Mittwoch, 03. März 2021

Südtiroler legen in der Krise deutlich mehr Geld zur Seite

Auch in normalen Zeiten, sind die Südtiroler eher ein Sparvolk – wie viele andere vorwiegend ländliche Gebiete auch. Doch in Coronazeiten erreichte das Sparniveau eine neue Dimension. Deutlich mehr als in den Jahren zuvor legten viele Südtiroler Geld auf die hohe Kante. „Die direkten Kundenmittel sind bei den 39 Raiffeisenkassen im Geschäftsjahr 2020 deutlich gestiegen“, heißt es vonseiten des Raiffeisenverbandes.

„Einfach mal das Geld auf dem Konto parken“ – viele Südtiroler folgen in der Krise dieser Devise.
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„Einfach mal das Geld auf dem Konto parken“ – viele Südtiroler folgen in der Krise dieser Devise. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
In der Coronakrise haben viele Menschen in Europa deutlich mehr gespart – auch in Südtirol. Vor allem ist den Südtirolern in der derzeitigen Situation die schnell verfügbare Liquidität wichtig, wie ein Blick auf aktuelle Daten des Raiffeisenverbandes Südtirol beweist. Der Raiffeisenverband berichtet von zweistelligen Zuwächsen bei Kontokorrent-Einlagen. „Konsum braucht Vertrauen und stabile Rahmenbedingungen.“

In Zahlen ausgedrückt: „Die direkten Einlagen sind sie um 776 Millionen Euro nach oben geklettert – in Plus von 7 Prozent gegenüber 2019.“ Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor betrug der Anstieg lediglich 4 Prozent. Noch beeindruckender sind die Zuwächse bei den Kontokorrent-Einlagen, sprich dem Geld, das auf dem Konto geparkt wird – trotz fehlender Zinsaussichten: „Das Plus beträgt hierbei 12 Prozent im Coronajahr 2020. 2019 lag der Zuwachs in diesem Bereich bei rund 7 Prozent“, so der Raiffeisenverband.

„Der deutlich höhere Anstieg der direkten Kundenmittel im Geschäftsjahr 2020 ist unter anderem auch der Covid-19-Pandemie und dem damit zusammenhängenden vermehrten Konsumverzicht geschuldet. Das heißt, die Konsumenten hatten vielfach auch nicht die Gelegenheit, lieb gewonnene Konsumausgaben, zum Beispiel für die Gastronomie, zu tätigen. Der Anstieg der Kontokorrent-Einlagen, über die die Kunden jederzeit verfügen können, zeigt nicht zuletzt auch eine etwas abwartende Haltung in der aktuellen Entwicklung“, heißt es dazu aus dem Raiffeisenverband.



„Vorsichtssparen“ und „Zwangssparen“

Diese Daten decken sich mit den Beobachtungen des Wirtschaftsforschungsinstuts der Handelskammer Bozen: „Das höhere Sparvermögen vieler Südtiroler hängt zum einen damit zusammen, dass der Konsum zurückgefahren wurde, zum anderen weil man aufgrund der Krise mehr Geld hortete. Das haben wir in unseren Erhebungen zum Konsumklima gesehen“, so Nicola Riz vom Wifo.

Konkret bejahten im Januar 2021 die Frage nach der Wichtigkeit, in der aktuellen Krisenzeit, Geld zu sparen, deutlich mehr Menschen als noch vor einem Jahr. Der Wert kletterte von 38,46 auf 60,40 nach oben. Mit anderen Worten: „Die Unsicherheit hat sich, wenig überraschend, deutlich erhöht.“

Auf die Frage, ob sie in den nächsten 12 Monaten imstande sein werden, mehr Geld zu sparen, antworteten im Jänner 2020 deutlich weniger Menschen mit „Ja“ als im Jänner 2021. Der Wert stieg von 18,11 auf 24,94 nach oben: „Das mag im ersten Moment wie ein Widerspruch aussehen, weil man davon ausgehen könnte, dass es in einem schlechteren Umfeld, schwieriger ist, Geld auf die Seite zu legen. Tatsächlich hat der Konsumverzicht – freiwillig oder unfreiwillig aufgrund der Lockdowns – diesen Effekt überlagert, weshalb es vielen Südtirolern leichter fiel, ihr Erspartes aufzustocken.“

Kurzfristig koste ein signifikanter Konsumrückgang, wie es ihn 2020 gegeben habe, einiges an Wachstum. „Mittel- bis längerfristig könnte das jedoch auch ein Vorteil sein, dann nämlich, wenn das angesparte Geld für neuen Konsum ausgegeben wird. Dafür braucht es Vertrauen in die Zukunft und stabile Rahmenbedingungen“, so der Wifo-Experte.

Südtirol ist mit dem Spartrend übrigens nicht alleine in Europa. Seit dem zweiten Quartal 2020 seien die Zuflüsse auf Sparkonten in der Eurozone wesentlich größer gewesen als in den Vorjahren, wie das Finanzunternehmen Deposit Solutions mitteilt.

Und auch die Österreichische Nationalbank (OeNB) stellte kürzlich fest, dass „Zwangssparen“ aufgrund der Einschränkungen der Konsummöglichkeiten im Lockdown und „Vorsichtssparen“ aufgrund der erhöhten Einkommensunsicherheit im Jahr 2020 zu einem starken Anstieg der Sparquote geführt hat.

hil

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