Donnerstag, 25. Juni 2020

Strafen und Steuervorteile sollen das bargeldlose Bezahlen fördern

Kommende Woche treten neue Regeln im Zahlungsverkehr auf. „Es geht ganz klar in Richtung bargeldlose Zahlungen“, erklärt hds-Berater Pietro Perez im Tagblatt „Dolomiten“.

Überweisungen, Karten- und Handytransaktionen: Auch Italien will bei elektronischen Zahlungen einen Gang höher schalten.
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Überweisungen, Karten- und Handytransaktionen: Auch Italien will bei elektronischen Zahlungen einen Gang höher schalten. - Foto: © shutterstock
Zuerst kam der Lockdown, in dem elektronische Zahlungen boomten, jetzt treten neue Regeln und Anreize in Kraft, die Kartentransaktionen zusätzlich Rückenwind verleihen dürften. Allen voran die beschlossene Steuergutschrift spielt dabei laut Experten eine wichtige Rolle. Sie entkräftet größtenteils das Argument der hohen Gebühren.

Die Pflicht für Betriebe und Freiberufler, über ein Kartenlesegerät zu verfügen, gibt es in Italien schon seit einigen Jahren. „Und doch können Bürger mancherorts bis heute ihr Recht auf eine freie Wahl des Zahlungsmittels in der Praxis nicht ausüben, weil sich einige Betriebe weiterhin so verhalten, als gäbe es die Pflicht nicht“, sagt Gunde Bauhofer, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS).

„Sie lehnen Karten- und Smartphonezahlungen generell ab. Oder besitzen zwar ein POS-Gerät, akzeptieren Kartenzahlungen aber nur ab einem gewissen Betrag, was so auch nicht zulässig ist. Ebensowenig ist es erlaubt, Aufschläge bei Kartenzahlung zu berechnen.“ Zu befürchten haben die Betriebe, die die Pflicht nicht einhalten, dennoch nichts, da es keine Sanktionen gibt – die einzige „Strafe“, die droht, ist der Unmut von so manchem Konsumenten.

Ausgenommen von dieser Pflicht sind übrigens nur jene, denen es technisch unmöglich ist, ein POS-Gerät in Betrieb zu haben, etwa eine Berghütte ohne Netzanbindung.



Mit 1. Juli fällt nun diese Sanktionsfreiheit: Für die Verweigerung von Kartenzahlungen in beliebiger Höhe werden dann Strafen im Ausmaß von 30 Euro zuzüglich 4 Prozent des Betrages der abgelehnten Transaktion fällig. Dazu kommt die schrittweise Absenkung der Bargeldgrenze von 3000 Euro auf 2000 Euro im Juli und auf 1000 Euro im Jahr 2022. Die Logik hinter allem: Bargeld und Steuerhinterziehung hängen eng zusammen. Wer also Bargeldzahlungen zurückdrängt, bekämpft aus Sicht des Gesetzgebers in Rom damit auch die Schattenwirtschaft, eines der größten Probleme, das Italien hat.

„Anreize besser als Zwangsmaßnahmen“

Neben diesen neuen Vorschriften setzt die Regierung von Premier Conte aber vor allem auf eine Anreizpolitik: „Sehr begrüßenswert finde ich, dass ebenfalls ab 1. Juli eine Steuergutschrift in der Höhe von 30 Prozent der bezahlten Kommissionen auf Transaktionen mit Kredit-, Debit- und Prepaid-Karten zugunsten von Betrieben mit einem Vorjahresumsatz unter 400.000 Euro gewährt wird. Anreize wie dieser sind der bessere Weg als Zwangsmaßnahmen“, sagt Pietro Perez, Berater beim Handels- und Dienstleistungsverband (hds). „Besonders kleinere Betriebe klagen nämlich seit Jahren über die teils hohen Gebühren im Zusammenhang mit Kartenzahlungen. Ich spreche da vor allem von Handelsbranchen, in denen es geringe Margen gibt, etwa bei kleinen Lebensmittelgeschäften.“

Der Hintergrund: Jedes Mal, wenn wir in einem Geschäft etwas bezahlen, verdient jemand an unserer Bezahlung. Nicht der Händler, der uns etwas verkauft, sondern jene, die die Zahlungen abwickeln: Kartenanbieter, Zahlungsdienstleister, Banken oder Entwickler digitaler Portemonnaies. Im Bereich der Zahlungsdienstleister spielen in Italien einige wenige Player eine dominierende Rolle, allen voran Nexi.

„In der Regel werden für Händler Fixkosten für die Miete des POS-Geräts und Gebühren je Transaktion fällig, die von Anbieter zu Anbieter stark schwanken können und vom erzielten Jahresumsatz des Betriebs abhängen – je mehr umgesetzt wird, desto niedriger werden die Kommissionen“, so Perez.

„Kartenzahlungen werden sich flächendeckend durchsetzten“

„Nachdem bargeldlos aber ganz klar die Zukunft sein wird und ich überzeugt davon bin, dass sich Kartenzahlungen auch bei Kleinbeträgen, etwa im Kaffee, in einigen Jahren flächendeckend durchsetzen werden, empfehle ich allen Betrieben die Verweigerungshaltung aufzugeben.“

Im Zusammenhang mit dem Projekt „Monni“ habe man im hds zudem interessante Anreize für Betriebe geschaffen: „Für fixe POS-Geräte, die auch kontaktlose Zahlungen ermöglichen, ist keine Miete zu entrichten. Die Transaktionsgebühren bewegen sich dank einer Konvention mit dem Dachverband Confcommercio zwischen 0,37 Prozent und 0,56 Prozent bei Bancomatzahlungen und zwischen 0,64 und 0,84 Prozent bei Kreditkartenzahlungen mit Visa.“

Ein konkretes Beispiel: „Wenn ein Händler ein Produkt im Wert von 30 Euro verkauft, liegen die Kommissionen bei Bancomatzahlungen zwischen 0,11 und 0,16 Euro, bei Kreditkartenzahlungen zwischen 0,19 und 0,25 Euro – immer abhängig vom Jahresumsatz“, so Perez. „Dabei ist die Steuergutschrift von 30 Prozent, die ab 1. Juli greift, noch gar nicht miteingerechnet.“ Perez spricht unter Berücksichtigung des „Steuerzuckerls“ von Gebühren in einem „verkraftbaren Ausmaß“.

hil

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