Freitag, 29. April 2016

Südtirols Milchwirtschaft schlägt Alarm

Eigentlich hieß es bis vor ein paar Monaten immer: Der Wegfall der Milchquoten auf EU-Ebene habe der Südtiroler Milchwirtschaft nicht geschadet. Doch nun ist es doch anders gekommen. „Wir machen uns große Sorgen“, sagte Sennereiverbands-Obmann Joachim Reinalter am Freitagvormittag bei der jährlichen Vollversammlung.

In Südtirol konnte der Milchpreis bislang weitgehend gehalten werden, aber die Zukunft sieht nicht so rosig aus.
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In Südtirol konnte der Milchpreis bislang weitgehend gehalten werden, aber die Zukunft sieht nicht so rosig aus.

Schon das abgelaufene Milchwirtschaftsjahr, das erste Jahr nach Auslaufen der Quoten, sei global gesehen ein hartes gewesen, so Reinalter: „Das Angebot war anhaltend hoch, die Nachfrage gering, der Preisdruck entsprechend stark.“
Dies sei auch an Südtirols Milchhöfen nicht spurlos vorübergegangen.

Sennereiverbands-Obmann Joachim Reinalter am Freitag. - Foto: STOL

„Deshalb“, so Reinalter, sei es umso erstaunlicher, dass es ihnen gelungen sei, den Milchpreis weitgehend stabil zu halten. So wurden landesweit durchschnittlich 50,98 Cent/Kilogramm ausgezahlt. „Wir haben im Berggebiet wegen kleiner Betriebe, geringer Produktivität, schwieriger Arbeitsbedingungen und aufwändiger Logistik auch sehr hohe Produktionskosten“, betonte der Obmann.

Große Sorgen bereitet aber die Zukunft

Der Milchmarkt sei nach dem Auslaufen der Milchquoten noch härter umkämpft als bisher. „Die Leidtragenden sind vor allem die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe“, unterstrich der Sennereiverbands-Obmann. Die größten Sorgen für die Milchwirtschaft halte der Absatzmarkt bereit.

Auf Abnehmerseite schreite die Konzentration weiter voran, die Marktmacht der großen Handelsketten sei enorm, die Schere zwischen Handel und Produzenten klaffe immer weiter auseinander. Die großen Handelsketten würden wegen des großen Angebots und ihrer Marktmacht nicht nur den Preis diktieren, sondern den Produzenten auch immer höhere Auflagen auferlegen. „Diese Auflagen sind aber mit Kosten verbunden“, so Reinalter, „und da müssen wir uns fragen, wer diese zu übernehmen bereit oder imstande ist“.

Der Grund, warum Südtirol noch mithalten konnte

Dass Südtirols Milchwirtschaft angesichts der Marktsituation überhaupt noch konkurrenzfähig sei, liege einzig und allein an deren Organisation in Genossenschaften, zeigte sich der Obmann überzeugt.
„Ziel einer Genossenschaft ist nicht die klassische Gewinnmaximierung, sondern ein höchstmöglicher Auszahlungspreis für ihre Mitglieder.“

Bester Milchlieferant Südtirols ausgezeichnet

Alle Widrigkeiten zum Trotz gibt es noch leidenschaftliche Milchbauern, wenn auch oft im Nebenerwerb. So wurde Familie Gamper vom Plazairhof in Latsch als bester Milchlieferant des Landes ausgezeichnet. Ein Gespräch mit den Preisträgern: 

stol/sor

stol