Donnerstag, 21. April 2022

Südtirol: 10 Millionen Nächtigungen weniger als 2019

Im Gegensatz zum Vorjahr gab es in Südtirol heuer eine Wintersaison. Zudem werden ab 1. Mai die Corona-Regeln noch einmal deutlich gelockert. Nichtsdestotrotz ist das Geschäftsklima im Gastgewerbe nach wie vor verhalten: 3 von 10 Unternehmen bewerten das Betriebsergebnis 2021 als nicht zufriedenstellend. Große Unsicherheit herrscht auch bei den Erwartungen für das Jahr laufende Jahr.

Der Aufschwung ist fast ausschließlich auf deutsche Touristen zurückzuführen, während die Übernachtungen von Italienern in etwa auf dem Niveau von 2020 blieben. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Im Jahr 2021 haben sich die Touristenströme nach Südtirol teilweise erholt, mit einem Zuwachs an Nächtigungen von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Aufschwung sei fast ausschließlich auf deutsche Touristen zurückzuführen, während die Übernachtungen von Italienern in etwa auf dem Niveau von 2020 blieben und die Zahl der Gäste aus dem sonstigen Ausland sogar abgenommen hat. Dies geht aus den Daten des Wifo-Barometers des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) der Handelskammer Bozen hervor.

10 Millionen Nächtigungen weniger als 2019

Insgesamt fehlen Südtirol jedoch rund 10 Millionen Übernachtungen im Vergleich zum Jahr 2019. In den ersten 4 Monaten der Wintersaison – zwischen November 2021 und Februar 2022 – war die Zahl der Nächtigungen laut Wifo um 18 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum der Wintersaison 2019/2020.

Auch die Beschäftigung im Gastgewerbe hat das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht: Im Durchschnitt gab es rund 27.200 unselbstständig beschäftigte Mitarbeiter und damit 1,6 Prozent weniger als in der Wintersaison 2019/2020.

Ein Drittel beurteilt das Geschäftsjahr 2021 als „schlecht“

Die Einschätzungen der Südtiroler Tourismusbetriebe zur Ertragslage im vergangenen Jahr bleiben daher bescheiden. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen beurteilt das Geschäftsjahr 2021 als schlecht.

Die Erholung der Umsätze ab dem letzten Sommer reichte nicht aus, um die massiven Verluste der ersten Jahreshälfte auszugleichen. Für das gesamte Jahr 2021 melden mehr als 40 Prozent der Unternehmer sogar einen Rückgang des Geschäftsvolumens im Vergleich zu 2020.




Betrachtet man die einzelnen Branchen des Gastgewerbes, so kommen die besten Bewertungen zur Ertragslage im Jahr 2021 aus der Gastronomie, wo mehr als 3 Viertel der Unternehmen eine (zumindest) zufriedenstellende Rentabilität erzielen konnten. Die Stimmung bei den Beherbergungsbetrieben und bei den Bars und Cafés ist hingegen differenzierter und unterscheidet sich stark zwischen den einzelnen Betrieben.

Zum Zeitpunkt der Erhebung, im Februar 2022, waren die Erwartungen der Unternehmen für das laufende Jahr von großer Ungewissheit geprägt: Fast ein Fünftel der Befragten wagte keine Prognose zur Ertragslage. Unter denjenigen, die eine Schätzung abgaben, herrschte eher Optimismus vor: 83 Prozent der Unternehmen rechneten heuer mit einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis, was zum Teil auf die Verbesserung der Pandemie-Lage zurückzuführen ist.

Besorgnis gab es aber aufgrund der stark steigenden Betriebskosten, insbesondere bei den Bars und den Restaurants, heißt es vom Wifo. Nach Abschluss der Erhebung hat der Krieg in der Ukraine zu weiteren erheblichen Teuerungen bei Energie und Lebensmitteln geführt, was die Kostenlage weiter verschärfte.

„Flughafen strategische Investition“

Handelskammer-Präsident Michl Ebner betont die Bedeutung des Flughafens für die Entwicklung des Südtiroler Gastgewerbes: „Der Flughafen erweist sich als strategische Investition, um Südtirol für Gäste von außerhalb besser erreichbar zu machen. Die Verbindungen ab Hamburg, Düsseldorf und Berlin werden besonders gut angenommen.“

„Pandemie, Energie- und Rohstoffkosten und Krieg führen bei Gästen zu Unsicherheiten und dämpfen die Reiselust“


„Die Covid-19-Pandemie, die hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie der Krieg in der Ukraine führen bei Gästen zu Unsicherheiten und dämpfen die Reiselust“, sagt HGV-Präsident Manfred Pinzger. „Wir sollen aber trotzdem mit Zuversicht in die Frühlingssaison blicken.“

sor

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