<BR />Euregio Plus – den Namen dürften viele schon einmal gehört haben. Was genau die Kapitalverwaltungsgesellschaft macht, ist dagegen weniger bekannt. Sie verwaltet unter anderem den Zusatzrentenfonds Pensplan Profi, ist inzwischen aber in zahlreichen weiteren Bereichen aktiv. Mit zwei größeren Projekten von öffentlichem Interesse dürfte Euregio Plus nun stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken: mit der Entwicklung ehemaliger Militärareale und mit der Fotovoltaikoffensive des Landes. Grund genug, sich anzusehen, was genau hinter der Gesellschaft steckt und welche Aufgaben sie übernimmt.<BR /><BR />Euregio Plus SGR gibt es in ihrer heutigen Form seit 2018. Damals beschloss die Landesregierung, die Gesellschaft Pensplan Invest in eine sogenannte Inhouse-Gesellschaft mit einem erweiterten Aufgabengebiet umzuwandeln. Eigentümer sind das Land Südtirol und die Provinz Trient mit je 45 Prozent sowie die Pensplan Centrum AG mit zehn Prozent. Ziel ist es, die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung des Gebiets nachhaltig zu unterstützen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1348335_image" /></div> <BR /><BR />Vereinfacht gesagt funktioniert das so: Euregio Plus sammelt Kapital von Anlegern, bündelt es in verschiedenen Investmentfonds und investiert es nach den jeweiligen Regeln dieser Fonds. Das Geld fließt unter anderem in Unternehmen, Tourismusprojekte, Immobilien und erneuerbare Energien.<BR /><BR />Derzeit verwaltet Euregio Plus acht Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 800 Millionen Euro. Ende 2019 waren es noch etwa 500 Millionen Euro. Und das verwaltete Vermögen soll weiter wachsen. „Wir gehen davon aus, bereits im kommenden Jahr oder spätestens 2028 die Marke von einer Milliarde Euro an verwalteten Mitteln zu überschreiten“, sagt Euregio-Plus-Generaldirektor Sergio Lovecchio.<BR /><BR />Euregio Plus bewegt sich damit zwischen zwei Aufgaben: Sie soll Geld gewinnbringend investieren im Interesse der Anleger und gleichzeitig Projekte finanzieren, die auch im öffentlichen Interesse liegen. Wie stark diese beiden Ziele jeweils ins Gewicht fallen, hängt von der Strategie des einzelnen Fonds und von den Erwartungen der Anleger ab.<h3>Vom Militärgelände zum Wohnviertel</h3>Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt zuletzt der jüngste Fonds von Euregio Plus, der Fonds „Euregio+ Valore Alto Adige/Südtirol“. Er wurde im Dezember 2025 aufgelegt. Sein Ziel ist es, nicht mehr genutzte öffentliche Flächen und Gebäude aufzuwerten und für neue Projekte nutzbar zu machen.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-75994477_quote" /><BR /><BR /><BR />Gemeinden oder das Land können Grundstücke und Gebäude in den Fonds einbringen. Dieser entwickelt die Immobilien städtebaulich weiter und entscheidet anschließend, ob sie verkauft oder über spezielle Fonds weiterentwickelt werden. Euregio Plus übernimmt damit im Grunde die Rolle eines Immobilienentwicklers – allerdings innerhalb eines Fonds. Nach dem Konzept soll dabei nicht nur eine Rendite erzielt werden, sondern auch ein Nutzen für die Allgemeinheit entstehen.<BR /><BR />Wie etwa die Rastwiesen in Eppan. Sie sind das erste Beispiel in Südtirol, wo die Bebauung eines ehemaligen Militärareals durch einen Investmentfonds mit öffentlicher Beteiligung umgesetzt wird. 2027 soll Euregio Plus das Areal übernehmen, der Baubeginn ist für 2028 angekündigt.<BR /><BR />Für Generaldirektor Sergio Lovecchio gehört dieser Fonds zu den wichtigsten im Portfolio. Immerhin gehe es dabei auch darum, einen Beitrag zu leisten, um ein drängendes Problem der Südtiroler zu lösen: den Mangel an Wohnraum.<h3> Geld für Mittelständler</h3>Schon länger ist Euregio Plus SGR als Finanzierer von Klein- und Mittelbetrieben aktiv. Über den Fonds „Euregio+ PMI“ stellt die Gesellschaft Unternehmen Kapital für Wachstum, Innovationen und nachhaltige Investitionen zur Verfügung – als Ergänzung zu klassischen Bankkrediten.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1348338_image" /></div> <BR />Dabei kommen verschiedene Formen der Fremdfinanzierung zum Einsatz. Der Fonds kann Unternehmen direkt Kredite gewähren oder sogenannte Minibonds erwerben. Dabei gibt ein Unternehmen eine Anleihe aus, um sich Kapital zu beschaffen. Der Fonds kauft diese Anleihe und stellt dem Betrieb damit Geld zur Verfügung.<BR /><BR />Künftig soll das Angebot für Unternehmen erweitert werden. „Noch in diesem Jahr werden wir eine neue Initiative zur Unterstützung von Unternehmen starten“, kündigt Lovecchio an. Neben Minibonds und direkten Krediten soll sie die Gesellschaft auch Eigenkapitalfinanzierungen ermöglichen. Dabei würde sich der Fonds direkt an Unternehmen beteiligen. „Damit wollen wir insbesondere den Generationenwechsel in Unternehmen, das Wachstum der Betriebe und ihre Internationalisierung stärker unterstützen.“ <BR /><BR />Ziel ist ein Fonds mit einem Volumen von 200 Millionen Euro.<h3> Wenn Hotelbauten immer teurer werden…</h3>Zu den wichtigsten Fonds zählt laut Generaldirektor Lovecchio heute auch jener für den Tourismus, vor allem wegen der zentralen Bedeutung, die der Tourismus für Südtirol hat. Der Fonds kann sich an Hotelprojekten beteiligen, aber auch andere Formen der Finanzierung bereitstellen. „Ziel des Fonds ist es, die Qualität der Hotelbetriebe zu steigern. Er kommt bei Projekten zum Einsatz, bei denen die Banken als Voraussetzung für eine Finanzierung einen höheren Eigenkapitalanteil verlangen. Die Kosten für die Modernisierung von Hotels sind inzwischen so stark gestiegen, dass sie nicht mehr ausschließlich über Bankkredite finanziert werden können“, erklärt Lovecchio.<BR /><BR />Und die Nachfrage sei da: „Wir haben inzwischen eine weitere Kapitalbeschaffung eingeleitet, um auf die zahlreichen Anfragen aus der Region reagieren zu können.“<BR /><BR />Bislang hat sich der Fonds an sechs Tourismusunternehmen beteiligt. Das erste war das Fünf-Sterne-Familienhotel „Das Gerstl Family Retreat“ am Reschensee, das 2025 eröffnet wurde. <h3> … oder ausländische Investoren zugreifen wollen</h3>Jüngstes Projekt war das Luxushotel „Lindenhof“ in Naturns, wo der Fonds „Euregio+ Turismo“ von Euregio Plus gemeinsam mit Signal, der Familienholding der Trentiner Lunelli-Gruppe, und der Mailänder Investmentgesellschaft First Atlantic Real eingestiegen ist. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-75994653_listbox" /><BR /><BR /><BR />Dabei ging es nicht um einen Neubau oder eine Modernisierung, sondern um die Eigentümerstruktur. Nach Angaben von Lovecchio lagen Kaufangebote von zwei ausländischen Interessenten vor. Der bisherige Eigentümer habe sich aber gewünscht, das Hotel in regionaler Hand zu halten. „Die Alternative wäre gewesen, dass das Hotel in die Hände eines niederländischen oder französischen Investors gelangt. Nun wird die operative Führung des Hotels an einen noch zu bestimmenden Betreiber gehen, während die Eigentümerstruktur in der Region bleibt.“<h3> Auch Start-ups bekommen Kapital</h3>Nach einem ähnlichen Prinzip – also über Unternehmensbeteiligungen – arbeitet der Start-up-Fonds „Euregio Plus Alpine Venture Capital SICAF“. Er stellt jungen, innovativen Unternehmen Risikokapital zur Verfügung. Bislang hat sich der Fonds in sieben Start-ups beteiligt, heuer soll die Zahl auf mindestens zehn steigen.<h3> Geld für die Energiewende</h3>Eine ganz andere Aufgabe übernimmt Euregio Plus SGR bei der Fotovoltaik-Offensive des Landes. Ziel des Landes ist es bekanntlich, die Fotovoltaikanlagen in den nächsten Jahren weiter auszubauen, um die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien massiv zu steigern und die Vorgaben des „Klimaplans Südtirol 2040“ zu erfüllen. Daher stellt der Fonds „Euregio+ Energy Alto Adige/Südtirol“ Kapital für den Bau von Fotovoltaikanlagen bereit, die Flächen dafür stellen öffentliche Einrichtungen zur Verfügung.<BR /><BR />Das Prinzip ist einfach: Will beispielsweise eine Gemeinde eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach eines Gemeindegebäudes errichten, aber die Investition nicht selbst finanzieren, kann sie die Fläche dem Fonds zur Verfügung stellen. Dieser finanziert und errichtet die Anlage, betreibt sie anschließend und verkauft den erzeugten Strom. Einen Teil davon kann die Gemeinde zu günstigen Konditionen beziehen. Nach vollständiger Deckung der Investitionskosten geht die Fotovoltaikanlage in das Eigentum der Gemeinde über.<BR /><BR />Ein Pilotprojekt mit dem Land ist bereits gestartet. „Wir sind überzeugt, dass konkrete Projekte und tatsächlich umgesetzte Anlagen dazu beitragen können, weitere Gemeinden von diesem Modell zu überzeugen“, sagt Lovecchio.