Montag, 07. März 2016

Südtirolvermarktung vor Ort: Wer ab 2018 das Sagen hat

In knapp zwei Jahren soll die viel diskutierte Reorganisation der Tourismus-Strukturen im Land operativ sein. Wie das aussehen soll, wer wen zum Vorgesetzten hat und wie das Ganze - ohne neue Abgabe - finanziert wird, hat die Arbeitsgruppe Tourismus den Tourismusverbänden und -vereinen am Montag präsentiert.

Landeshauptmann Kompatscher, HGV-Präsident Manfred Pinzger und LTS-Präsident Ambros Hofer bei der Vorstellung.
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Landeshauptmann Kompatscher, HGV-Präsident Manfred Pinzger und LTS-Präsident Ambros Hofer bei der Vorstellung. - Foto: © LPA

"Dass es neben Anerkennung heute auch Bedenken und offene Fragen gab, war zu erwarten“, sagt Landeshauptmann Arno Kompatscher am Montag. Um Tourismusvereine und -verbände über das neue Modell zu informieren, hatte er die Betroffenen in den Innenhof des Landhauses 1 geladen.

70 Millionen Euro für die Tourismuswerbung bündeln

„Das Ziel, ohne neue Tourismusabgaben noch stärker und gezielter in die Südtirol-Tourismus-Werbung zu investieren, können wir mit der der neuen Organisationsstruktur aber erreichen", begründet Kompatscher den Schritt und die Motivation zur einschneidenden Reorganisation im Tourismussektor. 

Immerhin geht es um ein Budget von 70 Millionen Euro für die Tourismuswerbung. Und zu häufig werden die Vorgaben für die Südtirol-Kommunikation auf lokaler Ebene zu wenig beachtet – was die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel schwäche.

Drei REM-Teams statt 10 Tourismusverbände

Das Ergebnis der Arbeitsgruppe in Sachen Reorganisation nach über einem Jahr, das Ende Februar abgesegnet wurde (STOL hat berichtet): An die Stelle der zehn bisherigen Tourismusverbände treten am 1. Jänner 2018 drei sogenannte regionale Managementeinheiten (RME).

Statt 10 Tourismusverbänden gibt es künftig 3 REM (=Regionale Management Einheiten). 

 

Die RME-Teams werden bei Südtirols Wirtschaftsdienstleister IDM angestellt und regional auf jeweils zwei Büros verteilt sein, um im regen Austausch mit den örtlichen Tourismusvereinen zu stehen. Die RME werden die Tätigkeit der örtlichen Organisationen direkt unterstützen. Auch starke regionale Marken sollen weiter potenziert und mit der Dachmarke verknüpft werden.

IDM gibt das große Ganze vor 

Der Leiter der Abteilung Kommunikation bei IDM, Marco Pappalardo, stellte die Aufgabenverteilung vor, wie sie die Arbeitsgruppe vorgesehen hat. Diese sieht vor, dass die IDM das große Ganze vorgibt: die Marketingstrategie für die Tourismusentwicklung in Südtirol definiert, die Dachmarke Südtirol positioniert und Destinationsmarketing für Südtirol betreibt.

 Die RME koordinieren hingegen die Aktivitäten in den Ortschaften, inklusive Destinationsmanagement nach Themen und Erlebnisräumen. Die TV organisieren ihrerseits die örtlichen Aktivitäten gemäß ihren Profilen, betreuen ihre Mitglieder und vor allem den Gast vor Ort.

Aufgabenverteilung IDM, REM und TV.

Wie sich die Struktur finanziert

Die drei RME mit jeweils zwei regional angesiedelten Büros finanzieren sich folgendermaßen: aus dem Landeshaushalt über die IDM-Finanzierung, aus einem Anteil der Schlüsselbeiträge, aus 25 Prozent der Basis-Ortstaxe sowie aus zusätzlichen Einnahmen durch Einkauf von Marketinginitiativen durch die Tourismusvereine und durch andere Akteure.

Die Tourismusvereine (TV) finanzieren sich aus 75 Prozent der Basis-Ortstaxe, aus Gemeindezuschüssen, aus einem Anteil der Schlüsselbeiträge, aus Investitionszuschüssen  laut Tourismus-Landesgesetz 33/1992 sowie aus Eigenmitteln wie Mitgliederbeiträge und anderen Zuwendungen.

Was als Nächstes passiert

„Eine Change-Management-Projektgruppe wird sich in nächster Zeit gemeinsam mit den jeweils Betroffenen mit allfälligen Detailfragen auseinandersetzen“, sagt Kompatscher abschließend. Und für tüchtige Mitarbeiter der Tourismusverbände gebe es auch in den RME interessante Aufgaben.
„Nun bitte ich Sie aber alle, sich auf das Modell einzulassen und in konstruktiver Weise mitzuarbeiten. Die Tourismusmärkte entwickeln sich rasant, deshalb müssen wir beweglich bleiben, wenn möglich sogar Entwicklungen antizipieren“, schwört der Landeshauptmann die Teilnehmer aus den bestehenden Tourismusorganisationen ein.

Widerstände in Engagement umwandeln

„Eine bestehende Organisationsstruktur aufzugeben ist immer ein Balanceakt. Menschen wünschen sich in der Regel, alles unverändert zu lassen – denn Neuerungen schaffen Unsicherheit“, sagt IDM-Präsident Thomas Aichner bei der Vorstellung. Dazu sollen die vom Wandel betroffenen Menschen in den Veränderungsprozess miteinbezogen werden.
„Das verlangsamt zwar den Entscheidungsprozess, aber nicht die Umsetzung – denn die Veränderungsresistenz der Beteiligten kann mit guter Wahrscheinlichkeit in eine positive Energie umgewandelt werden“, erklärt Aichner.  

stol/lpa/ker

stol