Montag, 20. April 2015

„Südtirol darf kein Schnäppchenland werden“

Zeit zum Querdenken: Unter diesem Motto hielt der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) am Wochenende im Bozner Waltherhaus seine Landesversammlung ab. HGV-Präsident Manfred Pinzger betonte dabei, dass auf das Hotel- und Gastgewerbe große Herausforderungen zukommen werden, die Mut zum Wandel erfordern.

Manfred Pinzger - Foto: HGV
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Manfred Pinzger - Foto: HGV

Pinzger forderte die Gastwirte, aber auch die politischen Verantwortungsträger auf, gemeinsam die Leitplanken so zu legen, dass der Tourismus weiterhin als Wirtschaftsmotor in Südtirol agieren könne.

Gastbetriebe steuerlich entlasten

Konkret nannte Pinzger die Förderpolitik und die Steuerpolitik. „Einerseits muss die Wirtschaftsförderung gezielter erfolgen, andererseits müssen die Gastbetriebe steuerlich weiter entlastet werden“, sagte Pinzger und erwähnte als Beispiel die Gemeindeimmobiliensteuer, wo ein erster richtiger Schritt gesetzt worden sei.

Bei den Tourismusorganisationen müssten die Aufgaben besser definiert und abgestimmt werden und insgesamt schlankere und professionellere Strukturen geschaffen werden.

Arbeit der SMG absichern

Auch auf die Zusammenlegung der landeseigenen Gesellschaften ging Pinzger in seinem Referat ein. Die Arbeit der SMG müsse durch entsprechende Rahmenbedingungen abgesichert werden, die Finanzierung für das Tourismusmarketing müsse gesichert und ausgebaut werden. „Ein bürokratischer Apparat darf es nicht werden“, forderte Pinzger.

Öffentliche Hand soll Tourismusmarketing mitfinanzieren

Klar äußerte sich der Präsident des HGV auch zur Finanzierung der Tourismusorganisationen. Der HGV stehe neben der Ortstaxe weiterhin zu den freiwilligen Beiträgen, betonte er, und fügte hinzu: „Aufgrund der volkswirtschaftlichen Treiberqualitäten des Tourismus müssen die öffentliche Hand und die anderen Sektoren der Wirtschaft zur Finanzierung des Tourismusmarketings eingebunden werden“.

„Südtirol darf kein Schnäppchenland werden“

Auch in den Bereichen Marketing, Online-Verkauf und Preisstrategie nahm Pinzger die Touristiker in die Pflicht. Zum einen müssten die Betriebe die Entscheidung über den Preis wieder vermehrt selbst in die Hand nehmen und damit die Abhängigkeit von den global tätigen Buchungsportalen reduzieren. Zum anderen sollten sich die Gastwirte nicht jeden Preis diktieren lassen, nur damit die Betriebe ausgelastet sind.

„Südtirol ist kein Schnäppchen-Land und darf auch keines werden“, brachte es Pinzger auf den Punkt. Schließlich müsse das touristische Angebot attraktiver gestaltet werden, insbesondere was das Produkt anbelangt. „Der HGV wird seine Mitglieder dabei in vielfältiger Hinsicht begleiten und beraten“, sagte Pinzger und erwähnte das HGV-eigene Buchungsportal, in welchem die Betten von rund 1600 Beherbergungsbetrieben vermarktet werden.

Flughafen-Konzept soll bis Mai stehen

Landeshauptmann Arno Kompatscher erläuterte die Auswirkungen der neuen Finanzregelung. In der lokalen Steuerautonomie gehe es darum, die Bevölkerung und die Betriebe steuerlich zu entlasten. Mit der Gemeindeimmobiliensteuer und der IRAP sei das im Ausmaß von rund 110 Millionen Euro gelungen.

Klar bekannte sich Landeshauptmann Arno Kompatscher zur Notwendigkeit des Bozner Flughafens und kündigte an, innerhalb Mai ein entsprechendes Konzept vorzustellen. Klar äußerte er sich auch gegen weitere Steuern zur Finanzierung der Tourismusorganisationen, so etwa der Tourismusabgabe. Allerdings müssten Unternehmen und die öffentliche Hand in Zukunft ihren gesicherten Beitrag leisten. Zur neuen Landesgesellschaft meinte er, dass die SMG darin eine besondere Rolle einnehmen werde.

stol