent der Landesfläche liegen über 1000 Meter. Über 90 Prozent der Landesfläche unterliegen der forstlich-hydrogeologischen Vinkulierung (Nutzungsbeschränkung) zum Schutz der Böden vor Erosion. Der Wald nimmt die Hälfte der Landesfläche ein: 336.689 Hektar sind Wald und 35.485 Hektar andere bewaldete Flächen. 58 Prozent des Waldes hat direkte Schutzfunktion; dieser Standortsschutzwald schützt die Siedlungen, Verkehrswege u. a. Infrastrukturen vor Lawinen, Steinschlag, Muren etc.

Kleinflächige Besitzstruktur:

Südtirols Wald ist zu 68 Prozent, also mehrheitlich in Privatbesitz. es gibt über 21.000 Waldeigentümer in Südtirol. Der Wald befindet sich vorwiegend in Kleinstbesitz: über 9000 Eigentümer haben eine Waldfläche mit einer Größe bis zu 2,5 Hektar, nur 52 Betriebe in Südtirol verfügen über eine Waldfläche von über 250 Hektar.

Almen:

Die Almen sind großteils Hochalmen über der Waldgrenze gelegen und vorwiegend als Galtviehalmen geeignet, weniger für das anspruchsvolle Melkvieh. Von den insgesamt 1739 Almen werden in Südtirol nur 49 Almen mit mehr als 15 laktierenden Kühen (Melkkühen) bestoßen.

Waldbewirtschaftung:

Eine aktive und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und Almen ist im Berggebiet maßgeblich für die Erhaltung und Entwicklung. Bei jeder Waldnutzung gilt es, ein Gleichgewicht zwischen betrieblicher Nutzung und Erhaltung des Waldökosystems zu suchen. 2017 wurden Holznutzungen (6379 Holzauszeigen) im Umfang von 565.564 Vorratsfestmeter durchgeführt, davon wurden 75 Prozent als Nutzholz und 25 Prozent als Brennholz verarbeitet.

Holzbiomasse:

Die 77 Fernheizwerke in Südtirol benötigen aktuell 1.500.000 Schüttraummeter Hackschnitzel, was circa 600.000 Festmeter Rundholz entspricht. Die Holzbiomasse für die Fernheizwerke stammt zu 45 Prozent aus Südtirols Sägewerken und Zweitverarbeitungsbetrieben, ca. 23 Prozent bestehen aus Waldhackgut. d.h. Holzbiomasse, die direkt von den Landwirten geliefert wird, der Rest (32 Prozent) wird importiert.

Holzmarkt:

Bis zu den Gewitterstürmen im Spätsommer/Herbst war der Holzmarkt 2017 geprägt von großem Optimismus - sowohl auf dem internationalen, als auch auf dem lokalen Markt stieg die Nachfrage. Nahezu alle Holzsparten (Rundholz, Schnittholz, Sägeindustrie) legten zu -  hatten zufriedenstellende Mengennachfragen und erzielten gute Preise. Bei Rundholz-Versteigerungen in Südtirol wurden 2017 folgende Durchschnittspreise verzeichnet: Fichte 106 Euro pro Kubikmeter³, Lärche 150 Euro pro Kubikmeter, Zirbe 303 Euro pro Kubikmeter, Kistenholz 80 Euro pro Kubikmeter, Stangen 82 Euro pro Kubikmeter, Holz am Stockverkäufe 72 Euro pro Kubikmeter.

Waldzustand:

Landesweit beträgt die von Schadereignissen betroffene Waldfläche 3 Prozent, sie hat 2017 im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Am häufigsten traten 2017 nicht letale biotische Waldschäden auf - es wurden sehr viele Pilzkrankheiten beobachtet, die als sekundäre Schädlinge infolge außerordentlicher Klimaverläufen zu betrachten sind. Bei den letalen Schäden sind hauptsächlich Windwürfe und das Kiefernsterben in Vinschgau zu nennen.

Waldbrandereignisse:

30 Wald- und Buschbrände verursachten 2017 den Verlust von einer Gesamtfläche von 4,6817 Hektar Wald. Waldbrände stellen in Südtirol im Unterschied zum restlichen Staatsgebiet keine große Bedrohung dar: durch die positive Gesinnung der Bevölkerung, rasche Alarmierung und schnelles Eingreifen, gute Löschinfrastrukturen und durch ein kapillares, effizientes Feuerwehrsystem in enger Zusammenarbeit mit dem Landesforstdienst. Im Durchschnitt liegt die betroffene Fläche pro Brandereignis (Index für die Effizienz der Löschaktion) nur bei 0,16 Hektar.

Arbeiten in Regie:

Im Jahr 2017 wurden von 408 Forstarbeitern insgesamt 51.798 Arbeitstage bzw. 397.029 Arbeitsstunden im Rahmen der Arbeiten in Regie geleistet. Der finanzielle Gesamtumfang 2017 für die 383 Einzelprojekte der Abteilung Forstwirtschaft betrug 13.156.390 Euro. Die Ausgaben für die Behebung von Unwetterschäden an Infrastrukturen im ländlichen Raum umfassten 1.639.325 Euro.

Jagd:

Ziel sind die Erhaltung eines artenreichen, gesunden Wildbestandes sowie Schutz und Verbesserung der jeweiligen Lebensräume durch ein aktives Wildmanagement. Über Abschusspläne und individuelle Abschusskontingente wird die nachhaltige Nutzung des Schalenwildes und der Hühnervögel umgesetzt. Vorrangige Aufgabe der Jagd ist auch die Vermeidung von Wildschäden.

Fischerei:

Hauptanliegen ist die Erhaltung der Fischwasser in ihrem flächenmäßigen Bestand, deren Renaturierung im Rahmen des Möglichen sowie der Schutz aller heimischen Fischarten und die nachhaltige Nutzung der Fischfauna. Die Fischwasser Südtirols erstrecken sich über eine Gesamtfläche von 2811 Hektar, etwa 40 Prozent davon werden von den Stauseen eingenommen.

lpa/stol

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