Donnerstag, 29. November 2018

Südtirols Unternehmen erwarten Wirtschaftswachstum

Das Geschäftsklima in Südtirol bleibt sehr positiv und fast alle Unternehmen sind mit der Ertragslage zufrieden. Dies zeigt die Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

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Die Herbstausgabe des Wirtschaftsbarometers bestätigt das gute Geschäftsklima: 9 von 10 Unternehmen sind mit der Rentabilität im laufenden Jahr zufrieden. Darüber hinaus glauben die Südtiroler Unternehmer, dass die Konjunkturlage auch 2019 günstig bleiben wird. 94 Prozent von ihnen gehen von zufriedenstellenden Gewinnen im kommenden Jahr aus und fast ein Viertel erwarten sogar eine gute Rentabilität.

Mehr Arbeitnehmer dank positiver wirtschaftlicher Entwicklung

Die Umsätze der Südtiroler Unternehmen steigen seit 4 Jahren und auch heuer hat das Geschäftsvolumen auf allen Absatzmärkten zugenommen. Insbesondere der Südtiroler Markt hat sich sehr günstig entwickelt, was zum Teil auch auf die steigenden Verkaufspreise zurückzuführen ist. Das Preisniveau in Südtirol hat in den letzten 12 Monaten um 1,9 Prozent zugenommen. Die positive Umsatzdynamik dürfte sich nach Aussagen der befragten Unternehmen auch 2019 fortsetzen.

Auch das Investitionsvolumen ist heuer gewachsen, insbesondere was Maschinen und Anlagen betrifft. Dies ist unter anderem auf die steuerlichen Begünstigungen des Staates (sog. „Sonderabschreibung“) zurückzuführen, die leider für das nächste Jahr nicht verlängert werden. Die Unternehmen melden einen erheblichen Anstieg der Produktionskosten, welcher aber die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährdet hat. Der Zugang zu Krediten und die Zahlungsmoral der Kunden werden als stabil bewertet.

Die positive Entwicklung der Wirtschaft wirkt sich auch günstig auf den Arbeitsmarkt aus. Zwischen Januar und September 2018 lag die Zahl der Arbeitnehmer in Südtirol durchschnittlich bei 209.770 Personen, das sind 3,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2017. Im Hinblick aufs nächste Jahr gehen die Unternehmen von einer weiteren Zunahme der Beschäftigung aus.

Das Geschäftsklima ist in allen Sektoren positiv. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Wachstum die gesamte Wirtschaft betrifft. Besonders optimistisch äußern sich das Tourismusgewerbe und der KFZ-Handel. Darüber hinaus sind die Prognosen für 2019 ermutigend, da in fast allen Wirtschaftssektoren eine Steigerung der Rentabilität erwartet wird.

Die Stimmung ist nicht nur bei den Unternehmen, sondern auch bei den Haushalten gut. In den ersten 9 Monaten 2018 lag der vom WIFO ermittelte Konsumklimaindex weiterhin über dem italienischen und europäischen Durchschnitt sowie über dem Langzeit-Niveau. Insbesondere sind die Südtiroler/innen zuversichtlich, was die zukünftige Entwicklung des Arbeitsmarktes und der eigenen Sparmöglichkeiten betrifft.

Die Wirtschaft in Italien und in Europa

Die Stimmung von Unternehmen und Konsumenten ist auch in Europa noch positiv, trotz einiger Zeichen für die Abschwächung. Der entsprechende Index „Economic Sentiment Indicator” bleibt auf einem hohen Niveau, ist aber seit dem Höchststand im Dezember 2017 allmählich gesunken.

Dies ist hauptsächlich auf die Verlangsamung des internationalen Handels zurückzuführen, aber auch auf die Finanz- und Währungsspannungen in einigen Schwellenländern (z.B. Türkei und Argentinien). Aufgrund dieser Entwicklungen wurden die Wachstumsprognosen für die Eurozone nach unten korrigiert, für das laufende Jahr wird aber noch ein weitgehend positives Wachstum von 2,1 Prozent erwartet. Darüber hinaus ist die Arbeitslosenquote weiter gesunken und liegt derzeit bei 8,1 Prozent.

Unsicherheitsfaktoren beherrschen 2019

In Hinsicht auf 2019 bestehen einige Unsicherheitsfaktoren, insbesondere die nahenden europäischen Wahlen und die Auswirkungen des Brexit. Darüber hinaus verändern sich einige Rahmenbedingungen, welche die europäische Wirtschaft in den letzten Jahren begünstigt haben. Beispiele dafür sind der Anstieg des Ölpreises und das Ende des Wertpapierkaufprogramms der Europäischen Zentralbank. Die europäische Wirtschaft bleibt jedoch solide und die Kommission prognostiziert für 2019 ein Wachstum des BIP des Euroraumes um 1,9 Prozent. Deutschland und Österreich, die wichtigsten Handelspartner Südtirols, werden sich ähnlich entwickeln (+1,8 bzw. +2,0 Prozent).

Italien weiterhin in der Krise

Die Wachstumsschätzungen für Italien wurden nach den enttäuschenden Daten des dritten Quartals nach unten korrigiert: Das ISTAT prognostiziert für 2018 eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes um 1,1 Prozent. Eine negative Rolle spielte dabei die Entwicklung der Industrieproduktion, vor allem im Automobilsektor. Das Wachstum in Italien stützt sich derzeit vor allem auf den privaten Konsum und auf die Investitionen, welche weiterhin von günstigen Finanzierungsbedingungen profitieren.

Für 2019 erwartet man einen weiterhin moderaten Anstieg des BIP um 1,2 Prozent. Wesentliche Unsicherheiten bestehen bezüglich des umstrittenen Haushaltsgesetzes. Die Regierung plant eine expansive Fiskalpolitik mit Maßnahmen, die von der Armutsbekämpfung bis hin zu den Renten- und Steuersystemen reichen. Dieses Vorhaben wurde jedoch von den italienischen und europäischen Institutionen wegen der zweifelhaften Wirksamkeit und der Verschlechterung des Haushaltsdefizits heftig kritisiert. Insbesondere hat die Europäische Kommission das Haushaltsgesetz bereits abgelehnt und wird voraussichtlich ein Defizitverfahren gegen Italien einleiten. Das italienische Wirtschaftsszenario bleibt trotz einer leichten Verbesserung in den letzten Jahren von der starken Staatsverschuldung und der hohen Arbeitslosigkeit beeinträchtigt.

Aufgrund der positiven Lage der heimischen Wirtschaft geht das WIFO trotz der Abschwächung der italienischen und internationalen Konjunkturlage von einem Wachstum des Südtiroler Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2018 um 2,1 Prozent und im Jahr 2019 um 2 Prozent aus.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, unterstreicht die Notwendigkeit einer starken Investitionstätigkeit: „2018 war ein gutes Jahr für die Südtiroler Wirtschaft, wie die positive Stimmung bei Unternehmen und Konsumenten zeigt. Nun sollten weiterhin optimale Investitionsbedingungen gewährleistet werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen erhalten und weiter gesteigert werden kann.“

stol

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