Donnerstag, 16. Juli 2015

Südtiroler Äpfel: Nicht-EU-Länder hui, Europa pfui

Während in Europa der Abwärtstrend beim Apfelkonsum weiter anhält, greifen Libyen, Ägypten, Algerien & Co. nach den Südtiroler Produkten. 2014 wurden Äpfel aus Südtirol in 37 verschiedene Länder außerhalb der EU exportiert.

Äpfel aus Südtirol werden in alle Welt verschickt und dafür strengen Kontrollen unterzogen.
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Äpfel aus Südtirol werden in alle Welt verschickt und dafür strengen Kontrollen unterzogen.

Im vergangenen Jahr hat sich die Ausfuhr von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen in Nicht-EU-Länder im Vergleich zum Jahr davor um 77 Prozent erhöht, 98 Prozent dieser Exporte waren Äpfel.

"Der enorme Anstieg der Exporte", erklärt Agrarlandesrat Arnold Schuler, "ist einerseits auf die schwierigen Verhältnisse auf dem europäischen Markt zurückzuführen, andererseits auf die sehr hohen Erntemengen in ganz Europa".

 

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Alles zu den Zahlen von Apfel bis Zukunft: Agrarlandesrat Schuler mit dem neuesten Agrar- und Forstbericht. Foto. lpa

131.000 Tonnen Äpfel - das entspricht 72 Prozent der Gesamtexporte von Äpfeln - wurden nach Libyen, Ägypten, Algerien, Norwegen und Saudi Arabien geliefert. In dieser Rangliste folgen Russland, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Israel und Albanien.

In Europa hält der Abwärtstrend beim Apfelkonsum an.

Rekordernten überschwemmen den Markt

Mit einer Ernte von ca. 1,2 Mio. Tonnen wurde in Südtirol 2014 wieder die Millionengrenze überschritten und trotz schlechter Witterung mit viel Regen eine Rekordernte eingefahren.

Da aber auch italienweit ca. 2,4 Mio. Tonnen und europaweit 12 Mio. Tonnen geerntet worden sein dürften (die größten Produktionsmengen des letzten Jahrzehnt), ist der italienische und europäische Markt momentan mit Äpfel überfüllt und dem entsprechend ist der Markt sehr schwierig.

Russisches Embargo: Polen liefert billig

Schwer getroffen hat den Apfelmarkt auch das russische Einfuhr-Embargo, nicht so sehr wegen der davon ca. betroffenen 20-30.000 Tonnen Südtiroler Äpfel, die nun auf anderen Ausweichmärkten zu platzieren sind, sondern weil die osteuropä- ischen Länder, vor allem Polen, nicht mehr ihre Hauptmenge nach Russland exportieren können, sondern alternativ den europäischen Binnenmarkt mit Billigpreisen überschwemmen.

Eine positive Aussicht ist auf diesem Markt sicher nicht zu erkennen, da zudem der Verfall des Rubels gegenüber dem Euro die Kaufkraft drastisch schmälert.

Feuerbrand und Besenwuchs gehen zurück

Bei zwei Pflanzenkrankheiten gibt es Positives zu vermelden: Der Feuerbrand hat im vergangenen Jahr keine größeren Schäden im Südtiroler Kernobstbau bewirkt; es wurden 25 Fälle registriert, davon ein Altbefall.

Ein deutlicher Rückgang war beim Besenwuchs, auch Apfeltriebsucht genannt, zu verzeichnen: Die konsequente Rodung befallener Bäume und die gezielte Bekämpfung des Krankheitsüberträgers haben die Verbreitung eingedämmt.

Nachzulesen sind diese und andere interessanten Daten im:

stol/ker

stol