Die wirtschaftliche Entwicklung in Südtirol spürt teilweise die Verlangsamung des Wachstums in ganz Europa und insbesondere die Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft. Die Rentabilität ist laut der Befragung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) allerdings nach wie vor weitgehend positiv: 90 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Ertragslage im laufenden Jahr als (zumindest) befriedigend. Auch der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin günstig: Von Januar bis September gab es in Südtirol durchschnittlich über 231.000 unselbständig Beschäftigte, was einem Anstieg von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. <BR /><BR />Mit Blick auf das Jahr 2025 erwarten die Unternehmen keine wesentliche Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds. Die Umsatzentwicklung wird in allen Absatzmärkten insgesamt positiv ausfallen, wobei die mittleren und großen Unternehmen weiterhin deutlich bessere Erwartungen haben als die kleineren. Die Ungewissheit über die Erholung der Gesamtnachfrage im In- und Ausland wird den Aufschwung der Investitionen trotz der günstigeren Finanzierungskosten verzögern.<h3> Mit Rentabilität zufrieden</h3> Das Nachlassen des inflationären Drucks auf die Betriebskosten, in Verbindung mit den erwarteten Erhöhungen der Verkaufspreise, wird eine Verbesserung der Gewinnmargen begünstigen: 93 Prozent der Unternehmen sind zuversichtlich, eine zufriedenstellende Rentabilität im kommenden Jahr zu erzielen. Betrachtet man die einzelnen Sektoren, so ist der größte Optimismus im Dienstleistungssektor, im Tourismus und bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften zu finden, wo fast alle Unternehmen ein befriedigendes und oft sogar gutes Betriebsergebnis erwarten. Heterogener sind die Erwartungen dagegen im verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe, im Fahrzeughandel und -reparatur sowie im Verkehrssektor, wo ein Zehntel der Unternehmen von einer unbefriedigenden Rentabilität ausgeht. <h3> Schwieriges Umfeld</h3>Nach den jüngsten Prognosen der OECD wird die Weltwirtschaft sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr voraussichtlich um 3,2 Prozent wachsen. Trotz der Schwächezeichen der letzten Monate werden China und die Vereinigten Staaten 2024 ein Wachstum von 4,9 bzw. 2,6 Prozent aufrechterhalten, bevor es 2025 zu einer leichten Verlangsamung kommt. <BR /><BR />In Europa hingegen bleibt das Wirtschaftswachstum schwach: Das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone wird heuer nur um 0,7 Prozent steigen. Besondere Schwierigkeiten hat weiterhin Deutschland, das sich in einer leichten Rezession befindet, ebenso wie Österreich. Im Jahr 2025 dürfte ein Wachstumsschub für die europäische Wirtschaft vom privaten Konsum ausgehen, dank Lohnerhöhungen, hoher Beschäftigung, sinkender Inflation und niedrigerer Zinssätze. Die OECD erwartet, dass das BIP der Eurozone im nächsten Jahr um 1,3 Prozent wachsen wird. Die Hauptrisiken für das Wachstum resultieren aus den Kriegen im Nahen Osten und in der Ukraine, den Schwierigkeiten im Seefrachtverkehr und den Auswirkungen des ökologischen Wandels auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industriesektoren, vor allem der Autoindustrie.<BR /><BR />Das italienische BIP entwickelte sich weiterhin etwas günstiger als der europäische Durchschnitt, wobei die OECD für 2024 ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet. <BR /><BR />Was die öffentlichen Finanzen anbelangt, so wird die Regierung durch die Wiedereinführung der Schuldenregeln für EU-Staaten zu mehr Haushaltsdisziplin gezwungen. Laut OECD wird aber das Wachstum im Jahr 2025 immerhin 1,1 Prozent betragen.<h3> Die Wachstumsaussichten für Südtirol</h3>In Südtirol bleibt das Vertrauensklima bei Unternehmen und Konsumenten laut Wifo positiv. Die Beschäftigungslage ist weiterhin günstig, ebenso wie die touristische Entwicklung. Die Schwierigkeiten in Deutschland wirken sich jedoch negativ auf die Umsatzentwicklung aus, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Das WIFO geht von einem Anstieg des Südtiroler Bruttoinlandproduktes von 0,8 Prozent im Jahr 2024 und von 1,2 Prozent im Jahr 2025 aus. <BR /><BR /> „Trotz der wirtschaftlichen Abschwächung in unseren wichtigsten Partnerländern bleiben die Südtiroler Unternehmen für 2025 optimistisch. Es ist wichtig, die Investitionen zu fördern, um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung zu sichern“, betont Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen.