Visionäre, Querdenker, Pioniere, Rebellen – mit unterschiedlichsten Bezeichnungen werden die „Farmfluencers“ in den Medien beschrieben. Tatsache ist: Es sind Menschen, die sich abheben vom scheinbar Traditionellen, die in ihrem begrenzten Umfeld innovative Ideen entwickeln und bei der Umsetzung recht holprige Wege gehen müssen. Sie haben unterschiedliche Ansätze, aber ein gemeinsames Ziel: eine nachhaltige und kreislauforientierte Landwirtschaft. Darin sehen sie die einzige Möglichkeit, dem Klimawandel zu trotzen, den kommenden Generationen eine halbwegs intakte Welt zu hinterlassen und diese auch zukunftsfähig zu gestalten. <BR /><BR />In ihrem Arbeitsalltag geht es um Diversität und Artenvielfalt, um ökologisch-soziales Denken und um den respektvollen Umgang mit den Ressourcen, um Tier- und Menschenwohl, nicht zuletzt auch um gesunden Genuss. Solidarische, regenerative und soziale Landwirtschaft sind wichtige Schlagwörter in ihren Kreisen. Mit der konventionellen Landwirtschaft haben sie abgeschlossen.<h3> Agitu Gudeta als Inspiratorin</h3>Die Frau, die den „bäuerlichen Influencern“ eine Stimme gegeben hat, ist selbst auf einem Kleinbauernhof in Baden-Württemberg aufgewachsen: Meike Hollnaicher, 28, von Beruf Mediendesignerin. Der Master-Studiengang Ökosoziales Design an der Freien Universität Bozen hat sie vor 5 Jahren nach Südtirol geführt, ein Projekt im Rahmen des Studiums auf den Hof von Agitu Gudeta, jener Äthiopierin, die im Trentino als Ziegenzüchterin bekannt geworden ist (und später von einem Angestellten ermordet wurde).<BR /><BR /> „Agitu hat mich sehr inspiriert und mir die Augen geöffnet“, erzählt Meike Hollnaicher. Von da an habe sie verstanden, wie sehr die Landwirtschaft und der Klimawandel zusammenhängen und dass man bei der einen etwas ändern muss, um den anderen zu stoppen.<BR /><BR />Ihre Masterarbeit brachte sie anschließend mit Bäuerinnen und Bauern in Kontakt, die den Weg der Veränderung in der Lebensmittelproduktion gehen. Sie bat um Interviews für einen Podcast und half ihnen im Gegenzug einen Tag lang bei der Arbeit. „Ich wollte herausfinden, wie diese Menschen denken, was sie dazu bewegt, anders als die Mehrheit zu arbeiten, und wie erfolgreich sie damit sind.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="890108_image" /></div> <BR /><BR />Herausgefunden habe sie unter anderem, „dass Leidenschaft und Überzeugung der Motivationsschub sind, mit dem die Bäuerinnen und Bauern auf ihr Ziel hinarbeiten, und das trotz mancher Widerstände.“ Der Widerstand passiere in der Gesellschaft, die die „Außenseiter“ oft nur belächle, in bäuerlichen Kreisen, die darin keine Zukunft sehen, aber auch in der eigenen Familie, wenn zum Beispiel die Angst vorherrsche, die Kinder würden quasi das Lebenswerk der Eltern zerstören. „Dabei fehlt es oft einfach nur an der Information und an guter Kommunikation“, glaubt Meike Hollnaicher. <BR /><BR />Diese Aufgabe übernahm schließlich die damalige Studentin, indem sie die „Farmfluencers of South Tyrol“ ins Leben rief und den „Visionären, Querdenkern, Pionieren oder Rebellen“ im Rahmen ihrer Masterarbeit eine Stimme gab, die zunächst im Podcast in den sozialen Medien verbreitet wurde. Der englische Name des Netzwerkes beruhe allein auf der Tatsache, dass sie die Masterarbeit in Englisch verfasst hat, so Hollnaicher. <BR /><BR />„Die Aufmerksamkeit, die das Projekt erregte, war dann größer als erwartet“, schildert sagt die junge Kreative. Aus dem Studentenprojekt wurde ein festes Netzwerk, das bis heute nach und nach Zuwachs bekommt. „Es ist eine Gruppe von Gleichgesinnten, die sich austauschen und einander motivieren, aber die durch ihr Tun auch andere inspirieren und ermutigen, den schwierigen Aufbruch in eine zukunftsfähige Form der Landwirtschaft zu wagen.“ Neben Netzwerktreffen bieten sie hin und wieder auch offene Veranstaltungen für Interessierte an. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="890111_image" /></div> <BR /><BR />Mittlerweile arbeitet Meike Hollnaicher selbstständig als Mediendesignerin und führt das Projekt gewissermaßen ehrenamtlich weiter. Zu ihr ist der gelernte Koch und Filmemacher Thomas Schäfer gestoßen, mit dem sie zusätzlich zu Podcasts Kurzfilme über die Arbeit der „Farmfluencers“ gedreht hat. „Wir suchen die Betriebe ganz gezielt aus. Es geht immer um eine ökologisch-nachhaltige Landwirtschaft und um innovative Ideen.“ <h3> Von Preisen und Spenden </h3>Auch die Idee von „Meike und Tom“, wie die „Farmfluencers“ das Duo nennen, scheint gut anzukommen. Gleich mehrere Auszeichnungen bei Film- und Nachhaltigkeitswettbewerben haben sie schon erhalten. Bei den „Sustainability Days“ im Herbst waren sie dabei. Und erst im Dezember stellte Meike Hollnaicher das Projekt beim Wettbewerb „Strike – Storie die giovani che cambiano le cose“ in Rovereto vor und holte sich nicht nur den Publikums-, sondern auch den Jurypreis. <BR /><BR />„Aktuell arbeiten wir weniger an neuen Kurzfilmen, sondern an einem längeren Dokumentarfilm zum Thema“, verrät die Projektleiterin. Dafür hoffen sie auch auf einen finanziellen Beitrag aus dem Fördertopf der IDM, während die Produktions- und Fixkosten für die anderen Podcasts und Filme mit eventuellen Geldpreisen bei Festivals sowie mit Spenden finanziert werden: „Wir zeigen die Filme auf Anfrage gegen eine freiwillige Spende. Wer sie im Internet sehen möchte, kann das ebenfalls mit einer kleinen einmaligen Spende tun – unter dem Motto ,Buy me a coffee'. Damit möchten wir sicherstellen, dass das Projekt weiterlaufen kann.“ Mittlerweile gibt es auch eine Zusammenarbeit mit dem Land. Lehrpersonen können die Filme über ihre Medienplattform herunterladen, um sie im Unterricht zu zeigen.<BR /><BR />Meike Hollnaicher ist überzeugt davon, dass die „Farmfluencers“ als Vorbilder ihre Botschaften für eine Landwirtschaft mit Zukunft weitertragen müssen. „Alle reden vom nachhaltigen Wirtschaften. Diese Leute tun es“, sagt sie. <BR /><BR /><embed id="dtext86-59311936_listbox" /><BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/farmfluencers-of-south-tyrol-im-interview" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier geht es zu Interviews mit weiteren Südtiroler „Farmfluencers“.</a><BR /><BR />