Freitag, 30. März 2018

Streik in Italien zu Ostern gegen Liberalisierung der Ladenöffnung

Die italienischen Gewerkschaften haben die Arbeitnehmer im Handel zu einem zweitägigen Streik am Ostersonntag und -montag gegen Ladenöffnung an Feiertagen aufgerufen. Protestiert wird gegen ein seit 2012 geltendes Gesetz, wonach Geschäfte, Supermärkte und Einkaufszentren 24 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche inklusive Feiertage geöffnet sein können.

Laut den Gewerkschaften muss die Sonn- und Feiertagsöffnung im Handel geregelt werden.
Laut den Gewerkschaften muss die Sonn- und Feiertagsöffnung im Handel geregelt werden. - Foto: © shutterstock

„Es ist inzwischen jedem klar, dass die Liberalisierung der Ladeöffnungszeiten weder zum Wachstum der Beschäftigung noch der Wirtschaft beiträgt. Im Gegenteil, die Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert. Kleine Händler können mit den großen Einkaufszentren nicht Schritt halten, die zu einem Treffpunkt für Familien an Feiertagen geworden sind“, kritisierte der Gewerkschaftsverband Filcams nach Medienangaben. Die Gewerkschaft forderte die Verbraucher dazu auf, zu den Zeiten einzukaufen, zu denen es für die Beschäftigten im Handel auch human sei.

Laut den Gewerkschaften muss die Sonn- und Feiertagsöffnung im Handel geregelt werden, um zu verhindern, dass lediglich Schwergewichte der Branche davon profitieren. Kritisch ist auch der Kaufleuteverband Confcommercio. „Die wilde Deregulierung kommt weder dem Konsum, noch dem Pluralismus im Vertriebssystem in diesem Land zugute“, so ein Confcommercio-Sprecher.

„Der Konsum nimmt in Italien wieder zu“

Die großen Händler beharren auf eine volle Liberalisierung. „Der Konsum nimmt in Italien wieder zu. Italien ist ein Land mit hoher Jugendarbeitslosigkeit und viel Tourismus. Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist wichtig, um Jobs zu schaffen“, sagte Mario Resca, Präsident des Verbands Confimprese, dem sich große Handelsunternehmen angeschlossen haben.

Auch die Kirche wehrt sich gegen verkaufsoffene Sonntage. Auch in säkularisierten Gesellschaften sei es wichtig, den christlichen Sinn des Sonntags wiederzufinden, hatte der Papst kürzlich betont. Der erholende Charakter des Sonntags sei bedroht, wenn die Geschäfte auch am „Tag des Herrn“ offenbleiben und immer mehr Menschen arbeiten müssen. „Es war der christliche Sinn für ein Leben als Söhne und nicht als Sklaven, genährt von der Eucharistie, der aus dem Sonntag fast weltweit den Ruhetag machte“, meinte Franziskus.

apa

stol