Hier die Hintergründe und Tipps für Sparer. <BR /><BR /> Immer mehr Banken in Europa bestrafen Kunden fürs Sparen und berechnen Negativzinsen oder so genannte Verwahrentgelte, auch die Südtiroler Kreditinstitute verfolgen die Entwicklung sehr genau. <BR /><BR />Der Hintergrund: Europaweit berechnen immer mehr Banken einen Negativzins von 0,5 Prozent auf Gelder, die Kunden – Firmen und Private – auf ihren Konten liegen lassen. Allein in Deutschland sind es laut einer aktuellen Marktforschung an die 350 Institute, die derlei Zinsen berechnen – im Einzelfall ab einem Kontobetrag von 25.000 Euro, häufiger ab 50.000 Euro. Einige umgehen das Modell des Zinses und erheben dagegen Verwahrentgelte in Form von höheren Kontogebühren für Kunden, die viel Liquidität ungenutzt am Konto parken. In Italien haben bereits einige Banken derartige Strafgebühren eingeführt – Tendenz eher steigend. <BR /><BR /><b>Überschüssiges Geld ist ein Kostenfaktor</b><BR /><BR />Wie aber reagieren die Banken in Südtirol? Alle bestätigen, dass man die Entwicklungen genau verfolge. „Das Verhalten vieler Banken ist sicherlich in gewissem Sinne nachvollziehbar“, sagt Martin Schweitzer, Finanzchef (CFO) bei der Südtiroler Volksbank. „Besonders jene, die in den vergangenen Jahren sehr aggressiv im Einlagengeschäft unterwegs waren, bleiben nun auf den höheren Kosten sitzen. In diesen Fällen werden Verwahrentgelte und Negativzinsen aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus berechnet.“ <BR /><BR />Zur Erklärung: Geparktes Geld ist für Banken ein Kostenfaktor. Zurückzuführen ist das auf die Europäische Zentralbank (EZB). Die berechnet den Banken nämlich ebenfalls Negativzinsen, wenn sie übergebliebenes Geld bei der EZB aufbewahren. Aktuell sind es 0,5 Prozent. <BR /><BR />„Wir werden die Kosten jedenfalls nicht an die Kunden weitergeben – weder an Private noch an Firmen. Wir legen viel Wert auf eine langfristig stabile Beziehung zum Kunden und wollen ihn bei seiner Entwicklung unterstützen. Darum verzichten wir darauf, obwohl die Einlagen vor allem von Firmenseite in den letzten Monaten doch recht signifikant zugenommen haben“, so Schweitzer. <BR /><BR /><b>Banken weisen auf Alternativen hin</b><BR /><BR />Auch Moritz Moroder, Vertriebsverantwortlicher bei der Südtiroler Sparkasse, bestätigt den Anstieg bei den Einlagen: „Es wurde einerseits mehr investiert in Anlageprodukte wie Fonds, andererseits nahm auch die Liquidität auf den Konten zu.“ Man werde jedoch von der Einführung eines Negativzinses oder Verwahrentgeltes absehen, auch nicht durch die Hintertür über eine Klausel im Vertrag bei Neukunden: „Das hat auch damit zu tun, dass die Kreditnachfrage weiterhin gut ist und wir so kostenseitig keine extremen Belastungen spüren“, so Moroder. Eine Garantie für die Zukunft könne es dennoch nicht geben: „Niemand kann genau sagen, was langfristig sein wird. Falls die EZB aber dabei bleibt, dass die Zinspolitik mit Mitte 2023 wieder geändert wird, wird es bei uns keine Negativzinsen geben.“<BR /><BR />Paul Gasser, der Direktor des Südtiroler Raiffeisenverbandes, beruhigt ebenfalls: „Jede Raiffeisenkasse entscheidet grundsätzlich autonom, aktuell erhebt allerdings keine der Kassen Extra-Gebühren auf höhere Sparbeträge. Allerdings möchte ich schon betonen, dass es im Interesse von niemandem ist, zu viel Liquidität auf dem Bankkonto zu belassen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Kunden genau darauf hinzuweisen und verschiedene Alternativen aufzuzeigen.“<BR /><BR /><b>Kontokorrent ist kein Sparinstrument</b><BR /><BR />Der Südtiroler ist nämlich ein äußerst konservativer Sparer, der sein Geld – besonders in Krisenzeiten – gerne auch auf dem Konto belässt. „Das ändert sich nur sehr langsam und ist ein bisschen historisch bedingt. Heute gilt aber, dass es keinen Sinn hat, mehr als 1 bis 2 Monatsgehälter als Liquidität am Kontokorrent liegen zu haben“, rät Gunde Bauhofer, Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Südtirol. „Durch die Inflation und keinerlei Habenzinsen wird das Geld nämlich von alleine immer weniger.“ Das Kontokorrent als Sparinstrument habe definitiv ausgedient. <BR /><BR />Davon abgesehen, findet Bauhofer grundsätzlich Strafgebühren aufs Ersparte nicht in Ordnung: „Es handelt sich letztlich um eine Form der Enteignung des Kunden, der sich dieses Geld schließlich hart erarbeitet hat.“