Dienstag, 08. November 2016

Südtiroler Meisterbund: Meister und Akademiker gleichstellen

Am vergangenen Freitag hat Landeshauptmann Arno Kompatscher 46 Meisterdiplome überreicht. „Der Meisterbrief steht für Qualität, Erfahrung und die Fähigkeit, komplexe Anforderungen zu meistern“, sagte der Landeshauptmann im Rahmen der Diplomfeier. Obermeister Martin Haller ergriff die Gelegenheit am Schopf und forderte zu Beginn dieser Woche die Gleichstellung des Meisterbriefs mit dem universitären Bachelorabschluss.

Der Südtiroler Meisterbund fordert die Gleichstellung vom Meisterbrief und dem Bachelorabschluss.
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Der Südtiroler Meisterbund fordert die Gleichstellung vom Meisterbrief und dem Bachelorabschluss. - Foto: © shutterstock

Es war eine nette Feier, als am vergangenen Freitag im Theatersaal des Bozner „Rainerums“ den NeoMeistern ihre Diplome überreicht wurden: offizielle Ansprachen, Musik, viel Familie, Freunde und vor allem Freude.

Jährlich 350 Südtiroler Meisterschüler

Wer Meister werden will, hat ein hartes Stück Arbeit vor sich: Je nach Beruf und Prüfungsteil kann die Ausbildung bis zu 1.300 Stunden in Anspruch nehmen; die Meisterprüfung besteht aus den vier Prüfungsteilen: Unternehmensführung, Berufspädagogik, Fachtheorie und Fachpraxis. „Im Durchschnitt brauchen die Meister dreieinhalb Jahre, um alle Prüfungsteile abzuschließen“, sagte die stellvertretende Direktorin des Amtes für Lehrlingswesen und Meisterausbildung, Gertraud Aschbacher, die durch den Freitagabend führte.

Meister und Akademiker gleichstellen

Martin Haller, Vorsitzender des Südtiroler Meisterbundes, gratulierte zu Beginn dieser Woche medial den neuen Meistern – und bettete in die Gratulation eine Forderung ein: „Die frischgebackenen Südtiroler Meister sind exzellent ausgebildete Fachkräfte. Sie haben dieselben Voraussetzungen zum Aufstieg wie ein Bachelor und verdienen eine Chance, sich als hervorragende Führungskräfte zu beweisen“.

Mehr Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen

Südtirols Meister sollen, so Hallers Forderung, Absolventen von Bachelorstudiengängen gleichgestellt werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sei dies bereits der Fall, dort würden Meister dem Qualifikationsrahmen Niveau 6 zugeordnet, jener Stufe, die den Kompetenz- und Qualifikationsrahmen von Bachelorn umfasst. Die Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Bildungsbereichen müsse, so Obermeister Haller, auch hierzulande respektive in Italien gegeben sein.

Abteilungsdirektorin Rolanda Tschugguel: „Anliegen ist verständlich

Eine Forderung, der Rolanda Tschugguel, Direktorin der Abteilung Bildung bei der Südtiroler Landesverwaltung, viel abgewinnen kann. Sowohl die praktische, als auch die theoretische Ausbildung sollten in ihren Augen als gleichwertig betrachtet werden.

Leider, so Tschugguel, tendiere man oft dazu, das Theoretische höher als das Praktische zu stellen – eine falsche Einschätzung. „Beide Ausbildungen weisen ein großes Qualifikationspotential auf, jeder Absolvent hat seine Professionalität“, unterstreicht die langjährige Berufsberaterin im Gespräch mit STOL.

Wer sich für eine praktische Ausbildung entscheide, solle die Möglichkeit haben, so Rolanda Tschugguel, die Matura zu erlangen und sich an einer Universität einzuschreiben.

Die Arbeitsbereiche von Bachelorabsolventen und Meistern würden sich freilich, so die Abteilungsleiterin, oft stark voneinander unterscheiden.

Soziale Kompetenz von großer Bedeutung

Was die Führungsqualitäten anbelange, so gebe es darauf allerdings - Bachelor her, Meister hin - keine pauschale Antwort, hier zählen vor allem auch persönliche Voraussetzungen, wie etwa soziale Kompetenzen.

Wert der dualen Ausbildung stärken

„Der Wert der dualen Ausbildung ist im deutschen Sprachraum auf alle Fälle ein anderer als in Italien“, meint Rolanda Tschugguel, die entsprechende Bildungskultur müsse sich auch in Südtirol noch entwickeln - und das gehe nicht von heute auf morgen.

stol/aw

stol