Montag, 04. April 2016

Südtiroler Arbeitsmarkt: Ausbildungsniveau muss steigen

Es wird immer schwieriger auf dem Arbeitsmarkt für Personen ohne berufliche Ausbildung: Das zeigt die am Montag vorgestellte Studie des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen. Deshalb ist es ihr ein großes Anliegen, die Beteiligung am vielfältigen Südtiroler Bildungssystem zu fördern, dass kein Jugendlicher ohne Mindestausbildung bleibt.

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Foto: © shutterstock

Um die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität Südtirols im Vergleich zu den anderen Regionen Europas zu sichern und zu erhöhen muss sich die Provinz langfristig auch die Qualifikationsstruktur der Arbeitskräfte jener in den produktivsten Regionen in Europa anpassen.

Dabei zeigt sich, dass derzeit viele Südtiroler Sektoren zu wenige Arbeitskräfte mit den höchsten beruflichen Qualifikationen einsetzen. Besonders für die akademischen Berufe sei von einem deutlichen Zusatzbedarf bis 2025 auszugehen. Davon vor allem betroffen sind Sektoren in der Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln, im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie im Handel.

Hilfsarbeitskräfte werden weniger gebraucht werden

Auf der anderen Seite werden Hilfsarbeitskräfte, das heißt Beschäftigte mit den geringsten bzw. keinen beruflichen Qualifikationen, in Zukunft weniger stark benötigt als heute. Beispielsweise benötigt der Sektor Herstellung von Metallwaren um 24 Prozent weniger Hilfsarbeitskräfte.

Auch der Bedarf an Technikern und gleichrangigen nichttechnischen Berufen ist bis 2025 in den meisten Sektoren niedriger, ebenso jener für Bürokräfte. Dienstleistungsberufe und Verkäufer bauen hingegen ihre Rolle als größte Berufsgruppe in der gewerblichen Wirtschaft Südtirols noch weiter aus. Leicht abnehmend ist der Bedarf an Arbeitskräften, die einen Handwerksberuf ausüben. Trotzdem bleiben sie weiterhin die zweitgrößte Berufsgruppe.

Bildungsangebot muss erweitert und angepasst werden

Für die Zukunft ist es daher entscheidend, das bestehende Bildungsangebot laufend weiter zu entwickeln und an die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Dies trifft auch auf die duale Ausbildung, einem wesentlichen Pfeiler des Südtiroler Bildungssystems, zu.

Hier soll der bereits eingeschlagene Weg fortgesetzt werden, die Herausforderungen einer modernen Wirtschaft mit steigendem Qualifikationsbedarf zu berücksichtigen.

Auch die Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen muss weiter vorangetrieben werden. Hier könnten auch Fachhochschulen als direkte Verbindung zwischen Bildung und Wirtschaft eine wichtige Rolle spielen.

Nicht zuletzt betont Handelskammerpräsident Michl Ebner: „Jugendliche ohne Ausbildung sind nicht nur aus gesellschaftlicher Sicht ein großer Verlust, sondern auch eine Verschwendung von Ressourcen. Da Arbeitskräfte mit geringer Qualifikation immer weniger nachgefragt werden, muss umso stärker sichergestellt werden, dass kein Schüler das Bildungssystem ohne Mindestausbildung, zum Beispiel als Facharbeiter, verlässt. Außerdem gilt es Maßnahmen zu forcieren, die Schulabbrecher wieder in das Schulsystem zurückbringen.“

stol

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