„Ich würde trotz dem nominalen Plus von 0,3 Prozent einem stabilen Exportgeschäft sprechen“, sagt Luciano Partacini, Direktor des Amtes für Wirtschaftsinformation beim Wifo der Handelskammer Bozen. „Real, also preisbereinigt, sind die Exporte aber leicht geschrumpft.“<h3> Drei Märkte, ein Nenner</h3>Der wichtigste Handelspartner bleibt weiterhin Deutschland. Doch die Exporte dorthin gingen laut Angaben des Landesstatistikamtes Astat 2025 um 8,6 Prozent zurück und lagen nur noch bei 2,26 Milliarden Euro – ein Minus von mehr als 200 Millionen Euro.<BR /><BR />Auch Österreich, der zweitwichtigste Absatzmarkt für Südtirol, entwickelte sich negativ. Die Ausfuhren sanken um 6,8 Prozent auf 764 Millionen Euro. Zusammen stehen die beiden Nachbarländer weiterhin für rund 40 Prozent der Südtiroler Exporte, allerdings mit sinkender Tendenz. Und das, obwohl das BIP in beiden Ländern nach Jahren der Rezession wieder leicht gewachsen ist. <BR /><BR />Im Gegensatz dazu erhöhten sich die Exporte in die USA, dem drittwichtigsten Markt, um 8,6 Prozent – trotz der aggressiven Zollpolitik unter Präsident Trump. Interessant ist dabei, dass sowohl das Minus in Deutschland und Österreich als auch das Plus bei den Vereinigten Staaten mit derselben Warengruppe zusammenhängt: elektrische Ausrüstungen, vor allem Ladesäulen für Elektrofahrzeuge.<BR /><BR />„Das deutet auf eine geografische Verschiebung bei den Investitionen in diesem Bereich hin, die 2025 stattgefunden hat“, erklärt Partacini gegenüber diesem Medium. „Ohne diesen Effekt wären die Exporte nach Deutschland und Österreich in etwa stabil geblieben, während jene in die USA rückläufig gewesen wären.“ Zugleich zeigt sich einmal mehr, wie stark einzelne Unternehmen die Exportbilanz eines vergleichsweise kleinen Wirtschaftsraums beeinflussen können.<h3> Sonderfall Rumänien</h3>Auffällig ist ein weiterer Markt: Rumänien. Die Ausfuhren dorthin stiegen im vergangenen Jahr um 87 Prozent auf 296 Millionen Euro. Damit katapultierte sich das Land auf Platz sechs der wichtigsten Exportmärkte Südtirols – noch vor Spanien oder den Niederlanden.<BR /><BR />Der Hintergrund liegt allerdings weniger in einer breiten Expansion vieler Unternehmen, sondern in einem großen Auftrag im Fahrzeugbau. Maßgeblich verantwortlich dafür ist der Bozner Militärfahrzeughersteller Iveco Defence Vehicles (IDV).<BR /><BR />Das Unternehmen liefert im Rahmen eines bereits früher abgeschlossenen Vertrags taktische Militärlastwagen an die rumänischen Streitkräfte. Insgesamt umfasst der Auftrag mehrere tausend Fahrzeuge mit einem Gesamtvolumen von rund 750 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr lief die Auslieferung einer großen Tranche auf Hochtouren. <BR /><BR /><embed id="dtext86-73904810_quote" /><BR /><BR />Aufbauend auf diesem Rahmenvertrag wird nun in den kommenden Jahren eine weitere Tranche abgerufen, die die Lieferung von weiteren 860 Militär-Lkw vorsieht, wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde. Der Rumänien-Effekt dürfte sich damit auch künftig in der Exportstatistik bemerkbar machen.<BR /><BR />„Insgesamt weisen die Exporte in EU-Länder ein Minus von 2,3 Prozent auf, jene in Nicht-EU-Staaten ein Plus von 7,1 Prozent“, so Partacini.<h3> Lebensmittel bleiben wichtigste Warengruppe</h3>Ein Blick auf die wichtigsten Warengruppen zeigt, wie breit die Südtiroler Exportwirtschaft grundsätzlich aufgestellt ist. Nahrungsmittel und Getränke – von Keksen über Fruchtsäfte bis Wein – führen die Rangliste der Exportgüter an. Mit 1,32 Milliarden Euro beziehungsweise 17,1 Prozent Anteil stellen sie die größte Warengruppe der Südtiroler Ausfuhren dar.<BR /><BR />An zweiter Stelle folgen Maschinen und Industrieanlagen, etwa Seilbahnen, Spezialmaschinen oder Produktionsanlagen, mit einem Exportwert von 1,13 Milliarden Euro und einem Anteil von 14,6 Prozent.<BR /><BR />Auf Platz drei liegen elektrische Ausrüstungen mit rund einer Milliarde Euro und 13 Prozent Anteil, allerdings – wie erwähnt – mit einem deutlichen Rückgang von fast einem Drittel im Vergleich zu 2024. Ebenfalls stark vertreten ist der Fahrzeugbau. Fahrzeuge und Fahrzeugkomponenten kommen mittlerweile auf rund 12,6 Prozent der Exporte. Auch land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Äpfel, spielen mit 12,3 Prozent Anteil eine wichtige Rolle im Südtiroler Außenhandel.<BR /><BR /><embed id="dtext86-73904766_quote" /><BR /><BR />Laut Alexander Rieper, Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol (UVS), zeigt die Exportstatistik ein differenziertes Bild: „Während die Ausfuhren in europäische Länder rückläufig waren, legten sie in anderen Weltregionen deutlich zu.“ UVS-Vizepräsident Klaus Mutschlechner warnt vor der aktuell angespannten Lage: „Die geopolitischen Konflikte treiben die Kosten für Energie, Transport und Rohstoffe in die Höhe und können Lieferketten unterbrechen.“