Freitag, 13. April 2018

Südtiroler schleppen sich auch krank zur Arbeit

Krankheitsbedingte Fehlzeiten in der Arbeit fallen je nach Land und Branche unterschiedlich aus. 53 Prozent der Südtiroler Erwerbstätigen haben keinen einzigen krankheitsbedingten Fehltag im Jahr – in Italien sind es 49 Prozent. „Im Sinne der Gesundheitsförderung für alle Mitarbeiter und der Arbeitseingliederung von chronisch Kranken sind Fehlzeiten ein aussagekräftiger Indikator für die Qualität der Arbeit“, sagt AFI-Präsidentin Christine Pichler.

Mehr als die Hälfte der Südtiroler Erwerbstätigen haben keinen einzigen krankheitsbedingten Fehltag im Jahr.
Badge Local
Mehr als die Hälfte der Südtiroler Erwerbstätigen haben keinen einzigen krankheitsbedingten Fehltag im Jahr. - Foto: © shutterstock

Mehr als die Hälfte, nämlich 53 Prozent der Südtiroler Erwerbstätigen haben keinen einzigen krankheitsbedingten Fehltag im Jahr. In Italien sind es 49 Prozent, in Österreich 48 Prozent und in Deutschland 42 Prozent der Beschäftigten.

<
/div>

Arbeiten trotz Beschwerden

51 Prozent der Beschäftigten in Südtirol, die eigentlich krank sind, arbeiten trotzdem – dies ist ein Spitzenwert in der Vergleichsgruppe. 16 Prozent der Erwerbstätigen haben sogar 6 Monate und länger andauernde Beschwerden, arbeiten aber normal weiter: Sogenannte „Präsentisten“ gefährden sich selbst und andere, sie machen häufiger Fehler oder verursachen Unfälle.

Von Branche zu Branche unterschiedlich

Bedeutsame Unterschiede gibt es in den einzelnen Wirtschaftszweigen Südtirols: Im Gastgewerbe haben fast 3 Viertel der Beschäftigten keinen einzigen Fehltag angegeben, nämlich 74 Prozent, in der Landwirtschaft 71 Prozent und im Transport 67 Prozent. Im Bildungswesen haben nur mehr 35 Prozent der Beschäftigten in den 12 Monaten vor der Befragung krankheitsbedingt nie gefehlt. Die Öffentliche Verwaltung sowie das Gesundheits- und Sozialwesen verzeichnen vergleichsweise hohe Fehlzeiten.

Fehlen wegen Arbeitsunfällen

8 Prozent der Fehltage wegen Krankheit gehen auf Arbeitsunfälle zurück - ein im gesamtstaatlichen und internationalen Vergleich hoher Wert.

Österreicher und Deutsche sind lange in Krankenstand

Bei den längeren Krankenständen sind im Europavergleich Österreich und Deutschland führend. Dort ist rund ein Fünftel der Beschäftigten 11 Tage und länger pro Jahr krankheitsbedingt abwesend, während es in Südtirol nur 12 Prozent in dieser Kategorie sind.

50 Prozent der Beschäftigten in Südtirol sind maximal 5 Arbeitstage im Jahr im Krankenstand. Allgemein geben die mitteleuropäischen und skandinavischen Staaten mehr Fehltage an als Staaten, deren Sozialsystem nicht im selben Maße ausgebaut ist.

Fehlen als Fluchtverhalten

Krankheitstage sind allerdings nicht ausschließlich auf wirkliches Kranksein zurückzuführen, sondern sind eher als Rückzugsverhalten oder als Ausdrucksform für Konflikte zu verstehen, hat die Arbeitspsychologie erkannt.

Gute Arbeitsbedingungen tragen entscheidend zum Erhalt der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit bei.

stol

stol